Webcuts_06

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1.

Nachdem in diesen Jahren schon mehrfach von den neuen Nutzungsmöglichkeiten des Kinos im Rahmen der Möglichkeiten eines "digitalen Playouts" berichtet wurde [1] hier nun der allfällige Hinweis auf das heute auch in diesem Jahr wiederholte Internationale Internet Film Fest Webcuts.06 im CineStar im SonyCenter am Potsdamer Platz in Berlin ab 20.00 Uhr [2] .

Wie man bei Simone Würdinger von "interface!berlin" nachlesen kann, präsentiert das Festival für Internet-Kurzfilme aus den Jahren 2005/06 aus 28 Länder mit insgesamt 130 Einreichungen aus Argentinien, Brasilien, Hong Kong, Indonesien, Israel, Japan, Kanada, Korea, Kolumbien, Malaysien, Mexiko, UK, USA, Venezuela und - natürlich - aus Europa.

„Film- und Videoartists, Spieleentwickler, Visualisierungsexperten und Webdesigner aus aller Welt haben uns interessante, spannende, künstlerische, witzige, experimentelle sowie technisch sehr ausgereifte Movies geschickt.“ erklärt Eckhard M. Jäger, Begründer von Webcuts und Creativ Director der Agentur area42. „Die Bandbreite reicht von Realfilm bis 3D-Modeling, von 10-Sekunden-Clips bis zum Kurzfilmformat. Oft werden die verschiedenen Techniken höchst professionell kombiniert. Die Entscheidung für die 30 nominierten Filme ist uns nicht leicht gefallen. Wir sind jetzt sehr gespannt, welche Beiträge durch die Jury, das Kinopublikum und die internationalen Teilnehmer am Live-Streaming beim Webcuts.06-Award prämiert werden.“

Auch das Kinopublikum und die Teilnehmer am Live-Streaming können für ihren Favoriten ihre Stimme abgeben und der Publikumspreis wird im Anschluss an die Screenings auf der Club Lounge, verliehen.

2.

Auch wenn es nun wirklich nicht unsere Sache ist, "Verlautbarungsjournalismus" zu betreiben, ist dieses in diesem Falle die einzige Möglichkeit, doch noch auf den Erfolg dieser Veranstaltung hinzuweisen.

Denn während sich ab 18 Uhr die WebCutsVIPs im Kaisersaal am Potsdamer Platz trafen

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- hier: "Vorhang auf" für Eku Wand [3] - gab es zum gleichen Zeitpunkt einen Empfang im "Hamburger Bahnhof" [4] aus Anlass des 60. Geburtstages von Dr. Hans Hege, dem Direktor der Medienanstalt Berlin-Brandenburg.

Leider war dort das Ganze nicht in einen Rahmen gesetzt worden, in dem es möglich gewesen wäre, sich noch einmal zurück in die Geschichte des privaten Rundfunks zu begeben und / oder zugleich rundfunkpolitische Visionen zum Besten zu geben, sondern das Ganze war unter Beteiligung der "üblichen Verdächtigen" zu einem Symposium zu der aktuellen Frage erklärt worden: Konvergenz von Rundfunk und Telekommunikation revolutioniert Regulierung.

Dennoch. Dieser Besuch war aufgrund der langjährigen und vertrauensvollen Kontakte und Zusammenarbeit mit diesem Hause seit den 80er Jahren bis zur Einführung des digitalen terrestrischen Fernsehens DVB-T - mehr als nur ein Pflichttermin, sondern ein "echtes Anliegen" [5].

Dabei war es - bei aller hier selbst auferlegten Zurückhaltung - doch augenfällig zu sehen und für alle Ohrenzeugen der Diskussion deutlich zu verstehen, wie weit das Einwirken der digitalen und nunmehr auch IP-basierten Mediendistribution schon vorgedrungen ist und wie nachhaltig die allgemeine Verunsicherung ist, die mit diesen Entwicklungen einhergeht.
Ein Zustand, der bis hin an die - wenn auch spielerisch vorgetragene - Aufforderung an den Jubilar reichte, bitte doch den Rundfunkbegriff nochmals neue zu fassen und zu definieren [6].
Der im Nachgang zur Veranstaltung bei Speis’ und Trank angebrachte Hinweis, dass der vorzeitige "Ausstieg" aus dieser Veranstaltung der Tatsache geschuldet sei, sich "Internet-Filme im Kino" anschauen zu wollen, löste denn auch allerlei Erstaunen und Neugier aus.

3.

Allein, bei der Ankunft im Kino war die Preisvergabe im Kino schon abgeschlossen, die Trophäen, Softwarepreise im Wert von 15.000 € in den Kategorien bester Film, bestes Design und beste Animation waren bereits vergeben. Auch der Sonderpreis, der an ein internationales Open Source Internet Film Projekt ging.

Also ab zum Get-Together ins "K 44". Gerade noch rechtzeitig, um die Vergabe des Publikumspreises für den Film „Video 3000“ mitzuerleben, der zuvor auch bereits von der Jury in der Kategorie "bester Film" ausgewählt worden war.

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Und HIER gibt es weitere Fotos über diese Veranstaltung von Alexander Krause.

Was für ein Unterschied zwischen diesen beiden Welten der Broadcaster und deren Regulierer einerseits und den Filmemachern und Im-Netz-Anbietern andererseits.
Aber ist das nicht auch das echt Belebende an dieser Stadt Berlin, dass es hier eher als anderswo möglich ist, sich parallel [7] in solchen "alten und neuen Welten" aufzuhalten - kaum mehr als einen "Katzensprung" und doch mehr als eine Generation von einander entfernt?

4.

Hier im Wortlaut der Text der abschliessenden Presseerklärung:

Berlin, den 13. Oktober 2006. And the Winner is.... !

Von 177 Filmen aus 28 Ländern waren knapp 30 Beiträge für die Vorführung im Berlinalekino CineStar Original im SonyCenter am Potsdamer Platz für das Internet Film Fest ausgewählt worden, die u.a. aus Brasilien, Deutschland, England, Frankreich, Japan, Korea, Spanien, Türkei und den USA stammten.

Im ausverkauften Kinosaal verfolgten begeisterte Kinobesucher und viele internationale Teilnehmer per Live-Streaming die Präsentation und Prämierung von witzigen, coolen, spannenden und gestalterisch hervorragenden Movies: immer State-of-the-Art von Design- und Filmstudios, aber auch freie Arbeiten von jungen Autoren.

Die Webkatz-Trophäe wurde in den Kategorien bester Film, bestes Design und beste Animation an die ambitioniertesten Beiträge vergeben. Ein internationaler Beitrag, an dem Designer- und Entwicklerteams aus aller Welt mitgearbeitet hatten, erhielt einen Sonderpreis.

Auch das Kinopublikum und die Teilnehmer am Live-Streaming gaben für ihren Favoriten ihre Stimme ab. Auf der Party in der Homebase K44, auf der Holger Schöpper vom media.net berlinbrandenburg den Publikumspreis überreichte, wurde dann die gelungene Award-Verleihung am Potsdamer Platz kräftig und bis spät in die Nacht gefeiert.

- Bester Film und Publikumspreis
Titel: Video 3000
Filmemacher: Jörg Edelmann, Jörn Großhans, Jochen Haussecker, Simon Schleidt, Marc Schleiss von der Hochschule der Medien Stuttgart

Begründung: Video 3000 zeigt, was heute möglich ist und stellt eine Inspiration für die junge Branche des Internetfilms dar.

Das Video besteht aus einem Mix von Real- und Computeranimation, mit realen und synthetischen Teilen, Illustration etc. Motion Control und Motion Capture sind hierbei Schlüsselelemente.

Die Besonderheit bei Video3000 ist, dass hier in eine "Reale Welt", fotografiert mit 16 Megapixel im Stop-Trick-Verfahren, ein virtueller 3D-Character eingebaut wurde. Bislang wurde noch nie beim Stop-Trick mit dieser Auflösung gearbeitet.

Preis überreicht durch den Filmemacher Andy Murdock, San Francisco /USA, Gewinner von Webcuts.04+05:

10 Lizenzen der Rendering Software Mental Ray des Hauptsponsors Mental Images im Wert von 10.000,- €

- Bestes Design
Titel: Trusted Computing
Filmemacher: Benjamin Stephan, Lutz Vogel, Karlsruhe und New York

Begründung: Die gute Form- und Farbabstimmung zu Ton, Thema und der kritische Inhalt der Arbeit überzeugte die Jury.

Der Online-Movie bietet eine perfekte Inszenierung von Typo und Graphics, dazu ideenreiche Variationen und Assoziationen.

Preis überreicht durch Sven Assmann, Vorsitzender des Multimediaverbandes Interface!Berlin:

Videosoftware im Wert von 1.500,- € der Firma Main Concept

- Beste Animation
Titel: Tyger
Filmemacher: Guilherme Marcondes, Brasilien

Begründung: Das Gedicht "Tyger" von William Blake erfährt hier eine ganz eigenwillige, gelungene Interpretation, die mit einer exzellenten metaphorischen Bildsprache eines der Urthemen der Menschheit in aktuelle Befindlichkeiten unserer gegenwärtigen Zivilisation übersetzt.

Neben gut inszeniertem Rotoscoping in den interessant fotografierten Backgrounds und den ganz besonders hervorzuhebenden Illustrationen und Animationen der 2-d-Characters wird hier ein großer, real gebauter Tier-Character von menschlichen Puppenspielern durch die ansonsten virtuelle Szenerie bewegt. Wie dieser reale Anteil der wohl traditionellsten Art von Handanimation ins Bild gesetzt wird und zusammen mit dramatischem Licht- und Sounddesign einen Gesamteindruck von mythischer Tiefe entstehen lässt - das die Jury zutiefst beeindruckt.

Preis überreicht durch Prof. Susanne Mayer, Hochschule der Medien Stuttgart:

3 D-Software im Wert von 1.500,- € der Firma Bitmanagement

- Sonderpreis
Titel: Elephants Dream
Filmemacher: Orange Open Movie Projekt Studio, Amsterdam

Begründung: Die Kombination von freier Open Source Software, das excellente und einzigartige Design und der ungewöhnliche Finanzierungs- und Vertriebsweg macht Elephant Dreams zu einem Vorreiter des Internet Films.

Elephants Dream überzeugt durch liebevolle Details, kraft- und phantasievolle Bilder und die schöne Ausführung der Animation. Der Movie ist das weltweit erste Open Source Film-Projekt, entstanden auf Basis von Open Source Grafik-Software.

Das Projekt wurde vom Orange Open Movie Projekt Studio in Amsterdam initiiert, das dafür verschiedenste Designer- und Entwicklerteams aus aller Welt zusammenbrachte. Montevideo und die Blender Foundation teilten sich die Produktionsfinanzierung. Die Blender Foundation akquirierte die Gelder durch eine Internet Community, deren Mitglieder in einer Pre-Sales-Aktion die DVD-Edition vorfinanzierten.

Preis überreicht durch Anina, Blogging Top-Model, Amsterdam:

Gutschein für ein Wochenende im Clarion Hotel Berlin

[1siehe unter anderem die Beiträge vom 15. Juni 2006 und vom 2. September 2006

[2Karten zu dieser Veranstaltung gibt (gab!] es rund um die Uhr bei telefonischer Vorberstellt unter: 030-26066-260.

[3der dankenswerterweise diese Fotos zur Verfügung gestellt hat

[4Vielleicht lässt sich ja doch noch einmal der schon langgehegte Plan umsetzen, mit einigen ausgesuchten Interessenten eine Führung durch die Sammlungen des Museums für Moderne Kunst zu machen. Titel: "Der Mythos der Medien im Spiegel der - abbildenden - Künste".

[5Und von daher werden an dieser Stelle weder der Besuch noch Verlauf der Veranstaltung im Detail auskommentiert werden.

[6Sein Kollege Schneider entledigte sich der Aufgabe dahingehend, dass der von dem "Bastrard als dem Wappentier der Digitalisierung" sprach.

[7wenn auch eben (noch ;-) nicht zeitgleich...