TXL - MUC - LAX




Was fuer eine Transformation

Heraus aus der Welt, in der das Englische wie ein Easy-Care-Packet landauf landab durch die veroedenden deutschsprachige Kommunikationslandschaft geschleift und an jedem Info-Point, an jedem Back-Shop und mit jeder Happy-Digits-Karte alltaeglich zu neuer Geltung gebracht wird. Und aufgebrochen zu einer Reise hinein in eine Welt, in der das Englische als Schmelztiegel der Emigration eine neue nationale Identitaet begruendete - und heute in einem oft eher erbaermlichen Zustand in den Dienstleistungsbereichen des öffentlichen Lebens zum Einsatz gebracht wird.

Im Flieger von München nach Los Angeles

Der Antrag zur Einreise in die USA ist auszufüllen. Auf den inzwischen sehr gut gemachten Info-Filmen wird den Reisenden erklärt, dass sie auf ihren Papieren die Sieben ohne Querstrich, die Eins ohne Aufstrich und die Umlaute ohne Pünktchen, also als „Puenktchen“ zu schreiben haben [1]

Was einem aber nicht erklärt wird und alsbald Gegenstand eines angeregten Gesprächs mit einem in Kalifornien gebürtigen US-Staatsbürger wurde ist die Frage, wie man in Zweifelsfällen mit der Art der Fragen in diesen Fragbögen umzugehen habe. Wie etwa hat man mit Fragen umzugehen, die einen nicht betreffen oder die für einen nicht zutreffen.

Also, da man kein US-Staatsbürger ist, werden bestimmte Angaben nicht gemacht – und man lässt das Feld frei, oder? Aber wenn man angeben soll, mit wie vielen Familienmitgliedern man auf dem Wege sei, dann ist das entsprechenden Feld doch wohl auszustreichen – oder?

Und wie verhält es sich mit den Angaben zu den Waren, die man in den USA zum Verbleib lassen will. Gibt man diese wirklich alle an, jedes Geschenk einzeln mit seinem entsprechenden Einkaufspreis in Euro? In den Vordrucken sind die Fragen klar gestellt und es sollte daher auch kein Vertun gegen, sie entsprechend zu beantworten, oder?

Der mitreisende US-Bürger sieht das anders: wir gegen so wenig an, als notwendig ist „The less is more“ sagt er mit einem leisen Lachen. Wenn die andere Seite mehr wissen will, kann sie ja nochmals nachfragen. Und es obliegt ihrer Seite, zunächst wiederum nachzufragen, warum denn diese Nachfrage nötig sein. Alles in einem ausgesprochen freundlichen Ton natürlich. „Und wenn man Ihnen dann wirklich begründen will und kann, warum man dieses so frage, dann antworten Sie daraufhin auch ganz gelassen.“

Am Einwanderungsschalter in Los Angeles

Dort verläuft alles schnell und zügig. Die ankommenden Gäste werden ihrer Staatszugehörigkeit entsprechend in verschiedene Gruppen und Warteschlangen aufgeteilt. Und denjenigen, die sich überhaupt nicht in der Lage sahen, die Papiere auszufüllen – wie in dem selbst erlebten Beispiel einer alte Japanerin aus der gleichen Reihe die offenkundig des Englischen nicht mächtig war – denen wurde durch eine Mitarbeiterin der Behörde geholfen.

Wichtig nur war es, abwarten zu können. In auf dem Warteplatz hinter dem eigenen stand eine in sehr geschmackvollen blauen Farben gekleidete Französin, die beim Betrachten der Szenerie immer wieder glaubte anmerken zu müssen, dass es Zeit sei die rote Linie zu übertreten und sich einem der Mitarbeiter der Behörde an einem ihren Kontrollplätzen zu nähern. Dieses ohne Aufforderung nicht tuend, trug das deutliche Missfallen dieser Dame mit sich, bis sie dann erkennen musste, dass diejenigen Diensthabenden, die keinen neuen „Visitor“ durch ihren Blick zu sich gerufen hatten, dieses aus einem für sie gutem Grunde getan hatten: der eine machte Pause (oder hatte Dienstschluss) der andere begab sich auf dem Weg zu einem Kollegen, der in der Lage war, die Japanerin in ihrer Landessprache zu befragen.

Als das Interview mit dieser alten Dame abgeschlossen war, war es dann auch gut so, als man als die nächste Person von ihm aufgerufen wurde. Und er fragt bei Betrachten der Einreiseunterlagen, was für einen Doktor man denn gemacht habe. „So, so…“ murmelt er vor sich selbst hin, „Philosophie – sie sind also kein Arzt, sondern sie haben einen Kopf zum denken. Das ist gut. So was brauchen wir hier.“

Bei der nächsten Kontrolle wurden die Unterlagen für die Zollerklärungen abgegeben. Auf die eigene beim Hinhalten aller angesammelten Papiere und Dokumente gestellte Frage „What do you need?“ kam ohne weitere Einsichtnahme in die zugereichten Unterlagen die Antwort: „ I need a Doctor, and a Psychotherapist, and a …” – als schon wir beide, Kontrolleur und Kandidat der Kontrolle, in fast unangemessen lautes Gelächter ausbrachen. Und mit einem aufmunternden Blick wurde dem Manne aus dem Land der Dichter und Denker der Durchgang in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten gewährt.

PS: München und die Folgen

In der mittleren Sitzreihe hatte kurz vor Abflug in München noch eine Frau mit ihren insgesamt drei Kindern Platz genommen. Der ganz Kleine hatte ein Minibettchen, das auf der Wand vor ihr eingehängt werden konnte, die anderen beiden Kinder hatten je einen Platz. Der letzte Platz in dieser Reihe blieb frei… auch noch als der metallene Riesenvogel abgehoben hatte.

Es stellte sich heraus, dass der deutsche Zoll dem Vater der Kinder die Reise in die USA zunächst verweigert hatte – aus Gründen, die hier nicht weiter bekannt sind oder nachvollzogen werden können. Und dass man ihm schliesslich – sprichwörtlich vor der Nase – die Tür am Transportfinger zum Flieger verschlossen hatte. Ein missliche Lage, in der sich nicht nur die Familie befand, sondern alsbald auch das ganze Flugzeug.

Wenige Zeit, nachdem die ersten Attraktionen (kleine Geschenke von der Crew für die Kinder, das Mittagessen usw.) ihren Reiz verloren hatten, begann ein unendlich lautes und lang währendes Schreien und Toben der Kleinen, besonders des mittleren von den Dreien. Die plötzliche Abwesenheit des Vaters schien geradezu panische Ängste und Proteste ausgelöst zu haben. Der Ruf nach dem Papa konnte durch die ganze Maschine vernommen werden. An Schlafen war nicht zu denken. Bis dass der Junge irgendwann erschöpft zusammenbrach. Als er wieder erwachte, ging das Ganze wieder von vorne los…

[1Was für die Redaktion dieses Textes gerade wieder umgestellt wurde.