Die DB sei nicht die DB: Das ist die DB

Auf dem Empfang der Deutschen Telekom Mitte der Woche gab es einen Live-Kommentar zu "DaybyDay" der da in etwa lautete: das sei die Seite, auf der auch immer wieder was über die Deutsche Bahn zu lesen sei.

Ja, es stimmt: Als Viel-Bahn-Reisender gibt es immer wieder was zu erzählen. Und zwar nicht nur über die Reise, sondern auch die jeweiligen besonderen Umstände der Reise.

Heute, am Sonnabend den 27. Oktober 2007, geht es um das Ende einer Dienstreise mit dem Nachtzug NZ 1400, Wagen 29, Platz 51.

Beim Verlassen des Zuges am Bahnhof Berlin-Zoo um 7:35 Uhr wurde unter der Liege eine mit den Namen "London" gekennzeichnete Plastiktüte zurückgelassen. In dieser befindet sich ein bruchempfindliches in Augsburg erworbenes Gastgeschenk, auf dem an der Aussenseite eine historische Jahreszahl aus dem 16. Jahrhundert eingetragen ist.

Der Verlust wurde erst beim Verlassen der S-Bahn am Bahnhof Berlin-Charlottenburg bemerkt. Die Bitte bei der Aufsicht dort um eine telefonische Kontaktaufnahme mit dem Endbahnhof des Nacht-Zuges in Lichtenberg zur Sicherstellung der Fundsache wurde abgelehnt. Die weibliche Stimme einer Person, die sich weder persönlich in Augenschein bringen noch namentlich melden wollte, teilt lediglich mit, die S-Bahn habe mit der Deutschen Bahn nichts zu tun. [1]

Also gleich ab ins Büro und von dort aus versucht, einen telefonischen Kontakt mit dem Bahnhof in Berlin-Lichtenberg aufzunehmen.

In den "Städteverbindungen Berlin" ist aber für diesen Standort lediglich eine Service Nummer für den Kauf von Fahrkarten zum Preis von 3 EuroCent pro Sekunde (sic!) angegeben.

Und bei der preisgünstigeren DB-Nachtzug-Hotline kann man auf die fernmündliche Anfrage hin auch keine weiteren Schritte vorschlagen.

Und bei der Rufnummernauskunft der Deutschen Bahn weiss man auch nicht weiter: Nein, es gäbe keinerlei direkte Möglichkeit, "von aussen" dort in Lichtenberg anrufen zu können. Die einzige Möglichkeit sei die Fundservice Hotline der Deutschen Bahn (in Frankfurt!), die zum Preis von 59 EuroCent die Minute erreicht werden könne.

Und der Anruf dort hat das ebenfalls bereits erwartete Ergebnis zur Folge: Nein, man könne nur den Verlust aufnehmen und abwarten, was passiert. Sich von dort aus irgendwo direkt bei einem der Bahnhöfe einzuwählen sei ihnen nicht möglich [sic!].

Und was ist jetzt zu tun?

Es wird der erteilte Rat befolgt und hiermit - und zwar öffentlich - dieses FAX an die Nummer des zentralen Fundbüros in Frankfurt, an die 069-26521387 geschickt und mitgeteilt, dass für den Fall der Sicherung des Gegenstandes und seines verderblichen Inhalts dieses bitte alsbald unter der FAX Nummer 030-46200666 mitgeteilt werden möge.

Und jetzt gilt es abzuwarten - und zum Frühstück erst einmal einen Tee zu trinken.

WS.


Nachtrag vom Montag, den 29.10.2007: Um 14:38 erreicht unser Büro die folgende eMail-Nachricht von "fundbuero.dbag@bahn.de" mit dem Betreff: "Ihre Verlustmeldungsnummer 1437277 ID[|#1695324880#1749089#5c90177#|] ":

[...] hiermit bestätigen wir Ihre Meldung über den Verlust eines Gegenstandes aus der Gruppe Plastiktaschen im Bereich der Deutschen Bahn AG. Ihren Nachforschungsauftrag haben wir entgegengenommen und unter der Verlustmeldungsnummer 1437277 registriert.

Die Auswertung hat ergeben, dass sich der Gegenstand bis heute nicht in unserem Besitz befindet.

Unter der Telefonnummer der FundService-Hotline 0900 1 990599 (0,59 €/min aus dem deutschen Festnetz) helfen Ihnen kompetente Ansprechpartner bei der Suche. Bitte rufen Sie dort unter Angabe der Verlustmeldungsnummer an.

Nach Ablauf von 4 Wochen nach dem angegebenen Verlusttag werden die Nachforschungen ohne weitere Benachrichtigung des Auftraggebers eingestellt.

Bei Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich auch per E-Mail zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

[...]
DB Station & Service AG
Fundbüro der Deutschen Bahn

*** Fundservice-Hotline: 0900 1 990599 (0,59 €/Min) *** Mail: fundbuero.dbag@bahn.de *** www.bahn.de
Sitz der Gesellschaft: Berlin
Registergericht: Berlin-Charlottenburg, HRB 87 691
USt-IdNr.: DE 199861749
Vorstand: Wolf-Dieter Siebert (Vorsitzender), Bernd Koch, Rolf Reh, Jürgen Niemann
Vorsitzender des Aufsichtsrates: Stefan Garber

PS.

Diejenigen LeserInnen, die inzwischen erraten haben, was sich in dieser Plastiktüte befand, bestätigen allesamt, dass es wohl selbstredend sei, dass "sowas" unter solchen Bedingungen wohl kaum abgegeben würde: flüssiges Gold, wer würde sich das nicht selber gerne aneignen wollen.
Na, dann man "Prosit": "möge es nützen"!

[1"Wir sind eine Tochtergesellschaft der Bahn", wurde noch hinzugefügt.
Bravo: Und warum wurde dann die letzten Tage gestreikt? Warum ist man eine Familie, wenn es gegen die Kundeninteresse geht und voneinander geschieden, wenn es darum ginge, sich für den Kunden einzusetzen?
Allein, diese Frage wurde nicht gestellt, sondern vielmehr der weiblichen Stimme ein gutes Wochenende gewünscht (und der Unterton des heftigen Ärgers über jeglichen Mangel an Kooperationsbereitschaft wird die krächzende Fernsprechanlage wohl schon unterdrückt haben).