Haste mal ’ne Mark?

Kriegst ’nen Duden für!

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Das war vor 125 Jahren. Wer heute den Beleg-Nachweis dafür erbringen will, dass sich "Betttuch" immer noch, korrekter natürlich: heute wieder mit drei "t"s geschrieben wird, der muss aktuell für den "Duden - Die deutsche Rechtschreibung" 15 Euro investieren und nur einen Fünfer dazulegen, wenn die 23. Auflage sogleich auch als digitale und erstmals "sprechende" Version genutzt werden soll. Oder aber man bestellt sich für einen Zehner eine Facsimile-Ausgabe.

Aus Anlass dieses heute fälligen Jubiläums schreibt die DUDEN-Redaktion pro domo unter dem Titel: "Mit dem ’Urduden’ für 1 Mark zur einheitlichen deutschen Rechtschreibung" unter anderem folgendes:

[...] Wir schreiben den 7.7.1880. Im Verlag Bibliographisches Institut in Leipzig erscheint ein 187 Seiten starker Band mit dem Titel »Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache«. Der Autor: Dr. Konrad Duden, Direktor des Königlichen Gymnasiums zu Hersfeld.

27 000 Stichwörter von A wie »Aal« bis Z wie »zwote« umfasst der »zeitgemäßeste aller Artikel« - so die Verlagsanzeige im »Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel« vom 5.7.1880. Doch wie sich bald zeigt, ist dieser »Artikel« mit keinem anderen vergleichbar - schließlich handelt es sich um den ersten Duden!

Mit dem »Urduden« von 1880 - 27 000 Wörter auf 187 Seiten für eine Mark - beginnt die Erfolgsgeschichte des wichtigsten deutschen Wörterbuchs.
Der so genannte »Urduden« von 1880 fand rasch eine ungeheure Verbreitung, nicht nur, weil das Buch für nur eine Mark zu kaufen war, sondern vor allem, weil es sich an der Praxis der Schreibenden orientierte. Als übersichtliches Wörterverzeichnis bot es all denen Hilfe, die - wie Konrad Duden im Vorwort schreibt - »ohne den langsamern und schwierigern Weg der Anwendung allgemeiner Regeln auf einzelne Fälle zu betreten, mitten in der Arbeit des Schreibens, Korrigierens oder Setzens schnell und zuverlässig über ein bestimmtes Wort, dessen Schreibung ihnen im Augenblick unsicher ist, Aufschluß haben wollen ...«.

[...] Am Anfang war das Wort - doch wie wird es geschrieben? Im ausgehenden 19. Jahrhundert war das hierzulande keine leicht zu beantwortende Frage. Bis in diese Zeit war die deutsche Rechtschreibung ohne verbindliche Regelung gewachsen. Jeder Verlag hatte seine Hausorthografie. Nicht einmal an den Schulen wurde das Schreiben nach einheitlichen Regeln gelehrt. Diesem Zustand wollte Konrad Duden mit seinem 1880 im Leipziger (heute Mannheimer) Verlag Bibliographisches Institut veröffentlichten „Vollständigen Orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache“ abhelfen. Als Grundlage wählte er die preußische und die bayerische Schulrechtschreibung.

Die preußische Schulorthografie hatte Bismarck zwar bei „gesteigerter Ordnungsstrafe“ verboten. Doch Konrad Duden setzte sich durch und legte mit seinem „Urduden“ den Grundstein für eine einheitliche deutsche Rechtschreibung.

1901 diente die 6. Auflage des Wörterbuchs von Konrad Duden, das damals bereits ein Bestseller war, als Arbeitsgrundlage der nach Berlin einberufenen II. Orthographischen Konferenz.
Diese markiert den Beginn einer einheitlichen amtlichen Rechtschreibregelung für ganz Deutschland. Historisches Kuriosum am Rande: Kaiser Wilhelm II. bestand darauf, dass bei der Eliminierung des Buchstabens h aus Wörtern wie Noth und Thor allein der Thron unangetastet blieb - und das gilt - trotz Rechtschreibreform von 1996 - bekanntlich bis heute.

Um die Ergebnisse dieser Konferenz zügig in das „Vollständige Wörterbuch“ einarbeiten zu können, stellte das Bibliographische Institut Konrad Duden einige Mitarbeiter zur Seite. Das war die Geburtsstunde der Dudenredaktion, die 1911, nach dem Tod Konrad Dudens, die Fortentwicklung seines Wörterbuchs übernahm.


Die "klassische Glückwunschreportage" von Heike Ejoh ist nachzulesen in der Zeit.de -Ausgabe vom 7. Juli 2005.