transmediale06 Lebensgewerke

Der Sonntag, der 5. Februar 2006 in der Akademie der Künste war nicht nur von einer drangvollen Enge bestimmt - also von einem spürbaren Publikumszuspruch - sondern vor allem von Menschen, deren lebensgeschichtliche Kompetenz gerade in der Zeit der voll digitalisierten Medien und ihrer Rezeption von hoher Aussagekraft ist: Siegfried Zielinski und Jean Jacques PERRY.

Es ist ein Verdienst des Veranstalters, diese Sicht auf die Vergangenheit nicht nur nicht zu verstellen, sondern über die Person ihrer Protagonisten transparent zu machen und mittels ihrer Präsenz neue Perspektiven in die Zukunft der Medienrezeption legen zu können.

Beide Veranstaltungen, so unterschiedlich sie waren, waren von grosser inhaltlicher wie persönlicher Qualität. Und es sprengt den Rahmen dieses Notats über die Veranstaltung und die nachfolgend mit den Protagonisten geführten Einzelgesprächen zu berichten, zumal sie über ein Interview im klassischen Sinne weit hinausgingen.

Stattdessen wird dem interessierten Leser empfohlen, sich explizit an den Herausgeber zu wenden und bei Interesse einen persönlichen Dialog zu vereinbaren. Das ist in diesem Falle der ehrlichste und der einzig authentische Weg, die Begegnung mit den beiden Personen im Dialog mit Dritten nochmals zu reflektieren - und mit jener Person, die bei beiden Veranstaltungen als "Pate" beiseite stand: Timothy Druckrey.

Daher wird an dieser Stelle "nur" aus dem Programm zitiert und das Ereignis mit einigen eigenen Abbildungen dokumentiert.

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Siegfried Zielinskis Buch "Archäologie der Medien" (2002) ist ein Meilenstein zum Thema Medienarchäologie. Gerade wurde das Buch in seiner englischen Auflage “Deep Time of the Media. Toward an Archaeology of Hearing and Seeing by Technical Means " (MIT Press, 2006) herausgebracht. Das Buch legt das archäologische Streben in den verborgenen Schichten der Medienentwicklung frei - dynamische Momente intensiver Aktivität in der Gestaltung und Konstruktion von Medien, die lange Zeit von der historischen Medienarchäologie ignoriert wurden. Zielinski zeigt, dass die Mediengeschichte sich nicht vorhersagbar von primitiven Instrumenten zu komplexen Maschinerien entwickelt habe. In ’Deep Time of the Media’ beleuchtet er Wendepunkte in der Mediengeschichte - die Brüche in den Vorhersagen -, die uns helfen, das Neue im Alten zu sehen. Im transmediale.06 Salon präsentiert Zielinski das Buch erstmalig in Europa, im Dialog mit dem Herausgeber der MIT Reihe, Timothy Druckrey.

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Jean Jacques Perrey wurde 1929 in Frankreich geboren und gilt als einer der Pioniere der elektronischen Musik. Perrey widmet sich dieser Musik, seit er Anfang der 50er Jahre sein Medizinstudium aus Liebe zum damals brandneuen und heute legendären Synthesizer Ondoline aufgab. Im New York der 60er Jahre begann er mit Gershon Kingsley, einem weiteren Synthesizer-Besessenen, aus field recordings á la musique concrète mittels Ondoline und Moog "Music for Laughs and Smiles" zu produzieren - Musik nämlich, die glücklich machen soll. Die beiden gelten als die Begründer des Space Age Pop und landeten mit der LP "The In Sound from Way Out" ihren ersten großen Erfolg. Perrey arbeitete nicht nur mit solchen Größen wie Raymond Scott, Robert Moog, Pierre Schaeffer, Edith Piaf, Walt Disney, Angelo Baladimento zusammen, seine verrückte Elektromusik diente immer wieder auch als Sample- und Remixmaterial für Musiker jüngerer Generationen, wie beim 1996er Beastie Boys Album "The In Sounds from Way Out" oder dem Remix des Seventies-Funk Klassikers "EVA" von Fatboy Slim.
Jean Jacques Perrey ist zur transmediale.06 erstmals in Berlin. Am 6.2. stellt er, zusammen mit Dana Countryman, im Club Transmediale seine neue CD vor. Am Vorabend spricht er in der Akademie der Künste anhand von Musikbeispielen und Bildern über seine außergewöhnliche Karriere.
Einleitung und Moderation durch Timothy Druckrey.

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Druckrey ist freier Kurator und Autor. Er hat an Graduiertenprogrammen am International Center of Photography, der School of Visual Arts und am Center of Creative Imagin in NY unterrichtet. International hält er Vorträge über den sozialen Einfluss von elektronischen Medien, die Transformation der Repräsentation und über Kommunikation in interaktiven und Netzwerkumgebungen. Folgende Bücher hat Druckrey u.a. veröffentlicht: “Culture on the Brink: Ideologies of Technology”, “Iterations: The New Image”, “Electronic Culture: Technology and Visual Representation” (Aperture), gesammelte Essays über den sozialen Einfluss von digitalen Technologien. Er ist Herausgeber der Reihe “Electronic Culture: History, Theory, Practice”, MIT Press. Darunter sind zu finden: “Ars Electronica: Facing the Future”, “net_condition: art and global media”, “Dark Fiber” (by Geert Lovink) und “Future Cinema: the Cinematic Imaginary after Film” (editiert von Jeffrey Shaw und Peter Weibel) und “The Un-archaeology of the Media” (von Siegfreid Zielinski).

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