Gates geht stiften

Manchmal gibt es Texte, da ist mit den Überschriften eigentlich schon alles gesagt.

Also zitieren wir aus den vielen Beiträgen zu dieser Ankündigung, dass sich Herr Bill Gates nunmehr vor allem auf die Wohltaten seiner Stiftung konzentrieren will, Patrik Etschmayer mit seiner Kolumne "Gates Abgang vom Menü" aus dem St. Gallener Online-Organ:
www.nachrichten.ch .

Bill Gates, der Dschingis Khan der Software-Industrie, steigt aus dem Sattel. Die Meldung, dass er sich in 2 Jahren hauptsächlich auf seine Bill-Gates-Stiftung konzentrieren wolle, die mit einem Vermögen von 30 Milliarden Dollar vor allem in der Dritten Welt Gutes tut, verbreitete sich wie ein Lauffeuer,. [1] [...]

Sein Rücktritt wird eine schmerzliche Lücke in den binären Köpfen der Anti-Microsoft-Gemeinde hinterlassen. Wenn Gates geht, fehlt eine wichtige Projektionsfläche, denn dieser bebrillte, schmächtigte Kerl hat etwas, das seinem Stellvertreter Steve Ballmer abgeht. Ballmer ist bekannt für seine irren Auftritte, sein fanatisches Herumschreien, sein überbordendes Temperament. Sich über Ballmer lustig zu machen ist zu einfach. Gates war immer kühl, intellektuell und beherrscht. Trotz seines nerdigen Aussehens ging eine Aura der Gefahr von ihm aus.

Der Rückzug Gates ist vor allem für seine Gegner ein Schlag. Denn Microsoft muss sich ohnehin neu ausrichten. Software wird immer weniger in Schachteln verkauft und Online-Distributionen, die durch Werbung finanziert werden, werden immer attraktiver. So könnte es denn durchaus sein, dass Gates Rückzug auch das Ende einer Ära des Computerzeitalters bedeutet. Die kontinuierliche elektronische Revolution frisst ihre Kinder und Gates hat vielleicht erkannt, dass seine Generation die nächste auf dieser Speisekarte ist.

Ein Gutes hat dieser Ankündigungstermin aber auf jeden Fall: Gates geht, bevor es ihm Anfang Juli nach dem Ende der FIFA WM 2006 eine Reihe von Helden des grünen Rasens gleichtun werden: Figo zum Beispiel, und Kahn und Zidane ;-)

[1Komma und Punkt sind so im Original gesetzt