CeBIT_06 Aftermath (I)

Noch am Abend des letzten CeBIT-Tages wird in Berlin von einem der wichtigsten Aussteller aus der Halle 13 eine ganz eigene Veranstaltung im Club "90 Grad" veranstaltet. Es geht um den Mobilfunkbetreiber O2, der mit einem durchweg jungen ausgesuchten Publikum den Start seiner ersten
Handy-Foto-Soap feiert. [1]

Inmitten all des dichten Gewusels und Gewimmels ist immer wieder von der soeben zu Ende gegangenen CeBIT die Rede. So eine Atmosphäre wie die diesen Räumen wäre in Hannover so nicht herstellbar gewesen. Und man müsse sich fragen, ob man da in Zukunft überhaupt noch richtig aufgestellt sei. Jetzt würden die Ergebnisse von
MITTENDRIN-TV zunächst einmal auf der IFA 2006 vorgestellt und danach werde es zu einer Entscheidungsfindung kommen.

Bereits zu Beginn des Monats März war in der Online-Ausgabe von
Businessweek über das auch jetzt wieder an diesem Abend in Berlin diskutierte Potenzial der sogenannten "slingbox" zu lesen. Interessant ist, dass diese später im B-to-C-Markt und damit dann auch irgendwann auf der IFA auftauchenden Geräte zunächst auf der CeBIT zu sehen sind.
So erscheint am 9. März der Beitrag des Busninessweek-Lesers "Lin":
I saw a new device in CeBIT today, which uses H.264 codec. What is interesting is it does not need a PC or Laptop to watch the home TV. You simply put a decoder (with RJ45, power socket and AV O/P) and connected to you monitor and TV set. Then you can watch whatever channels you like from your home box set up. It can also store recorded video via the decoder using USB HD and play it when you are free to watch. This also removes the bandwidth problem. IPMA is from Hong Kong and this is the first time they show this Pixie Televiewer device anywhere in the world.

- Am Folgetag ging es am Schluss eines ausgedehnten "Business-Luncheons" es um die tiefere Bedeutung des Versuchs, sich einen Ausweg aus dem Tarifdschungel der Tele-Traffic-Anbieter zu erkämpfen: wie sie denn aussähe, die Gegenwehr gegen der Versuch, Mindesttarife einzuführen, die selbst dann fällig werden, wenn keine Nutzung stattgefunden habe? [2]
Dabei kam es zu der Hypothese, dass die wirklich schlagende Idee von der "flat"-fee vielmehr in dem Versuch begründet sein, nicht nur ideologisch, sondern auch "ökonologisch" auf diese Wahrnehmung von der Welt als einer "Scheibe" einzugehen. Diese "Welt" kann heute repräsentiert sein in allem, was das Internet zu bieten hat, oder aber das bundesdeutsche Festnetz einer Telko ausmachen.
Auf jeden Fall sei die Flatt-Fee-Welt ein Versuch, auf die Herausforderungen der Globalisierung mit einer Vereinfachung der Tarif-Welt zu reagieren. Nicht mehr die individuelle Nutzung zähle, sondern der Zugang an sich. Die Flat-Fee biete neue Freiheiten unbegrenzter Nutzungen und setze zugleich neue Grenzen durch die Begrenzung ihrer Nutzungsräume. Mit der Flat-Fee kann man sich eine Scheibe von dieser Welt abschneiden - und sie zu der seinen erklären - indem man die Seinen dazu einlädt, ebenfalls auf "seiner" Plattform zu interagieren: heisst sie nun "LinkedIn" oder "Oben-BC", "msn" oder "skype".

- Am Nachmittag, wieder im Buero, und immer noch kommen neue Angebote und Anfragen, wie man die Welt des runden Leders anlässlich der Fussball WM mit noch weiteren Businsess-Ideen anzureichern könne. Während auf der einen Seite das sogenannte Fussball-Fieber schon Reiz-Reaktions-Mechanismen aller Art auslöst - wie etwa am Abend dieses Tages in einem Beitrag von Carsten von Ryssen - kommen immer noch neue Vorschläge und Vermittlungsanfragen auf den Schreibtisch, sich an diesem oder jenen Projekt mit neuen Ideen und Revenue-Sharing-Modellen zu beteiligen. Unglaublich - aber wahr.

- Am Abend dieser ersten 24 wieder in Berlin verbrachten Stunden wird zum inzwischen 18. Mediengipfel eingeladen. Aber nach so viel CeBIT ist derzeit die Lust auf die Mittelgebirge vergangen. Wie sagte doch der alte Brecht: nicht das Besteigen der Berge ist das Geniale, sondern ihre Untertunnelung. [3]

[1Dass O2 damit "im Trend" liegt aber auch noch eine Reihe von Hürden zu nehmen hat, das hatte eine Woche zuvor Peter Glaser in seinem Feuilleton-Beitrag in der
Berliner Zeitung vom 10. März 2006 unter der Überschrift: "Alles in Klein. Noch sind die Probleme des Hosentaschenfernsehens größer als die Bildschirme" beschrieben.

[2Eine wahrlich gerade "passende" Frage, nachdem bei T-Mobile selbst die Journalistenprofitarife im Verlauf des letzten Jahres "zwangsweise" auf einen Modus umgestellt worden sind, bei dem Zahlungen für einen Mindestumsatz fällig werden, egal ob in dieser Zeit die Karte überhaupt genutzt worden ist oder nicht

[3Eine besonders anregende Rückmeldung kam im Anschluss an nachfolgenden Sonntag, den 19. März 2006. An diesem Tag war erstmals der neue berliner "Tiergartentunnel" geöffnet worden - für Fussgänger [sic!]

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