Ein Mann. Ein Programm. Ein Leben.

Wer kann schon mit 75 sagen, dass es ihm mit 68 aufgrund der Reaktionen seiner Freunde aufgefallen sei, dass er jetzt begänne, alt zu werden [1]

"Ich habe meinen ganzen Lebenslauf immer als Privileg empfunden; von Anfang an". So Klaus Wagenbach in einem ZEIT-Gespräch mit Angelika Bauer von vor fünf Jahren. "Schon am 8. Mai 1945 hatte ich das Gefühl: Du hast das Privileg, überlebt zu haben. Ich feiere das immer noch, jedes Jahr, mit einer guten Flasche Wein."

Heute, wo Wagenbach seinen Fünfundsiebzigsten feiert, wird es an gutem Wein, guten Worten und vor allem an guten Freunden nicht mangeln. Daher stellen wir diesen Text erneut für den 8. Mai 2006 zur Disposition. [2]

Und eine Flasche Volnay aus dem Jahr 1968 dazu.

WS.

[1So geschehen am Morgen des heutigen Tages auf "info.radio" des rbb. Wagenbach benennt als einen dieser Freunde den mir selber noch gut bekannten Theo Pinkus. Dieser ist aber schon kurz nach der Wende, am 24. März des Jahres 1991 in Zürich verstorben. Sollt ihm T.P. wirklich diesen Satz gesagt haben, muss das also schon vor seinem 68. Lebensjahr gewesen sein...

[2Der Text für diesen Tag wird lauten:

Auf das Zitat von Max Frisch: "Links", das sei "Anstrengung. Lebenslänglich" antwortet(te) Klaus Wagenbach:

"Links bedeutet für mich die Anstrengung der Genauigkeit, der Sorgfalt, des Hinhörens, was Mitarbeiter sagen, was Autoren wünschen. Eine linke Haltung bedeutet, wenn jemand stürzt, nicht nachzutreten. Sondern zu gucken, warum ist der gestürzt; und wenn’s geht, ihm irgendwie aufzuhelfen. Ganz einfache Sachen."

Wie sagt(e) Bert Brecht: Es sei das Einfache, das so schwer zu machen ist.
"Prosit", Klaus Wagenbach: "möge es nützen"!