Tagen im Quadrat: Der DJV in Mannheim [III]

Sind Sie ein "Profi-Journalist"? Anlass für diese Frage ist die Erklärung des DJV-Verbandstages vom 8. November 2006 zum Thema: Erhalt des Presseausweises, die von der verbandseigenen Pressestelle wie folgt zusammengefasst wurde:

Die rund 300 Delegierten des DJV-Verbandstages 2006 in Mannheim haben einen Antrag verabschiedet, der sich für den Erhalt des bundeseinheitlichen Presseausweises in seiner jetzigen Form ausspricht. Darin fordert der DJV die Innenminister auf, von der im Mai beschlossenen Aufweichung der Vergabekriterien Abstand zu nehmen. Außerdem wird kritisiert, dass die Innenministerkonferenz den Kreis der ausstellungsberechtigten Verbände ausdehnen will. Hier bestehe die Gefahr, dass sich Organisationen bildeten, deren Hauptaufgabe in der Ausstellung des Presseausweises bestehe.

„Der bundeseinheitliche Presseausweis soll Profijournalisten bei ihrer Arbeit unterstützen, Wege öffnen, Informationsansprüche durchsetzen und unnötige Diskussionen vermeiden helfen“, erklärte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. „Er ist ein Türöffner, aber keine Rabattmarke.“ Die Innenminister seien in der Verantwortung, dieses wichtige Arbeitsinstrument der hauptberuflich tätigen Journalistinnen und Journalisten zu erhalten. Andernfalls sei der Presseausweis irgendwann nicht mehr wert als der Leserreporterausweis der Bild-Zeitung.

Auf der eigenen Website sind ja zu diesem Thema ebenfalls seit längerem entsprechenden Einträge und Links eingestellt worden.

Im Hintergrund dieser sowohl verbandsinternen als auch -übergreifenden Diskussion stehen aber Themen, die sich allein mit der hier vorgetragenen Position nicht werden abdecken lassen.

Es geht um die Frage der Leserbeteiligungen in Wort und Bild sowohl an den klassichen Verlags-Publikationen und den Sendungen der Rundfunkanstalten und -häuser als auch im Zusammenhang mit all den neuen Medien und Möglichkeiten. Und: es geht um die Schnittstellen, die zwischen diesen ganz unterschiedlichen Welten aufgemacht werden: Sei es nun von der BILD-Zeitung oder den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten [Siehe dazu der Beitrag vom 4. November 2006 ]].

An dieser Stelle wurde an diesem dritten Verbandstag eine mit überraschend viel Applaus abgeschlossene Erklärung im eigenen Namen abgegeben, deren Inhalt sich im Wesentlichen wie folgt zusammenfassen lässt:
So wichtig die Diskussion um die Wahrung der Qualität und Werte des klassischen Journalismus auch ist, so sollte sie auch zum Anlass genommen werden, um auf die neuen Veränderungen einzugehen, die die bisherigen Normen und Strukturen der eignen Praxis massiv in Frage stellen, desavouiren oder einfach negligieren: Die Schnittmengen zwischen dem Journalismus und sogenanntem "user generated content" sind neu auszuloten und zu erproben.
Und wenn im Verband eine sogenannte Kommission zu Fragen der Perspektiven einrichten wird, die offener mehr sein und bewirken will als eine von diesen "Elefantenrunden", dann in der Erwartung, dass es am dieser entscheidenden Frage einmal gelingen möge, als Verband nicht nur zu reagieren, sondern auch pro-aktiv zu handeln - zu Zeichen zu setzen.