Fussball-WM 2010

Dieser Artikel ist an dieser Stelle ein wenig vorzeitig "eingschmuggelt" worden. Bezieht er sich doch auf Ereignisse und Texte nach diesem 8. Juli 2006: Mit einer Perspektive bis hin auf das Jahr 2010.

Aber die öffentliche Abmachung mit James Cameron von Amsterdam, im Rahmen der FIFA-WM 2010 Live-Bilder im Real-Time-3-D-Format auszuspielen, hat Zeichen gesetzt [1] und zeigt Folgen, die schon jetzt Wirkung zeigen.

Es stellt sich nämlich heraus, dass schon zu dieser WM erste Ansätze unternommen wurden, die Bilder vom grünen Rasen nicht nur in 5K, sondern auch in 3D zu übertragen.

Der Besuch im International Broadcast Center in München [2] hat gezeigt, dass es für solche "Spielereien" noch zu früh ist. Wie lange hat es gedauer, dass die Produktion und Distribution der Signale in HD-Qualität stattfinden konnte - ein Prozess, der auch nach dieser WM noch lange nicht abgeschlossen sein wird: Insbesondere was die (High-Speed)-Kamera-Technik betrifft.

Die Idee für 2010 aber geht weiter. Die zu diesem Zeitpunkt mit denen neuen Kameras eingefangenen Bilder werden nicht nur als digitale Signale gecaptured, sondern auch als solche weiterverarbeitet: als Realbilder und als CG-Bilder.

"CG" steht für Computer Generated: die Bilder in 2010 werden der Gestalt sein, dass sie sowohl für die reale als auch die virtuelle Welt weiterverarbeitet werden können - und das in Realtime (will sageh: Ohne merkliche zeitliche Verzögerungen).

Wir werden also auf der grossen Leinwand die Bilder sehen, so gut wie im Stadion. Ja, vielleicht noch besser, das in voller Grösse, mit einem gigantisch guten Ton - und in 3-D. "Better than live" sozusagen.

Und wir werden daneben die Spielzüge als CG-Bilder vorliegen haben, die jederzeit gezoomt, bearbeitet und in einer anderen Richtung weiterverarbeitet werden können, als dies die Wirklichkeit vorgibt. So können alle möglichen "Was wäre wenn"-Szenarios zeitgleich und als virtuelles Replay dargestellt und analysiert werden. [3].

In dem Vorfeld dieser Entwicklungen ist wahrlich viel "Tam Tam" um diese Übergabe der Spiele an die Südspitze Afrikas gemacht worden. Und das nicht nur wegen dem Heller-Spektakel, das nun anstatt der WM-Gala hier auf die Bühne des Tempodroms in Berlin gebracht wurde.

Selber darauf anbesprochen, ob wir nicht schon für den August diesen Jahres die Ausstahlung des TV Signals aus Anlass des 88 jährigen Geburtstages von Nelson Mandela hier in Europa verhandeln wollten, haben wir bislang die Finger von solchen Kurz-Sch(l)üssen gelassen.

Nachdem, was bisher in dem Umfeld dieser Gespräche zu erleben war, entsprach zu Viel davon eben jenen Vorurteilen der Vettern-Wirtschaft, als dass man hier hätte versuchen wollen, wirklich mit Qualität und Anstand die Sache zum Laufen zu bringen.

Und schliesslich haben wir wider einen Traum. Und dass man sich diesen erfüllen kann, haben wir aus Anlass der IFA 1999 ebenso bewiesen können wir jetzt am 14. Juni im Verlauf dieser Fussball-WM.

Träume muss man nicht deuten, man muss sie deutlich werden lassen.


Noch ein Nachtrag auf diesen Vorgriff: ein Beitrag von Jens Weinreich in der Berliner Zeitung vom 12. Juli mit einer Politik-Kolumne "Für den Cup der guten Hoffnung."

Beginnen wir mit einer schlechten Nachricht: Die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 wird nicht in Deutschland stattfinden. Meldungen, wonach Deutschland als Ersatzausrichter für Südafrika einspringen könnte, verkaufen sich zwar gut in diesen verkaterten Tagen nach der WM im Partyland, doch durch ständige Wiederholungen werden solche angeblichen Nachrichten nicht wahrer. Im Kern bleiben sie Tatarenmeldungen.

Natürlich haben die Südafrikaner große Schwierigkeiten in der WM-Vorbereitung. Doch Danny Jordaan, der Vater der WM-Bewerbung und Chef des südafrikanischen Organisationskomitees, hat oft genug darauf hingewiesen, dass es unfair ist, seine Heimat an den Bedingungen im Fußballland Deutschland zu messen. Das heißt nicht, dass der 54 Jahre alte Jordaan hausgemachte Probleme kleinreden würde. Wenn Geld, das für die WM-Infrastruktur oder andere Projekte gedacht ist, in dunklen Kanälen verschwindet, meldet sich Jordaan zu Wort. Einen lang währenden Machtkampf mit den Funktionärskollegen Irvin Khoza und Molefi Oliphant hat Jordaan gewonnen. Khoza, der in vielfältiger Weise finanziell am Fußballgeschäft partizipiert, fungiert als Präsident des WM-OK. Oliphant ist Präsident des südafrikanischen Verbandes. Danny Jordaan aber macht als OK-Chef die Arbeit. Er genießt das Vertrauen von Staatspräsident Thabo Mbeki und von Fifa-Boss Joseph Blatter, der eine Fifa-Dependance am Kap eingerichtet hat.

Blatter schmiedet längst auch politische Allianzen für die WM 2010, die sein Lebenswerk krönen soll. Da die Fifa-Einnahmen im kommenden WM-Zeitraum exorbitant steigen, wird Blatter den Südafrikanern einen weit höheren Zuschuss gönnen als den Deutschen für 2006. Und er wird die Verwendung dieser Mittel mit eigenen Leuten kontrollieren. Viel spricht sogar dafür, dass der eigentliche deutsche OK-Chef, Horst R. Schmidt, als eine Art Sonderbotschafter ans Kap geschickt wird. Schmidt und Jordaan könnten ein wirkungsvolles Duo abgeben.

Jordaan hat eine politische Biografie. Er gehörte dem ANC an und arbeitete zuvor in der südafrikanischen Studentenorganisation Safo, die von Steve Biko gegründet wurde. Seit anderthalb Jahrzehnten ist er Südafrikas wichtigster Sportpolitiker. Für die repräsentativen Jobs sind zwar andere zuständig, Sam Ramsamy etwa, Südafrikas IOC-Mitglied. Jordaan aber ist der Chefkontakter, er macht die Deals. Er leitete zwei WM-Bewerbungen: Beim ersten Mal, im Juli 2000, verlor Jordaan gegen Deutschland. Als sich der Ärger gelegt hatte, war er smart genug, sich die Dienste deutscher Bewerber zu sichern, so ließ er sich vom Münchner PR-Profi Andreas Abold beraten. Mit Abolds Hilfe war Jordaan vier Jahre später am Ziel und sicherte die WM 2010 für Südafrika. Mit Jordaan steht und fällt das WM-Projekt. Wenn er es nicht schafft, dann schafft es keiner.

Zitiert nach der von uns abonnierten Ausgabe vom 12. Juli 2006
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/568244.html

[3Und wenn die Italienische Rechte auf ihren Spielfeldern keine Schwarzen mehr sehen will, kann sie diesen ja sogar nach Bedarf eine andere Hautfarbe verpassen und sich das dann in einem eigens für sie eingerichteten "Weissen Kanal" anschauen...