KURT zum 90sten

Während die Akademie der Künste sich an diesem nun vergangenen Wochenende in allerlei Selbstbespiegelung und -kritik im alljährlichen Mitglieder-Tagungs- und Tanzfieber erging, feiert an diesem Tag ein Mann seinen 90sten Geburtstag, dem ich viel verdanke: Kurt Hübner. [1]

Ohne ihn hätte mein Leben eine andere Wendung genommen. Er war es, der mich - nach Ulli Erfurth und vor George Tabori und Peter Palitzsch - für die Bühne engagierte.

Zunächst als Volontär, dann als Assistent für Regie - wo ich ihm u.a. bei seiner "Nathan"-Inszenierung beiwohnte - und schliesslich als Promoter.

Mit dieser Entscheidung war er wohl der Erste im Umfeld der deutschsprachigen Bühnen überhaupt, der sich auf diese Weise um das heute "Marketing" genannte Thema für das Theater - und für "sein" Theater am Goetheplatz in Bremen - engagiert hatte.

Am 12. November 2006 zeigt die AKADEMIE DER KÜNSTE um 11.00 Uhr in der "Blackbox" - Kooperation mit dem Henschel Verlag und der Freien Volksbühne Berlin - einen Film der Hessischen Rundfunks aus dem Jahr 1982 über den Intendanten und Regisseur Kurt Hübner unter dem Titel: "Die Form ist die Botschaft. Kurt Hübner und die Wiederbelebung des Theaters". [2]
Danach gibt es im Plenarsaal ein Gespräch von Kurt Hübner und Michael Thalheimer mit Dietmar N. Schmidt zu dem Thema:
"Spielräume: Ist das Theater von gestern das Theater von morgen?"
Traugott Buhre wird aus dem Dramolett von Moritz Rinke lesen: „Die große Liebe“.
Und dann wird Prof. Dr. Dietger Pforte Kurt Hübner die Ehrenmitgliedschaft der Freien Volksbühne überreichen []sic: Warum, bitteschön, musste so ein Mann dafür erst neunzig Jahre alt werden?]].

Einen guten Überblick über den Rattenfänger der Talente gibt die nordwestradio-Internent-Seite von radiobremen.

WS.

Kurt Hübner: "Ich hatte eine Grundvoraussetzung für den Beruf des Intendanten, eigentlich die wichtigste: Alle Leute, die man engagiert, ob Schauspieler, ob Dramaturg, ob Regisseur, müssen besser sein als man selbst als Künstler. Ich stelle ja an mich auch hohe Ansprüche, aber es gibt Leute, die besser sind als ich in ihren künstlerischen Ausdrucksweisen. Und dabei bin ich ewig geblieben, und ich bin neidlos geblieben. Ich habe niemals einen verdienten Erfolg, wie sage ich, beneidet, ich war nicht missgünstig. Der Erfolg anderer freut mich, und immer und überall, auch in meinem Theater, sagte ich, das ist besser, als ich es selbst zustande gebracht hätte."

[1Mit diesen Zeilen ist eine der ganz wenigen Ausnahmen von der Regel zustande gekommen, dass in "DaybyDay" keine Sätze mit "ich" vorkommen soll(t)en.

[2In der Programmankündigung der Akademie ist die Erstausstrahlung dieses Films auf das Jahr 1986 datiert. Da aber der Hessische Rundfunk anlässlich seiner sonntäglichen Wiederausstrahlung ein früheres Datum angibt, wird dieses hier auch so übernommen. WS.