WM-06: Cross-Media-Recap

"Vor dem Spiel, ist nach dem Spiel, ist vor den Spielen."
Cross-Media-Perspektiven nach der WM 2006

Unter diesem Titel hat der Verband der deutschen Internetwirtschaft samt seiner Partner und Unterstützer im Rahmen seiner Arbeitskreissitzung M-Commerce zu einer „Arbeitskreissitzung“ eingeladen, die sich in ihrem Verlauf als eine der profiliertesten Podiumsveranstaltungen der letzten Zeit entpuppen sollte: nicht nur wegen der „namhaften Referenten“, der „zündenden Themen“ und den „kompetenten Moderatoren“, sondern vor allem, weil die Anwesenden bereit waren, aus ihrer Praxis, ihrer täglichen Arbeit mit dem Thema Medienkonvergenz zu berichten: Ohne sogleich alle non-disclosures aufzumachen aber doch so, dass man zwischen den Zeilen mehr verstehen konnte und durfte als das, was heute so in den Branchen-Gazetten hätte publiziert werden dürfen.

Ein Workshop, in dem man sich nicht durch seinen Brand verkaufen konnte, sondern durch seine Kompetenz, seine Dialogbereitschaft und die Offenheit der Nachrichten - auch über sich selbst. Dass man nun im Internet - von vielen heute immer noch als eine „offene Bühne“ oder als ein „weisses Blatt Papier“ bezeichnet - inzwischen auch Geld verdienen will hat den Veranstalter nicht dazu verführt, die eigene Diskussion als eine kostenpflichtige Veranstaltung zu promoten. Gerade, dass man dieses gelassen und dennoch viel getan hat, was selbst professionellen Veranstaltern gut zu Gesicht stehen würde, hat man sich - ja, schreiben wir es ruhig - eine Art von Autorität geschafft, die für sich selber spricht.

Da auch dieser Text „on the fly“ entsteht, als tagesaktuelle Mitschrift und ohne Möglichkeit der Nachverarbeitung, sollten diese Zeilen nicht als „Tagungsbericht“ gelesen werden, sondern sind ein Sammlung von zum Teil durchaus subjektiven Beobachtungen und Anmerkungen, zu denen dieser Tag und sein Verlauf Anlass gegeben hat. [1] [2]

Den Beginn macht ein Moderatorengespann Wilfried Runde und Jochen Spangenberg, aus dem Hause der Deutschen Welle, die im Rahmen ihrer Einführung sogleich auf ihr Haus als auch auf das EU geförderte Projekt INCCOM [3] hinweisen und einen seiner Vertreter aus Finnland zu Wort kommen lassen [4]. Sie bringen zugleich ihren Chef Guido Baumhauer, den „Direktor Distribution“ mit ins Spiel, aber er wird erst zum guten Ende der Veranstaltung als persona grata mit ins Feld geführt.

Eingebettet in ihre Moderation sind die einführenden Worte der Chefin der VIVAI Software, AG Dr. Bettina Horster, die vor allem auf die Partner, das Vorbereitungsteam und das Vergnügen abhebt, die ihr bereits die Vorbereitung der Veranstaltung gemacht habe. Das klingt glaubwürdig und macht deutlich, warum eine solche Arbeit sowohl dem Produktplacement nützt aber zugleich und das ganz wesentlich, darüber weit hinaus geht.

Nach dem finnischen Vorturner kommt mit Frau Barbara Gessler eine Frau zu Wort, die seit 10 Jahren für die Europäische Kommission tätig ist, diese heute als ihre Vertreterin in Deutschland angekündigt wird und auch als solche auftritt. [5]
Sie macht uns mit den zumeist allseits bekannten Daten und Schätzungen über das Anwachsen der neuen IT- und medienbasierten Märkte bekannt. So bleibt genug Zeit, mit den Gedanken etwas abzuschweifen und sich mit einer persönlichen Vorliebe auf Aussagen zu beziehen, die zum Teil aus ihren Nebensätzen entlehnt wurde. Zum Beispiel den, dass sie die Zusammenarbeit mit ihrem Arbeitgeber vor 10 Jahren zu dem Thema der Einführung des 16:9 Fernsehformates begonnen habe. [6]
Leider war zu dem Thema: Fussball und neue Medien von ihr überhaupt nichts zu vernehmen und auch die Hinweise auf das neue EU-Regelwerk zur Medienpolitik waren nicht gerade von hohem Neuigkeitswert. Kurz und nichts für ungut: Als Grussadresse wäre dieser Vortrag allemal durchgegangen: Aber als Key-Note, so wie dieser Auftritt von den Moderatoren angekündigt und abgesagt wurde, ist hier eine Chance vertan worden.

Schade eigentlich, zumal es ein bundesdeutscher Staatdiener, Dr. Alexander Tettenborn, Referatsleiter Rundfunk und Medienwirtschaft Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, unmittelbar danach vermochte, die Zuhörer trotz des mehr als trockenen Problematik seines Themas für sich und seine Aufgabe wahrlich zu interessieren.
Dies gelingt ihm nicht nur dadurch, dass er die langläufigen Vor-Urteile über die Beamtenschaft mit fröhlich-kritischem Selbstbezug wiederholt - Stichwort: Beamten-Mikado - und dass er seine grundlegenden Fragen in die - wenn auch nicht dialektischen so doch zumindest vom Dialekt geprägten Formulierungen gewandet - Stichwort „Wat sull dä Quatsch“. Seine Stärke ist es, die Momente des persönlichen Erlebens als „Handynutzer“ durchaus als solche mit zum Gegenstand seiner Reflektionen zu machen und dann doch sogleich wie ein Konvergenzmoderator über die enormen Chancen des "Swiss-Knife-Konzeptes" für die zukünftigen Anwendungen im Hardware-Umfeld zu reflektieren.
Er stellt Fragen nach der Auswirkung von einmal getroffenen Entscheidungen - Stichwort „Sanity-Check“ - von Triple-Play-Modellen, der digitalen Dividende und technischen Platformen. Und er scheut sich nicht, von einigen EU-Regeln als Killer Applikationen im negativen Sinne zu sprechen und von den „rheinischen Lösungsversuchen“, deren Geist die Bonner Beamtenschaft auch mit nach Berlin genommen habe.
Und das sei auch gut so, denn aktuelle Projekte wie die Erprobung und Nutzung on IPTV-Diensten wären nach dem § 48 des TKG eigentlich im streng rechtlichen Sinne gar nicht möglich gewesen wenn nicht...
Er verweist auf das neu eingerichtete „Forum Digitale Medien“ wohlwissend und -sagend, dass die Rundfunk-Frequenzverwaltung in Deutschland letztendlich Ländersache sei - und wohl auch bleiben wird und gleichzeitig darauf verweisend, dass für den Durchbruch von Diensten wie dem Handy TV die Vergabe einer bundesweiten Frequenz notwendig sei; etwas was bislang so noch nicht möglich wäre.
Auch wenn die Aufgaben seines Hauses weder die Länder- noch die EU-Richtlinien ausser Acht lassen könnten, wird es mit weiteren Einrichtungen wie der "Task Force" zum Thema der Digitalen Rundfunkfrequenzen notwendig sein, hier die Voraussetzungen für eine Planungssicherheit zu schaffen. Und das möglichst schon im Jahr 2007.
Auch die Frage nach der Verschlüsselung des Broadcastsignal müsse noch in diesem Jahr sachlich und nachdrücklich angegangen werden: ohne den "Speichelfluss bei den Öffentlich-Rechtlichen" und dem "Schwanzwedeln bei den Mobilfunkern".

Damit waren die ersten zwei der drei „grossen Statements“ diess Tages vorgetragen worden. Und, wenn auch nicht in chronologischer Reihenfolge, hier sogleich ein Hinweis auf das Dritte dieser Art: Das inhaltlich am weitesten ausgearbeitete und dann doch am wenigsten Vermittlungsfähige.
Tricia Parks, CEO von Parks Associates Darstellung der sehr umfangreich recherchierter Materialsammlung von Daten und Analysen aus dem internationalen Umfeld der Industrie und ihrer Märkte brachte es mit sich, dass ihre Präsentation eigentlich ebenfalls zur Einleitung an den Anfang gehört hätte; auch wenn Sie sich in ihren eigenen einleitenden Bemerkungen zugleich und zunächst stark zurücknimmt und in Frage stellt, ob es denn überhaupt möglich sei, in diesem „messy market“ irgendwelchen konkreten Aussagen zu seiner Weiterentwicklung machen zu können.
Ihre Analyse gipfelte letztendlich aber dann doch in einer sehr konkreten Empfehlung: Den Hype zum Thema der mobilen Mediendienste nicht zu früh und zu heftig anzufachen. Es könnte nämlich sein, dass gerade dadurch Anspruch und Wirklichkeit soweit auseinanderklafften, dass sich die positiven Ansätze in ihre Gegenteil verkehren würden: Zum Nachteil des gesamten Industriezweiges.
So wichtig diese und weitere Aussagen auch waren, warum, so fragt man sich, hat diese Frau die Strapaze von 14 Stunden Flug auf sich genommen um dann dennoch Gefahr zu laufen ob der wenigen Minuten die ihr zur Verfügung standen nicht wirklich verstanden zu werden.
Hier ist vielleicht wichtig zu wissen, dass Sie mit einer eigenen Konferenz zu diesem Thema erstmals im November diesen Jahres in Deutschland die Szene betreten wird. Und nach allem was bislang zu hören war, ein lohnender Anlass wieder einmal nach Berlin zu kommen oder aber zumindest über diesen Tag den Veranstaltungskommentar in „DaybyDay“ nachzulesen. Mehr zu dieser gemeinsam mit der Consumer Electronics Association (CEA®) vom 14.-16. November 2006 unter dem Brand "CONNECTIONS™ Europe" geplanten Veranstaltung: "Strategies for Digital Living Markets" unter:
http://www.parksassociates.com/events/europe/home.htm.

Im nachfolgenden zweiten Teil werden die Namen und Funktionen der Referenten jeweils vorgestellt und - zu einem späteren Zeitpunkt - nochmals mit einigen kurzen Anmerkungen skizziert. Alles Weitere ginge dann doch über den hier gesetzten Rahmen hinaus - wenngleich es an dem einen oder anderen Punkt und Namen wahrlich noch das Eine oder Andere hinzuzufügen gäbe.
Aber das kann ja dann auch vielleicht bilateral geschehen.
Auf jeden Fall an dieser Stelle nochmals ein Kompliment an den Veranstalter und alle Beteiligten für diesen gelungenen Info-Tag.

Hier nochmals ein aktualisierter Programmüberblick:

10.00 Uhr Begrüßung und kurze Themeneinführung

Dr. Bettina Horster, Vorstand, VIVAI AG/eco
Jochen Spangenberg und Wilfried Runde, Deutsche Welle/INCCOM-Projekt
Moderation: Jochen Spangenbert, Wilfried Runde

10.15 Uhr EU und Cross-Media-Dienste

Barbara Gessler, Vertreterin der EU-Kommission in Deutschland

10.30 Uhr Keynote

Dr. Alexander Tettenborn,
Referatsleiter Rundfunk und Medienwirtschaft
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

10.50 Uhr Perspektiven nach dem Spiel

Robert Fahle, Head of RTL Mobile Media
Frau Sandra Fründt [7] Business Development Vodafone Deutschland
Jörg Bollow, Sportmarketing, T-Com [8]
Christian Muche, Director International Sales & _ Marketing Yahoo! FIFA Partnership

12.00 Uhr 2 x 45 Minuten Active Lunch Break™ [9]

Spiel, Sport und Business mit Hands-on Demos von Sony Netservices, Gameloft, Bwin, Plan B und INCCOM-Business-Modelling Tools

13.30 Uhr Mobil und virtuell - Spiele & Wetten

Prof. Wolfgang Prinz, Fraunhofer FIT
Ulf Morys, Geschäftsführer Gameloft
Russell Perry, Head of Channel Management, Bwin
Oliver Bunsen, Managing Director Mindmatics
Michael Rueger, UFA Film & TV

14.35 Uhr MobilTV - Die WM-Pilotprojekte - Kick-Start für mobiles Fernsehen und was kommt danach?

Tricia Parks, CEO Parks Associates
Armin Loos, Projektleiter DxB LfM
Henrik Rinnert, Geschäftsführer,
MFD (Mobiles Fernsehen Deutschland)
Michael Rueger, UFA Film & TV [10]
Horst Peiffer, Ericsson GmbH [11]

15.45 Uhr Zusammenfassung und Überleitung „Blaue Stunde“ -
TV goes Cross-Media! Talk mit

Peter Kloeppel, President News RTL,
Katrin Bauerfeind, ehrensenf.de,
Friedrich Küppersbusch, TV-Produzent "probono"
Guido Baumhauer, Direktor Distribution Deutsche Welle

17.00 Uhr Networking, Essen und Trinken mit Rheinblick [12] -
Lounge Beats by DJ Sunrise

Hier noch der Link auf die Webseite des Veranstalters ECO:
http://newsletter.eco.de/inxmail13/url?vvedq00b3ci000vfy3a11

[1Daher mag es auch gut sein, dass hier auch nicht jeder und alle zur Wort kommen und namentlich genannt werden oder ihre Beiträge nur kursorisch oder sogar mit leichter Häme gestreift werden. Allerdings gab es keinen Einzigen der so schlecht - oder auch unsympathisch gewesen wäre - dass man am darüber nur noch „den Mantel des Schweigens“ hätte hängen müssen.

[2Erfreulich, dass diese Art der zeitnahen und "contextsensitiven" Schreibe offensichtlich Schule macht: Hier zum Beispiel der Link auf einen "Multimediablog" von Bernd Schmitz vom Eco "crossroads"-Kongress vom 30. August 2006.

[4Der sich, gepeinigt durch die „trippel-S-buzzwords“: „Sauna, Saufen, Selbstmord“ aber nicht aus der Ruhe bringen lässt, obwohl er sogleich zu Beginn seines Auftritts deutlich werden lässt, dass er durchaus des Deutschen mächtig genug ist zu verstehen, was das über seine Nation gesagt worden ist.

[5Wirklich klar geworden ist ihre Rolle aber eigentlich nicht. Offensichtlich sitzt sie in Bonn und nicht in Berlin, ist aber dort an der Vorbereitung einer dort stattfindenden Veranstaltung beteiligt, mit der der Beginn des 7. Rahmenplans im Jahr 2007 öffentlich ins Leben gerufen wird.

[6Ein Projekt, das aus der eigenen Erfahrung als das „The Wider View“ Konzept noch gut bekannt ist, nachdem das VISION 1250 Projekt zur Förderung des hochauflösenden - wenn gleich damals noch analogen - Fernsehens mehr oder wenig als „gescheitert“ aus dem Programm genommen werden musste.

[7Sie war eine wahrlich gute Vertretung für Bernhard von Canstein

[8Er sollte für den zunächst avisierten Dr. Henning Stiegenroth, Leiter Sportmarketing, T-Com, sprechen. Aber auch er kam nicht an: Und macht damit als der einzige "non show" des Tages von sich reden. Denn solch "unentschuldigtes Fehlen" verleitete die Kommentatoren zu einigen der inzwischen wohlbekannten "Telekom-typischen" Negativbemerkungen.

[9Was für ein toller Titel: Allein, als wir nach einer angeregten Diskussion als die Letzten den Konferenzraum verliessen, waren die wie auch immer gearteten Essenswaren schon alle "verschwunden" - worauf die Entscheidung feststand und nach kurzer Suche im Nachbarpalais ein leckers Angebot von "Kurts Origineller Küche" zu Munde gebracht werden konnte.

[10In Vertretung von Frau Dr. Susanne Stürmer,Director Corporate Affairs, UFA Film & TV

[11in Vertretung von Mads Winblad, Business Manager Mobile TV, Nokia

[12Und Regen :-(