IfM: Willkommen in Berlin

Eigentlich sollte hier nicht ein Auszug aus dem "Thinktank Medien"-Artikel von Barbara Nolte aus der heutigen Ausgabe des Tagesspiegel stehen, sondern eine persönliche Würdigung der neuen Initiative. Denn es ist gut, wenn in dieser Stadt endlich der qualifizierten externen Kompetenz bei medienpolitischen Entscheidungen mehr Gehör geschenkt werden würde. Und jeder, der hier initiativ ist, soll hier herzlich willkommen sein (und hier in dem charlottenbürgerlichen Berlin in der Fasanenstrasse allemal ;-) - allein: es ist bislang nie zu einem persönlichen Kennenlernen mit den "neuen Nachbarn" gekommen - vielleicht wird sich das ja am 14. Februar 2006 ändern?!

[...] Lutz Hachmeister hat nun in Berlin das so genannte „Institut für Medien- und Kommunikationspolitik“ (IfM)  [1] gegründet, um medienpolitische Entscheidungen mit Sachkenntnis zu untermauern. In Amerika würde man von Thinktank sprechen.

„Wir werden alle Medienpolitiker Deutschlands zu einem Erfahrungsaustausch einladen“, sagt Hachmeister, „das gab es noch nie.“ In monatlichen Kolloquien sollen außerdem aktuelle Themen debattiert werden. Als eines der ersten Themen der im März beginnenden Veranstaltungsreihe kündigt Hachmeister eine Diskussion zur Reform der deutschen Medienaufsicht an. „Die Behörden stehen sich gegenseitig auf den Füßen“, sagt er - das sehe man wieder beim kartell- und medienrechtlichen Übernahmeverfahren von ProSiebenSat 1 durch Springer. Hachmeister kritisiert die Kommission zur Kontrolle der Konzentration im Medienbereich (KEK), die die Fusion von Springer und ProSieben Sat 1 ablehnte, nachdem sie zu den Marktanteilen der ProSiebenSat 1-Sender nach einem bestimmten Schlüssel die Leser der Springer-Zeitungen addiert hatte und für den fusionierten Konzern auf einen Zuschaueranteil von 42 Prozent gekommen war. Das Rechenmodell sei „abstrus“, sagt Hachmeister. „Wir brauchen klare Kriterien, mit denen die Unternehmen künftig Übernahmen planen können.“ In einem weiteren Kolloquium will sich das Institut mit der Rollenverteilung im Fernsehen zwischen Sendern, Produzenten und Autoren beschäftigen. „In Deutschland geben die Sender vor, was die Produzenten zu produzieren haben“, sagt er, „das ist in unseren europäischen Nachbarländern längst anders.“

Bereits im September hat Hachmeisters Institut in der Berliner Fasanenstraße seine Arbeit aufgenommen; am 14. Februar ist offizielle Eröffnung. Zurzeit sitzen die zehn Mitarbeiter schon an zeitlosen Themen wie einer Studie über die internationale Qualitätspresse - etwa „El País“ oder den „Guardian“ - und einer öffentlich zugänglichen Datenbank zu in- und ausländischen Medienkonzernen. Zum Spektrum zählen auch rein wissenschaftliche Themen, so will das IfM die Politik-Theorien von Max Weber und Niklas Luhmann auf kommunikations- und medienpolitisches Handeln ausweiten. Denn auch zwischen den Medienwissenschaftlern und den Praktikern in Journalismus und Medienpolitik klafft in Deutschland eine große Lücke. [...]

[1Mehr dazu auf der Webseite des Instituts auf www.institut-medienpolitik.de