BVG: Nie wieder!

Es gab Zeiten, in denen noch die Jahreskarte mit integrierter Fahrradnutzung die beste Lösung für die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs war: das lässt sich aus eigener Erfahrung bestätigen.

Aber jetzt, wo sich die BVG ganz modern und kundenfreundlich präsentieren möchte, ist die Alltagserfahrung eine ganz andere geworden.

Vielleicht mag diese Beurteilung auch daran liegen, dass die Nutzung der BVG-Dienste nicht mehr die Regel sondern eher die Ausnahme darstellt und von daher die Blick kritischer geworden ist: auf jeden Fall spricht die Erfahrung des heutigen Tages dem Wunsch einer weiteren Nutzung blanken Hohn.

Angesagt war eine Fahrt mit dem Bus von der Station Kant-/Wilmersdorfer zum Haus der Rundfunks. Der erste Bus, der an der Haltestelle eintraf befährt diese Strecke, hällt aber nicht direkt am RBB, sondern nur eine Station davor oder dahinter - so wurde es kolportiert. Als die entsprechende Frage an den Busfahrer gerichtet wurde, ob denn der Bus am Haus des Rundfunks halte, antwortete dieser mit einem klaren "Nein" (so weit, so gut) und empfahl, einen anderen Bus zu nehmen (so weit und so schlecht: warum kann der Mann einem nicht sagen, dass man mit zwei Minuten Fussweg auch das angesagte Ziel erreichen könne). Daraufhin nochmals ausgestiegen, den Fahrtverlauf auf dem Aushang an der Haltestelle nachgeprüft - und erneut eingestiegen. Dank ausreichender Ortskenntnis war klar, dass der Bus zwar nicht direkt am Haus des Rundfunks hält, aber fast in unmittelbarer Nähe davon.

All das war aber nur der Auftakt zu noch weit unerfreulicheren Begebnissen: beim Verlassen des Hauses des Rundfunks findet sich eine Bushaltestelle gleich direkt gegenüber. Dass der Schnellbus an dieser nicht halten würde, war klar, der "normale" Linienbus dagegen sehr wohl. Allein: die Rechnung war ohne den Busfahrer gemacht worden. Als sich dieser näherte, verlangsamte er seine Fahrt kaum - und fuhr einfach weiter. Eine Haltesellte die keine war???.

Im Aushang gabe es eine Telefonnummer vom "BVG Call Center": 030 19449. Der Versuch, dort anzurufen misslang. Eine Verbindung konnte nicht hergestellt werden.
Ebenfalls angepriesen wurde die Nutzung einer SMS-Nummer, mit der auf dem Mobiltelefon die Ankunftszeit des nächstfolgenden Busses angekündigt würde. Allein auch die Aktivierung dieses Dienstes misslang.
Immer hatte das Ganze auch was Gutes: bis es letztendlich vergeblich gelungen war, irgendeinen Kontakt mit dem Mobiltelefon aufzunehmen war die Wartezeit bis zur Ankunft des nächsten Busses abgelaufen.

Dieses Mal war ein direktes Winken an der Haltestelle angesagt - und der Bus hielt auch tatsächlich: Oh’ Zeichen, oh’ Wunder?

Auf Nachfrage erklärte mir der Busfahrer, dass sie angehalten seien, nicht mehr an allen Haltestellen anzuhalten, wenn es keine ersichtlichen Zeichen gäbe, dass ein Fahrgast ein- oder aussteigen wolle.
Ob denn der Aufenthalt im überdachten Wartebereich kein ausreichendes Anzeichen sei, so meine Frage. Die Antwort lautete "Nein". Nur der Aufenthalt in unmittelbarer Nähe des Halteschildes sei ein ausreichende Zeichen des Interesses an einer "Mitfahrgelegenheit": Der Daumen müsse dann nicht mehr eigens herausgestreckt werden. Die pure Präsenz würde ausreichen.

Toll. Echt toll. Wahrscheinlich muss man wieder häufiger die BVG nutzen, um solchen Regularien auf die Schliche zu kommen - oder aber: Nie wieder.

WS.