Der letzte Arbeitstag ...

... in diesem Jahr.

Und schon fast wieder das Ende dieser guten Zeit "zwischen den Jahren".

Sogar im Deutschland-Radio hat man sich eineinhalb Stunden Sendezeit genommen, um im Vormittagsprogramm mit den Hörern und einem "Experten" darüber zu diksutieren, wie man das Phänomen der Zeit erleben würde.

Aber um wirklich zuhören zu können, dazu fehlte die Zeit. Doch der genutzte Moment des Zuhörens reicht, um eigentlich heute schon etwas selbstverständliches nochmals heraushören zu können, nämlich: wie gut man heute den Menschen am Telefon zuhören kann.

Die Stimmen kommen echt gut rüber, kein Rauschen und Knacken mehr. Dass hier zwischen dem Anrufenden am einen und der Studioregie am anderen Ende der Strippe grosse Entfernungen zurückgelegt werden, ist so gut wie nicht mehr hörbar. Vom Hörerlebnis her spielen Zeit und Raum bei diesen Schaltungen keine Rolle mehr, ihre Spuren sind unhörbar geworden.

Jetzt ist es zwanzig Jahre her, dass mit der Digitalisierung der Telekommunikation an breiter Front begonnen worden ist. Heute scheit es, als wäre es gerade erst gestern gewesen, dass damit begonnen worden wäre.

Aber auch darüber nachzusinenn bleibt nicht viel Zeit.
Es mussten noch Anträge geschrieben, Angebote gefertigt, Anwälte befragt und Angehörige versorgt werden.

Auch liegt das leidige Thema der Altersversorgung immer noch auf dem Tisch - und muss vor Ende des Jahres bearbeitet sein, wenn man noch eine Mindestverzinsung seiner Einlagen von 2,75 anstatt 2,25% ab 2007 gewährleistet bekommen haben will.

Ein Thema, das echtes Bauchgrimmen verursacht. Einst mit der Zusage des Staates die Berufspraxis nochmals durch ein langes Studium unterbrochen, dass die gesamte Zeit der Ausbildung für die Alterssicherung in Anrechnung gebracht werden würde, klafft stattdessen heute an dieser Zeitschwelle ein riesiges Loch.

Dieses solle nunmehr aus eigener Tasche aufgefüllt werden, so der Tenor heute, denn die Modellrechnung lässt einem sehr schnell Klarheit drüber gewinnen, dass die zu erwartenden Zahlungen zum Zeitpunkt der Pensionieren - wovon denn eigentlich [sic?] - "zum Sterben zuviel und zum Leben zuwenig".

Diejenigen allerdings, die im politischen Umfeld diese Verschlimmbesserungen beschlossen haben, sind inzwischen allesamt mit ausreichen Pensionsbezügen bzw. -Anwartschaften darauf versorgt worden. Während wir, die wir so gerne als die "geistige Elite der Nation" zum Besten ausgelobt werden uns für all diesen "interlektuellen Ballast" heute noch weniger kaufen können als je zuvor.

In der Süddeutschen wurde zwischen den Jahren eine kleine "Ahnengalerie" von noch lebenden Politikern geschaltet, die sich nach ihrer Zeit im Parlament nicht zur Ruhe gesetzt, sondern "noch was aus ihrem Leben gemacht" haben - auch finanziell.

Aus dieser wird wie folgt und hier in alphabetischer Reihenfolge zitiert [1]:

Friedrich Bohl, der letzte CDU-Kanzleramtsminister unter Helmut Kohl, [wurde] kurz nach seinem Ausscheiden 1998 für ein sechsstelliges Honorar Vorstandsmitglied einer großen Vermögensberatungsfirma. Ab Dezember 1998 zunächst Generalbevollmächtigter, später Vorstand bei der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG).

Wolfgang Clement, SPD, bis November 2005 Wirtschaftsminister. Seit Dezember 2005 sitzt Clement im Aufsichtsrat des Dienstleistungskonzerns Dussmann. Im Februar berief ihn der Essener Stromkonzern RWE Power in seinen Aufsichtsrat. Zugleich arbeitet Clement nun als Berater der US-Bank Citigroup.

Sigmar Mosdorf, Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Im Jahr 2002 verabschiedete er sich auf einem offiziellen Briefbogen des Wirtschaftsministeriums von Firmenvertretern - und wies sie gleich auf seinen neuen Job bei einem Unternehmensberater hin.

Dr. Werner Müller, parteiloser Wirtschaftsminister von 1998 bis Oktober 2002, ist im Juni 2003 Vorstandsvorsitzender der RAG geworden.

Rezzo Schlauch, parlamentarischer Staatssekretär für den Mittelstand im Wirtschaftsministerium. Nicht ganz so parteitreu war sein Berufswechsel zum Partner der CSU-nahen Anwaltskanzlei Mayer & Kambli in München und der Posten als Beirat beim Stromversorger EnBW - einem überzeugten Kernkraftwerksbetreiber.

Gerhard Schröder, Bundeskanzler bis zur selbstgewählten Abwahl in 2005, u.a.: Aufsichtsratsvorsitzender des deutsch-russischen Gaskonsortiums Nord Stream (früher NEGP), das eine Pipeline durch die Ostsee bauen wird. Dafür bekommt Gerhard Schröder eine "Aufwandsentschädigung" von 250.000 Euro jährlich. Das Milliardengeschäft war kurz vor der Bundestagswahl im vergangenen Jahr unter seiner Kanzlerschaft vereinbart worden.

Alfred Tacke, ehemals Staatssekretär von Werner Müller, ist seit Ende 2004 Vorstandsvorsitzender des Stromversorgungsunternehmens STEAG - einer 100-prozentigen Tochter der RAG Aktiengesellschaft, deren Vorstandschef Werner Müller heißt. An der RAG ist unter anderen E.ON beteiligt. E.ON wiederrum durfte 2004 mit Ruhrgas fusionieren - mit Ministererlaubnis des Wirtschaftsministeriums, erteilt von Staatssekretär Tacke in Vertretung von Minister Clement.

Otto Wiesheu, von 1993 bis 2005 Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie. Im Herbst verhandelte Wiesheu für die CSU die Verkehrspolitik der Großen Koalition, heute ist er Vorstand der Bahn.

[1Die Verlinkungen gehen auf eigene Recherchen zurück. WS.