X. Art Forum Berlin (I)

Während nach 10 Jahren jeder weiss, dass das Monopol der ART COLOGNE nicht mehr besteht, dass aus der Protestveranstaltung des Jahres 1996 heute nicht nur ein alternativer, sondern auch ein exklusiver Umschlagplatz für aktuelle Kunst geworden ist, hat sich die Zeitschrift MONOPOL gut gehalten. Sie feiert sich selbst mit Kunst

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und Küche

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und bietet aus ihrer Lounge heraus den besten Überblick über einen Grossteil der insgesamt 129 ausgesuchten Galerien.

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Soweit es der Überblick eines ersten Besuchs zulässt, sind gut die Hälfte der Kojen den Deutschen vorbehalten und davon weit mehr als die Hälfte den Berliner Galerien.

Spannend ist der Besuch dieser ganz besonderen Form einer Verkaufs-Ausstellung allemal: und wem das alles schon ein wenig zu gefällig zu sein scheint, dem sei ein Abstecher in die dritte Halle empfohlen, in der 17 ausgesuchte Junge (Wilde ;-) zeigen was sie können (wollen).

Dazu die Christiane Meixner und Gerhard Charles Rump in der "WELT" vom 16. September 2005: "So zeigt Jette Rudolph, die cutting-edge-Queen von Berlin, Arbeiten von Tine Benz, während man am Stand von Pierre-François Quellette (Montréal) den Roboter "Stick to Resist" vorstellt, der sich von allein an Metall festhakt und nur mit Hilfe eines speziellen Codes zu lösen ist. Und den kennt nur der Künstler Michel de Broin. Eine nachvollziehbare Metapher, obwohl Roboter noch längst nicht unseren Alltag regieren. Aber sie beschäftigen unsere Phantasie und aktivieren Ängste."

So gut die geschrieben Texte dieser Art auch sein mögen, sie vermögen sich kaum zu behaupten gegen jene Schreibe, die "auf den Putz haut" und ihre Belegstücke auch gleich als Abbild zitiert.

So die "BZ" von heute, den 29. September 2005. Für sie ist das 10. Art Forum "zu einem wüsten Sammelsurium verkommen" in dem "allerlei Kunst-Gedöns versammelt" sei.

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Als Beleg muss dann eben die schon zitierte Halle 17 herhalten, denn dort "toben sich 17 Neuteilnehmer in sogenannten "Freestyle"-Ständen aus. Da lehnen lebensechte Puppen an der Wand, oder Kinostühle klappen wie von Geisterhand um. Kunst als Erlebnispark? Oder nur das Bemühen, in der Masse aufzufallen?"

Letztendlich ist aber die BZ-"Kunstkritik" dem gleichen Rezeptionsmuster verfallen wie jene, die sie kritisiert: Die Fotografie "Ice Green" von Scarlett Hooft Graafland, von ihr als "Arsch auf dem Dach" umbenannt, wird zum dümmsten Kunstwerk des Forums erklärt und in der Zeitung als alternatives Nacktfoto zitiert.

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In den eigenen nachfolgend für diesen Bericht eingefangenen und hier kolportieren Bildern wird der Versuch unternommen, anders zu verfahren.

Diese mit einem Panasonic NV-GS 250 Camcorder schnell "geschossenen" Fotos sind als ein persönliches und spontanes "Best Off" spontan entstanden. Nämlich als sich die Hallen am späteren Abend der Vernisage geleert hatten und der schon mit dem Abschliessen drohende Sicherheitsbeauftragte die schon fast menschenleeren Hallen noch für einen kurzen Rundlauf freigab.

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Hier zunächst ein solches Beispiel für diesen Unterschied.

Vom publikumsbefreiten "Nachher":

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und dem von den Kunstwerken besitzergreifenden [1]Publikum "Vorher":

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Während "Der Versuch, die Realität abzubilden..." gleich zu Eingang - im Rahmen eines textbasierten Tableaus - als schwachsinnig erklärt wird,

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werden in der Ausstellung auffällig viele Bildräume vorgeführt, in denen die Vorführung von Bewegt-Bildern selbst wieder zum Thema wird:

Sei es das "Heim-Kino":

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Sei es das "Grosse Kino":

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Oder sei es vor dem "Hüpfburg-Kino":

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Letzteres war draussen aufgebaut, vor den grossen Eingangs-Pforten.

Dort hatten sich die letzten der noch anwesenden Künstler - ausgerecht jene, die unter dem Namen "Artists Anonymous" firmieren - vor ihrer eigenen "Kammerspiel" genannten Film-Arbeit versammelt, um nochmals ein Foto von sich und ihrem Werk machen zu lassen.

Sie hatten sich zunächst vor der Leinwand postiert, dann aber die dicken Gummi-Luftkissen erklommen, um sich so noch besser für die Fotografin in Szene zu setzen. Und nun liessen sie sich, die Eine nach dem Anderen, wieder hinunterhelfen.

Es war spät geworden an diesem Abend - und schon kalt.

WS.

[1die Galerie Michael Schultz aus der Mommsenstrasse 56 in Berlin beispielsweise hatte schon nach eineinhalb Stunden alle ihre Exponate verkauft, wie heute in einem Interview auf dem RBB-Kultur-Radio-Sender zu hören war