Ein "suboptimaler" Wahlkampf

Wenn am Montagmorgen die Nachrichten über und Interviews mit den führenden politischen Repräsentanten dieses Landes "on air" sind - wie jeden Tag in der Woche - so gibt es dennoch Momente, die aufhorchen lassen.

Heute, am Morgen des 5. Dezember, war es eine einzige Formulierung aus einem Interview von Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Prof. Dr. Wolfgang Böhmer (CDU) mit Frau Doris Simon vom Deutschlandfunk.

Es ging um das Thema der auf den heutigen Tag verschobenen Debatte um den Wahlkampf der CDU/CSU und dessen Ergebnisse. Originalton Böhmer:

Selbstverständlich ist es notwendig, nicht nur über Erfolge, sondern auch über suboptimale Ergebnisse zu reden.

Anstatt eines eigenen Kommentars: ein Blick in die bundesdeutsche Blogger-Szene. Und ein Zitat aus einem Montags-Report vom 10. Oktober diesen Jahres, aus steffennork.de :

Nur um mal den ganzen Schlaubergern zu erklären, was sie da die ganze Zeit nachplappern: "suboptimal" bedeutet "nicht ganz optimal", also keinesfalls wirklich "schlecht", "mies", "verheerend", "katastrophal".

Zur Verdeutlichung, worum es mir geht: dass ein SPD-Mensch die Übereinkunft von CDU und SPD eben "supoptimal" titulierte, gleichzeitig aber von Totalblockade und co. spricht. "Blankes Entsetzen in SPD-Fraktion" tituliert SpiegelOnline.

"Suboptimal" hier zu verwenden ist, wie wenn sich die SPD Traumschiff Surprise-mäßig hinstellt und "Ach Gottchen ist das jetzt plöd, was machen wir denn nun?" säuselt.

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Aber es ist ja auch ein Kanzler-Wort, dieses suboptimal. Wie Elefantenrundenauftritte.

Ich verstehe ja, dass man das jetzt sagen muss. Möglichst oft. Vergleiche "wie geil ist das denn?". Slang. Eine modernes Wort in der deutschen Sprache, und Slang ist ja quasi die Modeform von Sprache. Wer sagt heute denn noch "knorke"? Oder "wir pauken in der Penne, bei den Steißtrommlern"? Das fänd ich doch mal pfundig.

Aber nööö, keine Sau redet heute mehr so, das wäre nämlich suboptimal.