Die "Vier Monopolisten"

Gestern ist der Deutsche Aktienindex DAX über die 6000er Marke gesprungen. Das ist eine positive Kursentwicklung von mehr als 11% in den ersten drei Monaten dieses Jahres.

Und in Berlin haben sich die wichtigsten Akteure der Energieindustrie mit der Politik getroffen. Neben den Chefs der grossen Stromkonzerne waren auch Fachleute wie UN-Umweltdirektor Klaus Töpfer und der Chef des Umweltbundesamtes, Andreas Troge eingeladen. Von Seiten der Regierung waren u.a. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU), Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD), Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) und Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU) mit dabei.

In der Presseschau des Deutschlandfunks wird u.a. die Frankfurter Rundschau mit dem Satz zitiert:

"Jene haben das Treffen stark dominiert, die Energie produzieren und verkaufen, darunter vor allem die vier Monopolisten der Strombranche"

Die Autorin dieses Kommentars zur Energiepolitik ist Vera Gaserow und ihr Text kann online unter dem Titel: "Berliner Weichenstellungen" nachgelesen werden.

Aufmerksam macht an diesem Text nicht seine Tonart, sondern die schlicht und einfach deplatzierte Formulierung von den "vier Monopolisten" - auch wenn sich diese vielleicht vom Leser leichter verdauen lässt als eine Formulierung, die von den "vier Oligopolisten" spricht.

Schliesslich, so eine gutmeinende Stimme, wisse doch jeder, was gemeint sei. Das ist wohl war, zumal die Formulierung von den "vier Monopolisten" sogar den offensichtlich angestrebten Eindruck noch verstärken könnte: In dem Sinne nämlich, dass die Situation umso bedrohlicher sei, als es nicht nur ein Monopol gäbe, sondern deren gleich viere...

Und dennoch. Wenn sich in einer Zeitung wie dieser ein solches Un-Verständnis im Umgang mit der deutschen Sprache durchsetzt, dann soll man sich auf anderen Ebenen nicht wundern, wenn immer mehr Menschen in dieser Republik sprachlos werden, wenn sie gar keine Zeitungen mehr lesen und sich nicht mehr mit eigenen Kommentaren am politischen Leben beteiligen. Ihre Situation ist so bedrückend wie jene, die in den falschen Formulierungen wie der hier zitierten zum Ausruck gebracht wird. Und das, ohne das sich die Urherberin ahrscheinlich darüber selber im Klaren gewesen ist.

Ihre Formulierung von den "vier Monopolen" ist nicht nur ein lapsus linguae: sondern ein Symptom für eine Welt, in der das Grosse so gross und das Bedrohliche so bedrohlich geworden ist, dass es letztendlich keine Wirkung mehr zu zeigen scheint.

Noch leben wir in einer Situation, in der wir kein Monopol haben, weder politisch noch ökonomisch. Aber anstatt die Bedrohung eines Oligopols auf den Punkt zu bringen, verschleiert eine Formulierung wie die hier kritisierte die wahre Gefährdung: dass wir nämlich eines Tages weder sprachlich noch geistig in der Lage sein werden, noch zum Ausdruck zu bringen und begreiflich werden zu lassen, wie ernst die Lage dann wirklich ist.

Also: wehret den Anfängen. Nicht nur in der Politik sondern auch dort, wo wir als Schrift-Setzer selber noch einen eigenen Handlungs-Spielraum haben.

WS.

PS.: Diese Text wurde geschrieben in Erinnerung an den 4. April 1896, an dem der erste Simplizissimus veröffentlicht wurde - und als Flopp begann - bis dass er im Jahre 1898 erstemals verboten wurde. Und das vom Kaier höchst persönlich. Der hatte damals noch ein echtes politisches Monopol.

PPS.: Bei der Recherche zu diesem Kommentar gab es "im Netz" nur einen einzigen Verweis auf die "vier Monopolisten". Und dieser bezieht sich ebenfalls auf die vier Stromkonzerne und ebenfalls auf einen Artikel der Frankfurter Rundschau, der am 21. November 2005 unter der dem Titel: "Strom an der Börse so teuer wie nie" erschien.
In einem zu diesem zitierten Text einleitenden Kommentar von "ari.adne@lycos.de" über den
Segen der Windkraft heisst es:
"Durch die Abzocke der vier Monopolisten auf dem deutschen Strommarkt hat sich der Strompreis binnen Halbjahresfrist verdoppelt."