Bye-Bye (in) Lisboa

Fast wäre die Rückreise aus Lissabon heute geplatzt. Als am Morgen vor der Wohnung der Wagen beladen werden sollte, war dieser nicht mehr da. Dabei war er ordnungsgemäß auf einem markierten Parkplatz am frühen Vorabend des vorangegangenen Tages abgestellt, verschlossen und abgeschlossen worden. Sogar die Frontkappe das LG-Autoradios war entfernt und im Handschuhfach eingeschlossen worden. Stattdessen stand auf „unserem“ Platz ein grosser Volvo-Kombi.

Zurück ins Haus zur Concierge und die Polizei gerufen. Und als der Besitzer des Volvos seinen Wagen wegfährt, beantwortet er gerne die Frage, wann er seinen Wagen auf dem für ihn freien Parkplatz abgestellt hatte. Aber er sagt noch mehr, nämlich dass die Wagen rigoros abgeschleppt werden würden, wenn in ihnen kein Anwohner- oder Parkticket eingelegt worden sein.

Offenbar eine neue Regelung, die während des vorangegangenen Aufenthalts noch keine Gültigkeit gehabt hatte. Offensichtlich aber schützt auch hier Unwissenheit vor Strafe nicht und so wurde die angerufene Polizei – Dein Freund und Helfer – als sie schliesslich in Gestalt eines Beamten anrückte, zu Deinem Fahrzeughalter und dem finanzgewaltigen Hilfssheriff.

In der Tat: man hatte den Wagen wegen des fehlenden Tickets ohne weitere Benachrichtigung des Halters und ohne weitere Wartezeit ruck zuck auf den Schlepper geladen und war mit diesem in eine eigens dafür eingerichtete kommunale Garage gefahren, hatte den Wagen dort auf einem der überdachten Parkplätze wieder vom Schlepper gewuchtet und dort – kaum zu glauben aber amtlich – mit einer gelben Reifenkralle versehen.

Alles das konnte man jetzt nach und nach erfahren und erleben – wenn nicht die Zeit bis zum Start des Fliegers immer kürzer geworden wäre – und die auszufüllenden Papiere immer länger und länger. Schliesslich wurden wir von dem Gendarmen an drei Männer in in einer mit EDV hochgerüsteten Pförtnerloge übergeben. Diese machten sich daran, nach und nach die eigenen auf Verlangen vorgelegten Papiere zu überprüfen und mehr und mehr Daten aus diesen in die Eigenen zu übertragen. Zu guter Letzt waren alle Drei damit beschäftigt, jeder ein eigenes weiteres Papier auszufüllen und – um sich zu beeilen – Stück für Stück voneinander abzuschreiben.

Alle alles ausgefüllt, unterschrieben und in den mehrfachen Ausfertigungen in die unterschiedlichsten Mappen und Umschläge verbracht worden war, wurde schliesslich auch das Geld für die Strafe und den Transport des Wagens kassiert, quittiert und ein weiteres Dokument ausgehändigt. Danach dann der Gang zum Wagen, mit gleich zwei Wagenschlüsseln, die zum Abschluss dieser Aktion gebraucht wurden. Die einen, um den Wagen auszuschliessen und zu starten, die anderen, um die gelben Feststellkrallen von dem Rad zu lösen.

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt – im Stopp- & Go-Verkehr über die Schnellstrassen Richtung Flughafen vorangestolpert – und letztendlich doch noch rechtzeitig mit Mühe und Not bei der Verleihstation angekommen (wo der Wagen schon als gestohlen telefonisch angezeigt worden war).

Der Flughafen ist Gott sei Dank übersichtlich und die Leute dort sind freundlich und zuvorkommend. Dabei bestehen sie bei der Verrichtung ihrer Aufgaben durchaus aus das, was notwendig ist und von ihnen verlangt wird – und doch hat man keinen Moment den Eindruck, dass man hier schikaniert oder drangsaliert werden soll. Schliesslich gibt es auf der Warteposition A neben dem Gate 16 sogar eine Steckdose – und während der noch verbleibenden kurzen Wartezeit kann bereits der Beginn dieser Geschichte geschrieben werden – die dann im Airbus A319 auf dem Sitzplatz 1 F am Fenster rechts unbeschadet jeglicher weiterer Turbulenzen fertiggestellt werden kann.

Und so wird dann zum Ende doch noch alles gut – und etwas teurer als vorhergesehen.


Nachtrag:

Eigentlich bestand zu Beginn dieses Tages die Absicht, an diesem letzten Tag eine besondere Geschichte in Erinnerung an jene Toten zu schreiben, die früher hier in Portugal zu unseren Freunden und Bekannten gehört hatten und heute immer noch mit uns leben – und das nicht nur an dem Moment, wo wir ihnen glauben, an ihrem Grab besonders nahe zu sein. Eigentlich sind wir uns in einem solchen Moment der Trauer selber besonders nah und den Freunden, die wir begleiten und die uns in diesem Moment besonders Nahe stehen. Wir trauern gemeinsam und erleben uns dabei, dass wir noch leben können – und sollen: Obrigado Antonio.