Medientage München (IV) Summa summarum

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So kennen wir sie: die Elefantenrunde. Hier mit dem ZDF-Intendanten Prof. Markus Schächter im Visier der Kamera. [1]

Und doch bleiben andere Genannte ausserhalb der öffentlichen Wahrnehmung: die Delegation des chinesischen Staatsfernsehens CCTV zum Beispiel. Ausdrücklich in der Ansprache des Ministerpräsidenten als Auslandsdelegation begrüsst, aber auf keinem der Stände und keinem der Podien vertreten.

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Die Medientage haben ein öffentliches, ein privilegiertes und ein intimes Profil, die "Nacht der Medien" im "Justizpalast" ist die Schnittstellen zwischen diesen.

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Nach einer Woche München an der Schnittstelle von SYSTEMS und MEDIENTAGEN gilt es, einige der an den Tagen zuvor gesammelten und zum Teil auch geschilderten Eindrücke in Form von Empfehlungen und Vorschlägen nochmals zusammenzufassen:

- Vieles Bewährtes gilt es weiter auszubauen: von der Website mit all den interaktiven Informationsmöglichkeiten bis hin zu der fast reibungslosen und hochqualifizierten technischen Betreuung vor Ort.

- Auch die "Beschränkung" auf den deutschsprachigen Raum und Deutsch als Konferenzsprache sind Teil dieses Profils und müssen nicht dem Anspruch widersprechen, ein Ort für internationale Begegnungen zu sein.

- Selbst die als ärgerlich empfundene Zurückweisung von Journalistenakkreditierungen ist insoweit nachvollziehbar, wenn nicht nachgewiesen werden kann, über die Veranstaltung schon berichtet zu haben oder berichten zu werden [2]

- Hubert Burda hat in der "Elefantenrunde" sehr realistisch darauf verwiesen, wie in vielen Fällen die Gegenstände ihrer über zweistündigen Unterhaltung am Folgetag allemal in einer 26zeiligen Meldung wiederzufinden sind. Es ist daher gut, dass es in vielen Fällen in der Eigenredaktion erstellte Berichte gibt, in denen wesentliche Aussagen der Panels zusammenfassend dargestellt werden. Und es wäre noch besser, wenn am Ende der Medientage diese Berichte für alle diese Begegnungen vorliegen würden. [3]

- Dass immer neue Themen dazukommen - in diesem Jahr zum Beispiel die Weblogs oder die Games - spiegelt die neuen Entwicklungen wieder und ist positiv zu vermerken. Dass die Veranstaltungen damit in ihrer Summe drohen "auszuufern" ist zwar die Kehrseite dieser Medaille, aber damit noch lange nicht ihre schlechtere.

- Mehr denn je muss darauf geachtet werden, dass diese jeweils neuen Zielgruppen auch erfasst und angesprochen werden können. Und dass die öffentliche Aussprache über ihre Probleme und Perspektiven so geführt und moderiert wird, dass es auch den "Fachfremden" im Publikum möglich ist, dazuzulernen.

- Dagegen, dass einzelne Podien von Firmen "gehostet" und dabei auch zu ihrer Selbstdarstellung genutzt werden, ist grundsätzlich nichts einzuwenden, solange dieses klar, deutlich und mit der richtigen Trennschärfe zwischen "Werbung" und "Programm" ausgewiesen wird. Und solange die fachliche Kompetenz sowohl bei der Besetzung als auch der Moderation der Panels gewährleistet ist [4]

Folgende Vorschläge mögen hieraus abgeleitet werden:

1. Ein wesentlicher Mehr-Wert der Medientage ist ihr Angebot, als "Get-Together" zu funktionieren. Und dennoch; die Teilnahme an der Veranstaltung sollte in Zukunft nicht mehr zwangsläufig mit einer Reise nach München verbunden sein müssen. Es könnten - auch kostenpflichtige - Angebote erprobt und zum Einsatz gebracht werden, sich in einzelne Panels via Streaming-Programmen einloggen zu können, sowohl direkt als auch zeitversetzt. Dieses wird in der Perspektive und in der Summe nicht zu dem gerne prognostizierten Rückgang, sondern zu einem weiteren Ansteigen der Teilnehmerzahlen führen und sich auch wirtschaftlich positiv verbuchen lassen.

2. Die Aufzeichnung aller Veranstaltungen zeigte die Perspektive einer Auswertung, die das Kaleidoskop der Themen und Teilnehmer nutzt, um daraus Trends und Thesen abzuleiten, die sich erst über die komprimierte Summe dieser analysierten Aussagen herausfiltern lassen. Ein hohes Potenzial nicht nur für die lernende wie lehrende Fachkräfte in Forschung, Aus- und Weiterbildung. Es geht also nicht darum, einen Konferenzband zu erstellen, in dem alles nochmals verschriftlicht worden ist, sondern um die Genese von alten wie neuen, autarken wie vernetzten Synthese-Medien, die nach Synergien aus dem Gesagten suchen.

3. Der Mehrwert der Medientage wird sich erst dann erweisen, wenn nicht mehr der Satz gilt: "was kümmert mich das Geschwätz von gestern", sondern eine qualifizierte Aussage darüber gemacht werden kann, warum eine einmal vorgestellte Position morgen noch Gültigkeit hat - oder warum auch nicht. Gerade die Schnelllebigkeit dieser Industrie und der behende Wechsel von vielen ihrer Repräsentanten macht es zu einer entscheidenden Herausforderung, wie die Medientage über den Tag hinaus wirken können.

4. Eine Woche SYSTEMS und MEDIENTAGE, gut vorbereitet und mit den für das eigene Anliegen spezifischen Entscheidungsträgern im persönlichen Dialog verdichtet, sind vor allem für potenzielle Investoren - und nicht nur für Trendforscher und Medienwissenschaftler - die denkbar beste Plattform, sich ein Gesamtbild für anstehende Strategieentscheidungen in Bezug auf den deutschsprachigen Markt zu machen. Für diese ein auf die Person zugeschnittenes Screening und Scouting in der jeweils gefordertern Fremdsprache anbieten zu können, wäre der wichtigste - wenn auch nicht sogleich öffentlichkeitswirksamste - Zugewinn dieser Veranstaltung.

5. Die SYSTEMS, so heisst es, solle ab dem Jahr 2006 "ganz neu aufgestellt" werden. Es wäre gut, wenn es im Rahmen eines Gesamtüberblicks gelänge, bis dahin endlich ein Konzept zu finden, in dem die Medientage nicht länger als Konkurrenz, sondern als Kooperationspartner für den eigenen Erfolg mit genutzt werden könnten.

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Sollte Herr Stoiber wider Erwarten doch noch ein 13. Mal die Medientage eröffnen, dann ist nur zu hoffen, dass er für München Wirklichkeit werden lässt, war er sich für Berlin vorgenommen hat [5]: Prosit = es möge nützen.

WS.

[1Verbunden mit einem herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, da dieser Text am 31. Oktober ins Netz gestellt wird.

[2Wobei die gelegentlich unterstellte Vorgabe, dass dieses möglichst tagesaktuell zu geschehen habe, keine Geltung erhalten darf. Selbst Recherchen für ein späteres Themenheft oder ein Buchprojekt sollten durch diese Massnahme nicht behindert werden - wobei dann ein späteres Nachfassen des Veranstalters, was denn daraus geworden ist, wiederum legitim wäre.

[3In dem Artikel vom Donnerstag dieser Woche ist ein solcher Text exemplarisch in die Darstellung von "DaybaDay" übernommen worden.

[4Auf Anfrage können Beispiele genannt werden, in denen diese nach Meinung von Beobachtern nicht oder nicht ausreichend der Fall war.

[5bzw.: hatte