Buchen statt Bloggen

Warum gibt es eigentlich noch kein "Bahn-Blog" - oder haben wir da was übersehen? [1]

Es gäbe sicherlich gerade in einer Woche wie dieser Tonnen von Texten, in denen sich nicht nur - und zu Recht - die Bahnkunden über das unmögliche Informationsmagement der Deutschen Bahn zu beschweren allen Grund habe, sondern in denen auch die Angestellten und Beamten der DB sich über alle die Unbill beklagen könnten, die ihnen in dieser Zeit widerfahren ist.

Bei aller engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Haus beisst die Maus der Wahrheit keinen Faden ab: und das was in diesem Tage hier stattgefunden hat ist nicht nur Ausdruck einer persönlichen Überforderung vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern auch des Systems.

Die Menschen die - wie es in einer von den vielen bahnunfreundlichen Reportagen hiess - nur noch hilflos mit ihren Fahrplanbüchern herumfuchtelten, waren ebenso unfähig, noch irgendeine zutreffenden Aussage zu machen, wie die Anzeigetafeln, die (wie in Berlin) nur noch bei der Einfahrt eines Ersatzzuges vor durchfahrenden Zügen warnten oder (wie in München) gleich ganz ausgeschaltet worden sind.

Dass dann dem neuen Berliner Bahnhof auch noch gleich der erste Zacken aus der Krone gefallen ist, ist eigentlich nur noch die unfreiwillige symbolische Lakmusprobe auf das Exempel, dass auch eine Investition in Milliardenhöhe keine Garantie gegen Pfusch ist.

PS.

Aus der Praxis der Autors ist diesen allgemeinen Reflektionen nur folgender Bericht vom Freitabend am 1.Klasse-"comfort"-Bahnschalter am Bahnhof Zoo hinzuzufügen.

Aufgabe: Die Buchung von drei Reservierungen für eine Reise von Berlin nach München und über Hamburg zurück nach Berlin:
- Wider erwarten konnte für die Nachtverbindung von Berlin nach München vom Sonnabend auf Sonntag noch ein Schlafplatz reserviert werden.
- Aber als die Reservierung ausgedruckt worden war, stimmte das Datum nicht.
- Auch war es unproblematisch, eine Reservierung für die Rückfahrt von Hamburg nach Berlin am Mittwochabend zu erhalten.
- Aber in der ausgestellten Reservierung stimmte die Klasse nicht.
- Es war kein Problem, um einen Reisekostenbeleg für diese Strecke zu bitten: ein Beleg kostet zur Zeit 7 Euro und 50 Eurocent.
- Aber um einen Beleg für die gewünschte Strecke zu erhalten wäre es notwendig gewesen, drei solche Belege zu kaufen: einen von Berlin nach München, einen für die Strecke von München nach Hamburg und einen für die Strecke von Hamburg nach Berlin: Kostenpunkt: 22.50 Euro.
- Es war kein Problem, sich auf einen "Kompromiss" zu einigen: ein Beleg für die Strecke von Berlin nach München und Retour und ein Beleg für die Strecke von Berlin nach Hamburg und retour.
- Aber die genannten Preise stimmten nicht: es waren die der zweiten und nicht die der ersten Klasse.
- Es war kein Problem, diese zwei Belege auch zu erhalten: Kostenpunkt 15. Euro.
- Aber, als die Belege ausgestellt waren, stimmten zwar die Preise, aber die Angabe der Klasse auf diesen Belegen war immer noch die falsche - und wurde danach "eigenhändig" und mit bestätigendem Stempel geändert.

Was folgt daraus: jemand, der am Ende seines Arbeitstages so danieder ist wie hier erlebt, muss offensichtlich im Verlauf desselben mehr als genug eingesteckt haben, damit es zu einer solchen schier unglaublichen Summe von Fehlern und Fehlleistungen kommt.

Vielleicht wäre es wirklich gut, auf allen Buchungssystemen für die MitarbeiterInnen eine Bloggertaste einzurichten, um ihnen die Möglichkeit zu geben vermittels der Tastatur "Dampf abzulassen". [2]

[1Ja! Hier als pars pro toto:
- der DB_Blog im Helgoländer Vorboten
- den S-Bahn Blog aus München
- den Bahnblog mit Neuem aus der Welt der Deutschen Bahn.

Und dann auch hier als pars pro toto: Die Unzahl von Er-fahrungs-berichten, wie diesem von Ute Kulando vom 19. Dezember 2006: Ich bin ein Mensch 2. Klasse.

[2Das wäre auf jeden Fall noch empfehlenswerter als eine Hotline: telefonierende MitarbeiterInnen an den Schaltern können sich schliesslich nicht den Kunden zuwenden. Und wenn ihre Leitungen auch so durchgehend besetzt gewesen wären wie die der Kundentelefone in diesen Tagen, dann wäre man auf beiden Seiten des Schalters zu zornig gewesen, als dass sich noch irgendein Dialog hätte entwickeln können.