Gespräche am Brückentag

Dieser Montag, der 30. April ist der Vortag des 1. Mai 2007. Ein sogenannter Brückentag. Er verbindet die Feiertage des Sonntags mit dem des Dienstags, dem „Tag der Arbeit“ [1].

Im eigenen Kunden und Bekanntenkreis sind die Entscheidungträger dennoch fast alle anwesend, während ihre Büros mehr oder weniger ausgestorben erscheinen.

Ein solcher Tag – wenn er denn nicht selber mit Urlaubsabsichten verbunden werden kann – eignet sich daher besonders gut für Hintergrunds- und Strategiegesrpäche.

Die erste dieser Personen ist derzeit auf Dienstreise und der Dialog findet von Rechner zu Rechner mittels elektronischer Post statt. Und auch wenn das Experiment der Reise „In 60 Tagen um die Welt“ gezeigt hat, an wie vielen Stellen dieser Erde das Internet eben noch keine Rolle spielt, so können dochdie meisten der grossen Flughäfen und Hotels heute ein solches Angebot vorhalten – wenn auch teilweise zu nicht unerheblichen Kosten.

Die zweite Person wird persönlich in Ihrem Büro aufgesucht. Auch hier ist der Brückentag und der Verbleib trotz desselben Eingangs Gegenstand des Gesprächs. Aber dann kommen wir schnell zur Sache und es gibt eine sehr konzentrierte und offene Unterredung von einer guten Stunde Dauer. Es gibt zwischenzeit auch Zeit zum Nachdenken und Anlässen für lautes Gelächter. Die Fragen sind schwierig, die Antworten ehrlich, die Atmosphäre ist dennoch entspannt. „Es ist, wie wenn der (heimliche) Dirigent nach einem erfolgreichen Konzert zurückgekehrt ist.“ – der Eindruck meines Gesprächspartners ist zutreffend. Nachdem in den letzten Wochen und Monaten selbst das Unmögliche möglich gemacht werden konnte, sind die jetzt anstehenden zu besprechenden Aufgaben und Fragestellungen dagegen ein leichtes.

Auch das dritte Gespräch findet auf einer Chefetage statt. Es ist eine Begegnung ohne Agenda. Wesentliche dringliche Fragen waren bereits gleich nach der Rückkehr nach Berlin angegangen und gemeinschaftlich gelöst oder aber zumindest für ihre Bewältigung aufgeschlüsselt worden. Jetzt kommt es zu der Luxusvariante, dass man sich gegenseitig Zeit einräumt, um den weiteren drängenden Fragen nachzuspüren, die ebenfalls einer Bearbeitung harren, aber bislang durch dringende aktuelle Geschäfte keine Chance hatten bis an die Oberläche eines Gespräches zu dringen. Plötzlich stehen sie vor einem, die noch zu lösenden Aufgaben. Sie stellen sich ganz unmittelbar und fast spontan – und es glingt auch in diesem Fall alsbald die Schlüssel zu finden, um auch diese Aufgabenstellungen richtig einordnen und einer Lösung zuführen zu können.

Am vollmondbeschienen Abend dieses sonnenhellen Tages war Wesentliches geleistet worden. In aller Ruhe, mit Einsicht und Weitsicht; ohne Druck wurden viele drängenden Fragen in Angriff genommen und in vielen Fällen auch aufgelöst oder beantwortet.

Die Einladung des Berliner Zoos zur Walpurgisnacht
 [2] bleibt daher den Berlinern und Gästen der Stadt vorbehalten, die sich ein Vergnügen daraus machen, alten Geheimnissen im neuen Stil wiederbegegnen zu können.

Wir waren dagegen schon am helllichten Tag genug der in den Fragestellungen verborgenen "Geheimnissen" auf die Spur gekommen, ganz ohne Hexenwerk und Zaubertrunk, sondern im gemeinsamen Gespräch: am Rechner, bei Kaffee und Tee.

Und das war gut so.

[2Liebe Leute traut Euch rein,
zu Drachenkelch und Spinnenbein.
Feuriges zu später Stund,
Würziges für Euren Mund.
Zauberei und Teufelsschrei,
nicht verpassen, seid dabei
!