Paris - Antony - Le Bourget

In dieser Nacht fuhr ab Berlin Zoo der Nachtzug 242 direkt in „das Herz der Stadt“ Paris.

Gebucht wurde über Telefon und das Ticket am Automaten ausdruckt. Allein; eine Reihe von Automaten zeigen nicht den „richtigen“ Begrüssungsbildschirm und die vorbereiteten Tickets können dort nicht ausgedruckt werden. Auch am Comfort-Schalter kann die Fahrkarte nicht ausgedruckt werden. Schliesslich erbarmt sich eine Mitarbeiterin am Schalter und weist mir den Weg an einen anderen Automaten. Auf den ist eine Software eingespielt und diese zeigt die benötigte Schaltfläche.

Allein: die bei der Buchung am Telefon mitgeteilte Buchungsnummer lässt sich nicht erfassen. Das liegt aber nicht an der Nummer sondern an dem interaktiven Display, das den Fingerdruck nicht „richtig interpretiert“. Schliesslich ist auch dieses Problem nach einer Reihe von Versuchen gelöst. Man darf halt nicht aufgeben.

Dennoch wird exemplarisch deutlich, wie schwierig es für ältere oder behinderte Menschen sein wird, Aufgaben dieser Art in Zukunft zu lösen. Das Problem werden nicht die „Maschinenmenschen“ sein, sondern die Maschinen, die nicht gut genug dafür sind, die Menschen bedienen zu können.

Das „Gleiche in grün“ am nächsten Morgen am Bahnhof Gare du Nord. Im Internet war ein Tagesticket für den öffentlichen Nachverkehr reserviert und bezahlt worden. Am Bahnhof angekommen, wusste keiner Bescheid, wie man dieses Ticket nun auch ausgestellt bekommt. Weder im Schalter für Touristen - deren Voucher sah anders aus als das von mir vorgelegte - noch am Schalter der SNCF.

Die Auskunft am Touristenschalter war schnell zu bekommen, bei der SNCF dagegen gab es eine gute halbe Stunde Wartezeit und dann die Auskunft, dass man weder die Referenznummer aufrufen könne auf dem Ausdruck bescheinigen, dass dieses nicht möglich gewesen sei.

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Als es dann noch nach mancherlei Umwegen schliesslich möglich war, doch eine solche Bescheinigung zu erhalten, war fast ein Stunde vergangen. Dennoch. Welch eine Wandlung hat der Bahnhof genommen. Endgültig vorbei die Zeiten, wo abends noch die russischen Schlafwagen auf den Aussengeleisen mit Kohle angefeuert wurden, kaum noch etwas, was an die „Eisenbahn“ im herkömmlichen Sinne erinnert. Die Welt hat sich endgültig „elektrisiert“. Selbst die Musiker, die sich früher an allen Ecken und Ende niedergelassen hatten, sind heute durch die zentrale Musikbeschallung ersetzt worden und die Metro-Stationen und -Schächte sind stattdessen heute voll und ganz auf die Mobilkommunikation eingerichtet - selbst die dazugehörige Werbung.

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Auf dem Weg zum Press Club de France: vorbei am Square de Berlin.

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Mit Gedenkstein und Bärenrabatten.

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Angekommmen an der Nummer 8, Rue Jean Goujon im 8ten Bezirk [1].
Welch ein Unterschied zur bisherigen alten Adresse in der Avenue d’Iena im 16ten: Aus dem weitläufigen Club ist ein kleiner Eingangsbereich im „Vorzimmer“ zum Hotel Sofitel geworden. Am Empfang wird man auf „stand by“ geschaltet und dann beim Erscheinen der zuständigen Person auf einem der roten Sitze im hellen Eingangsbereich empfangen. Eine seltsame Situation. Nicht unfreundlich, aber der Empfang eines alten langjährigen Mitgliedes, das sich wieder zur Einschreibung entschlossen hat, blieb so ein sehr formeller, kühl und ohne weitere Interessensbekundungen inhaltlicher Art.

Dennoch: all dieses ist grosser Luxus zum Vergleich des Eingangsbereiches in der Sous-Préfecture d’ Antony. Hier hätte man sich am frühen Morgen schon eine Dreiviertelstunde vor der offiziellen Öffnungszeit in die Schlange einreihen müssen, um überhaupt als „ETRANGER“ eine Chance zu haben, im Verlauf des Tages bis zu einem der Schalter vorgelassen zu werden. Und selbst dann ohne Garantie für einen erfolgreichen Abschluss des eigenen Anliegens...

Nach den Verspätungen am Bahnhof und dem Besuch der Presseclubs ist die Warteliste auf über 100 (einhundert) Personen angewachsen. Und die Wahrscheinlichkeit, überhaupt an diesem Tag noch gehört zu werden, tendiert gegen Null. Im ersten Stock gibt es den Raum 104, wo man sich auf Anmeldung einfinden kann. Da der Besuch gut vorbereitet war, konnte ich in diesem Raum vorsprechen, Aber die Verantwortliche war in einer Besprechung und ausserdem war Mittag-Essens-Zeit angesagt und so gab es zunächst doch keine andere Möglichkeit, als sich wieder in die Masse der Wartenden einzureihen.

Im Warteraum auf der Suche nach einer Steckdose. Da auch die Auskunft „ACCEUIL“ nicht besetzt ist, hilft der diensthabende Polizist. Es wird sogar - eine einzige - Steckdose gefunden. Und das eigene Stromkabel ist so lang, dass es auch an einen Ort zwischen Abfalleimer und Kaffeeautomaten geführt werden kann, an dem keiner gestört wird. So kommt es inmitten von diesem (ein) Tohuwabohu [2] zu einem Ort der Ruhe und der Reflektion. Der Rechner wird geöffnet, gestartet, eine neue Seite wird geöffnet und das Schreiben beginnt. inmitten plärrender Kinder, Leuten, die ihre Dokumente noch fotokopieren und immer noch Nachdrängenden, die eine noch höhere Nummer ziehen als die eigene.

Da tritt der Polizist auf, in seiner ganzen Montur und Grösse und sagt: „ich habe Mitleid mit Ihnen, wie sie da auf dem Boden hocken müssen und schreiben. Sie können sich von dem Schalter, an dem heute kein Publikumsverkehr stattfindet, den Stuhl wegnehmen und sich darauf niedersetzen“. Gesagt getan. Und so ist ein mobiler Arbeitsplatz eingerichtet. Inmitten all diesen Menschen und verregelten Verhältnisse.

Nach der Mittag-Essens-Pause kehrt auch die Dame vom Empfang zurück. Und siehe da, sie kann ebenfalls behilflich sein. Sie gibt mir ein Formblatt für den neuen Ausweis, den es blanko zu unterschreiben gilt. Das wird auch sofort getan. Allerdings sind beim ersten Versuch entweder der untere Bogen oder der Oberstich ein Stückchen weit über den Kasten hinaus geraten. „Das wird Sie teuer zu stehen kommen“, sagt die Dame, als sie nach einem neuen Bogen sucht. Dieses mal passt die Unterschrift. Aber auf der Rückseite muss die ganze Prozedur nochmals wiederholt werden. Dieses Mal ist in dem schwarzen Rahmen ein blauer Rahmen eingefügt. Und wieder überschreibt eine der Unterschriftslinien diesen Rahmen. Helle Empörung. Und ein freundlichen Lachen zugleich. „Sie werden uns hier noch ruinieren“ sagt sie, während Sie den dritten Anlauf mit mir probt. Und dieses Mal gelingt’s auf Anhieb. „Ouff“.

Und dann nimmt das Schicksal seinen lauf. Einer Checkliste entsprechend müssen eine Reihe von Unterlagen bereitgestellt werden. Leider unterscheidet sich diese Liste von jenen Eintragungen, die als Anforderungen im Internet bereitgestellt worden ist. Das ist ärgerlich. Führt aber ebenfalls zu keinerlei echten Verstimmung. Obwohl die Konsequenzen fatal sind.
Der Antrag kann letztendlich nicht abgegeben werden, da nicht alle Unterlagen vollständig beisammen sind. Und als sich dann herausstellt, dass auch die Portrait-Fotos nicht vor einem schwarzen Hintergrund hätten gemacht werden dürfen, ist klar, dass dies „Demarche“ im ersten Anlauf gescheitert ist.

Das ist ärgerlich und wird teuer, da eine weitere Anreise notwendig sein wird. Dennoch lachen wir am Ende beide erneut: beim Ausstellen der provisorischen Verlängerung der Carte de Séjour hatte sie meinen Namen falsch geschrieben. Und nun war es an mir, sie darum zu bitten, das Formular nochmals erneut auszustellen. „Sie haben mich ganz und gar verwirrt“, so ihre Entschuldigung - „und ich übernehme dafür die volle Verantwortung“, so meine Antwort.

Weitere Termine folgen, Und weitere Pannen. Das mobile Telefon gibt seinen Geist auf und so müssen die weiteren Gespräche von Telefonzellen geführt werden, von denen die Hälfte nicht funktioniert. Schließlich gibt es im wunderbaren Hotel de Dieu noch einen Münzapparat und am Tresen wird einem sogar das Geld gewechselt. Es ist fast so wie in den alten Tagen, als man sich noch im Bistro an der Ecke am gewienerten Kupfertresen seinen „Jeton“ gegen Gebühr abholen musst und dann ein Ortsgespräch führen konnte. Lang, lang ist’s her und dennoch ist in der Erinnerung das neue Paris nicht ohne die Erlebnisse im Alten denkbar und spürbar.

Bei einem dieser Telefonate stellt sich heraus, dass einer der nachfolgenden Termine „ins Wasser fällt“, da die Bestätigungsmails zwar abgeschickt und auch nicht zurückgeschickt worden war aber dennoch nicht angekommen. So musst das Telefon nicht nur mit Cents sondern mit Euros gefüttert werden, damit das entgangene Rendezvous zumindest ersatzweise an der Hör- und Sprechmuschel durchgeführt werden konnte.

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Glück im Unglück. So bleibt nach diesem Intermezzo noch Zeit für dem AERO-Salon in Le Bourget. Es war ein super Wetter mit strahlend blauem Himmel. Trotz vorheriger Anmeldung lagen am Empfangstresen keinerlei Informationen vor und der Besucherausweis musst nochmals neu gefertigt werden. Eine viel grössere "Behinderung" aber waren die viele "Prominenz" und das Militär, zwei Gruppen, die gerne unter sich bleiben wollten. Ihr Dialog wurde nur behindert durch die am Himmel mit donnerndem Getöse ihre Schleifen ziehenden Jagd- und Kampfflugzeuge.

Zwischen durch dann durften auch mal die „Kleinen“ kurz an den Start [3]. Zwar keine Mooney, aber immerhin als Start-up als Motorsegler eine STEMME S 10-V [4] und dann am Nachmittag die ebenfalls schon selbst und mit grösstem Vergnügen geflogene DIAMOND - wenn auch hier in der DA-42 Twin Star Zweimot-Version - sowie ein Ultraleichtflugzeug, eine Jodel D 20. Das war zwar weniger spektakulär anzusehen als die Purzelbäume einer Yak-54, aber, wie mir beide Piloten im Gespräch anschliessend sagten, wollten Sie zeigen, wie gut man in den jeweiligen Geräten fliegen kann, und nicht turnen...

Die Anfrage bei der Pressestelle, angeblich "un lieu d’informations et de rencontres" nach der Fédération Française de Planeur Ultra-Léger Motorisé lief total ins Abseits. Die auf entsprechend Fragen hin benannte Halle 4 beherrbergte in der der Tat alle französischen Regionen und die dort beheimateten Hersteller nicht aber die FFPULM. Diese Abkürzung wäre das richtige gewesen, um den entsprechenden Stand zu finden, denn unter „Féderation...“ war auch im Katalog kein solcher Verein zu finden gewesen.

Die Direction Générale de l’Aviation Civile bedurfte nicht der Abkürzung DGAC, um im Katalog gefunden zu werden. Und der Besuch bei den Pilotenscheinen-Lizenzgebern war denn auch insoweit erfreulich, da er von einer guten Bewirtung mit gut gekühlten Getränken aller Art begleitet, bracht aber letztendlich nur den Hinweis auf die für das Thema ULM verantwortlich Person nicht da sein und es auch keine Möglichkeit gäbe, sie selber zu sehen oder mit ihr eine Begegnung zu vereinbaren. Sie sei nur schwer zu erreichen in diesen Tagen, hieß es - und schon gar nicht über eine Mobilnummer.

Die Rückkehr am Bahnhof endet an einer „Asia-Food-Theke“, da dort eine Steckdose identifiziert werden konnte. - und schliesslich auch genutzt werden. Wenn auch nur gegen den zunächst lang andauernden Widerstand des Eigentümer und seiner Dienst-Mädels. Und auch nur für kurze Zeit. Immerhin: es reicht für einige weitere Absätze und eine Tasse Jasmin Tee.
Aber nach kurzem Aufenthalt aber werde ich von dort vollends rausgeworfen mit dem Hinweis, ich würde nun schon fast eine ganze halbe Stunde lang von ihrem Strom kostprotzen und jetzt sei es genug.

Also werden sie „sieben Sachen“ wieder zusammengepackt und im benachbarten „Super M“ wird derjenige Proviant eingekauft, der zuvor bei dem Laden mit den regionalen Produkten nicht zu bekommen war. Selbst eine Flasche von dem besten der dort ausgestellten Marken-Cidre-Getränken war durchaus erschwinglich. Sie kostete kaum mehr als die zuvor georderte Tasse des Jasmin-Tees.

Dann, auf dem Weg zu den Grand Lignes wird das ganze Gepäck noch einmal abgesetzt und der PALM IIIx mit seiner Kodak-Kamera aktiviert. Eine der einfahrenden RER-Züge trug den Namen: BIPE.

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Und die Assoziation zu Marcel Marceaus’ „BIP dans le Métro“ war vorprogrammiert - aber auch schon wieder von vorgestern...

Am Ende der zweiten Nacht im Zug stehen am Ausgang zum Bahnhof Zoo ein Bahnpolizist in blauer Montour und eine "richtiger" Polizist in grüner Montour dicht nebeneinander. Der "richtige" Polizist hat an seiner Hand Handschellen, mit denen er einen am Boden Liegenden versucht zu sich hochzuziehen. Dieser aber lässt sich nicht zur Raison bringen sondern schreit laut und bitter, dass ihm seine Hände absterben, weil sie kein Blut mehr bekämen. Es gibt im Umkréis dieser Personengruppe auch auch Keine(n), (der) die ihn nicht hätte hören könen. Und es gibt aber Keine(n), (der) die stehen geblieben wäre, um der Staats-Gewalt auf die Finger zu schauen. [5].

WS.


Die Abfolge der an diesem Tag gestarteten Fluggeräte [6]

12.01: Stemme S-10
12.45: Zeppelin NT-07
12.56: Zenair CH-701
13.00: Boeing AH-64D Apache Longbow
13.07: ULM Savage
13.13: AgustaWestland EH101 Merlin
13.18: Rex Composites APM 30 Lion
13.23: Eurocopter combined: NH90 + Tigre
13:33: EADS Socata TBM 700
13.39: HAL Dhruv
13.44: HAL Intermediate Jet Trainer HJT-36
13.51: Dassault Mirage 2000
13.58: Dassault Rafale
14.05: Airbus A318
14.10: Airbus A340-600
14.19: Airbus A380-800
14:32: Sukhoi Su-27SMK
14.38: Embraer 175 plus Embraer 195
14.49: Aermacchi M-346
14.55: Eurofighter Typhoon
15.02: Alenia C-27J Spartan
15.09: Lockheed Martin F-16
15.16: Breitling Constellation
15.23: Raytheon T-6 Texan II
15.30: Boeing F/A-18 E/F Super Hornet
15.36: DC-10 Air Tanker Carrier
15:43: Panavia Tornado
15.49: Boeing C-17 Globemaster III
15.58: CAP 232
16.05: Yakovlev Yak-54
16.12: Diamond Aircraft DA-42 Twin Star
16.17: Swift
16.24: Jodel D 20 ULM
16.29: Mission Bleu Rallye 892
16.39: FR 101

[1in Paris sind die Hausnummern wesentlich leichter dem Stassenverlauf zuzuordnen als in Berlin, da sie - fast immer - von der Seine her hinaufgezählt werden

[2Im hebräischen Text der biblischen Schöpfungsgeschichte heißt wüst tohu, und bedeutet wa und leer bohu. Ergibt zusammen: Tohu-wa-bohu. Die Franzosen nennen es schlicht und elegant Tohu-Bohu

[3Dabei hatte das Reglement die gesamte Flugzeit inklusive Start und Landung für diesen Typ auf maximal 5 Minuten [sic!] begrenzt.

[4Für die ganz "Ausgefuchsten" gibt es den Motorsegler bei
simFlight.de in einem 14 MB von Alan Kaiser erstellten Datafile!

[5Welches Privileg, denke ich, dass es mir vergönnt ist, die eigene ebenso schmerzhaft empfundene Auseinandersetzungen mit der Öffentlichen Gewalt immer noch auf eine Art und Weise - wie der hier in "DaybyDay" - führen zu können

[6leider gibt es in der "Phototèque" des Veranstalters keine einziges "Luft-Foto" der gestarteten Maschinen und die vorliegenden Bilder stammen aus den Jahren 2001 und 2003 - daher wurden zumindest für die hier besonders erwähnten Flieger solche Fotos angefordert und werden hier nachgeladen werden.
Hier zunächst erste Mini-Bilder vom Stemme Motorsegler und der DA42-Twin-Star von Diamond

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