Kennen Sie DeVauBe-Ha?

Heute haben die Medienanstalten der fünf norddeutschen Länder beschlossen, die Einführung von DVB-H in diesen Ländern voranzutreiben. Bereits zur Fußballweltmeisterschaft 2006 sollen entsprechende DVB-H Services bereitgestellt werden. Mit der technischen Koordination wurde - wie schon bei der DVB-T-Einführung in Norddeutschland - das Institut für Nachrichtentechnik der Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig gebeten, die technische Koordination zu übernehmen. [1]

Im
Informationsdienst Wissenschaft e. V. schreibt dazu Frau Dr. Elisabeth Hoffmann aus eben dieser TU:

Handynutzer werden in naher Zukunft Fernseh- und Radioprogramme sowie viele zusätzliche Serviceangebote unterwegs auf ihren Geräten empfangen können. DVB-H macht es möglich: Das Institut für Nachrichtentechnik der Technischen Universität Braunschweig präsentiert die neue Technologie vom 2. bis zum 7. September auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin.

Das terrestrische Digitalfernsehen DVB-T ist in weiten Teilen Deutschlands in Betrieb. In allen bisherigen Startregionen traten nur geringfügige Anlaufprobleme auf, die nach wenigen Tagen behoben waren. Der Handel in den Versorgungsgebieten ist über DVB-T entzückt, denn allein im Jahr 2005 werden wohl 1,5 Millionen DVB-T-Empfänger über den Ladentisch gehen. Aber schon "geistern" neue Abkürzungen durch die Hallen der Internationalen Funkausstellung 2005 in Berlin: DVB-H und IP Datacast. Gemeint ist eine Technik, die Handys und ähnliche Taschengeräte mit Radio, Fernsehen und Datenrundfunk versorgt. DVB-H steht für DVB-Handheld und meint einen Ausstrahlungsstandard, der batteriebetriebene Geräte bedient, ohne deren Batterien übermäßig zu belasten. IP Datacast ist die Abkürzung für die Vielfalt der Datenformate, Kommunikationsprotokolle etc., die es braucht, um Dienste über DVB-H möglich zu machen. Internet-Protokoll basierter Datenrundfunk steckt dahinter. Da das Endgerät in vielen Fällen ein Handy sein wird, das in ein Mobilfunknetz eingebucht ist, beschreibt IP Datacast auch die Verknüpfung von DVB-H mit dem Mobilfunk. Zu DVB-T ist DVB-H keine Konkurrenz.*) Die Bildqualität, die auf einem Taschengerät akzeptabel ist, ist für den Fernseher im Wohnzimmer nämlich ungeeignet. Und das Batteriesparen hat dort auch keine wirkliche Relevanz.

*) Frau Dr. Hoffmann geht nachfolgend insbesondere auf diesen Punkt: UMTS versus DVB-H nochmals expressis verbis ein und schreibt:

"DVB-H bietet nicht nur Fernsehen", so Prof. Ulrich Reimers, Leiter des Instituts für Nachrichtentechnik der Technischen Universität Braunschweig und Schirmherr des Technisch-Wissenschaftlichen Forums der IFA. "Wer möchte schon einen kompletten Tatort auf dem Handy ansehen? In Berlin wird Radio per DVB-H verbreitet, und eine Vielzahl von speziell für die Handynutzer konzipierten Datendiensten ist in Vorbereitung."

Nach Ansicht von Reimers, der in Fachkreisen als "Vater des Digitalen Fernsehens" gilt, wird DVB-H dabei nicht zur Konkurrenz für UMTS. "Gerade die Betreiber von Mobilfunknetzen haben erkannt, dass es Angebote gibt, die man den Handynutzern am Besten per Rundfunk zur Verfügung stellt. Warum sollten die Zuschauer der Spiele der Fußballweltmeisterschaft 2006 jeweils über individuelle UMTS-Verbindungen Videos der Torszenen in Zeitlupe aufrufen, wenn diese viel effektiver über DVB-H gezeigt werden können?"

Angesicht solcher Initiativen und Artikel wird es nicht nur wichtig werden, welches von diesen Szenarien wirklich mit Erfolg im nächsten Jahr zum Einsatz gebracht werden wird. Von Interesse wird vor allem sein, was sich nach diesem "Hype" auf welchem Wege auch als ein kommerzieller Erfolg durchsetzen wird.

Wenn die für dieses Jahr auf der IBC in Amsterdam geplante Mobile Zone gut angekommen sein wird, wäre es doch im nächsten Jahr von Interesse, sich rückblickend am Beispiel der WM 06 noch einmal die Erfolge u n d die Folgen dieser Strategien vor Augen zu führen: Jenseits von der aktuellen Verführung der an-laufenden Spiele.

[1Diese Meldung findet sich nicht auf der noch relativ neuen Web-Adresse - mit deren Genese die IRIS Media in einem ursächlichen Zusammenhang steht - sondern zitiert vielmehr und ausschliesslich die Beschlüsse der Direktorenkonferenz aller
Landesmedienanstalten .