Freunde fliegen in Berlin ein

Am Flughafen Tegel werden sie abgeholt. Der Flughafen liegt noch inmitten der Stadt. Er ist klein und doch gross genug, dass alle internationalen Flüge dort landen können. Vom Gate 14 zum Pkw sind es nur wenige Schritte. Und schon nach kurzer Zeit rollt der Wagen im 30er Tempo aus dem Betonareal über den Landwehrkanal und an vielen Bäumen vorbei.

Bäume sind ein wichtiges Thema. Es sei erstaunlich, wie viel es davon gäbe, und das nicht nur an der Peripherie der Stadt sonder auch mittendrin. Und so viel Wasser. Nein, so hätte sie sich diese Stadt wahrlich nicht vorgestellt, sagt die Frau, die mit dem heutigen Tag erstmals überhaupt ihren Fuss auf hiesigen Boden gesetzt hat.

Auf der Zufahrt zur Stadtautobahn stauen sich die Wagen - das ist ja wie in Paris, heisst es - und wir nehmen gleich die erst Ausfahrt zum Jakob Kaiser Platz. Dieser CDU-Mann war vor einem halben Jahrhundert für die gesamtdeutsche Frgen zuständig und einer der potenziellen Befürworter der am 10.März 1952 den Westmächten überreichten Stalin-Note zur Schaffung eines wiedervereinigten neutralen Deutschlands. [1]

Inzwischen ist die Fahrt schon über drei Brücken verlaufen: über den Hohenzollernkanal, vorbei am Volkspark Jungfernheide („oh wie schön, hier liegt ja gar keine Müll herum“), über den Westhafenkanal und dann entlang der Spree und dem Charlottenburger Schlossgarten über die Schlossbrücke und das Staunen will kein Ende nehmen.

Schliesslich führt der Weg am Schloss-Eingang vorbei, an der Gemäldesammlung Berggrün, an der dort ehemals ausgestellten ägyptischen Sammlung, die Schloss-Strasse hinunter und dann die Verlängerung des Kaiserdamms, die Bismarckstrasse entlang - bis in die Goethestrasse.

Dort findet sich ein koscheres Lebensmittelgeschäft in dem französisch gesprochen und der Homus frisch zubereitet wird - und weiter geht der Weg über den Landwehrkanal bis zum Café am Neuen See, wo bei Bestellung von Getränken und einer eigenen Essens-Portion den Gästen gestattet wird, auch ihr eigenes Essen zu sich zu nehmen.

Was immer der neue Flughafen im Süden Berlins an potenziellen Vorteilen mit sich bringen mag: Eine nach wie vor so beeindruckende Einreise in diese Stadt, die sich unmittelbar nach der Ankunft so von ihrer besten Seite darzustellen vermag, wird es dann nicht mehr geben.

[1"Niemand wird in Abrede stellen können, dass es sich bei den Vorschlägen der Sowjetunion für einen Friedensvertrag mit Deutschland um ein gewichtiges politisches Ereignis der letzten Monate handelt. Das muss auch bei vorsichtigster politischer Zurückhaltung dem Inhalt und der Absicht der Note gegenüber anerkannt werden."
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in Otto Langels Kalenderblatt des Deutschlandfunks vom 10. März 2007