Alles muss raus

Aus dem Freitags"gebet" eines Agnostikers angesichts des Streits um die vom stellvertreter Gottes auf Erden im Vatikan in diesem Jahr wieder aufgenommene Karfreitagsfürbitte, in der Katholiken für die Erleuchtung der Juden beten:

Vorsorge ist besser als Fürsorge, denn sie ist vorsichtige Sorge für sich selbst.

Das schrecklichste am Tod ist für die Nachgeborenen oft nicht die Trauer um die oder den Toten, sondern das sich Kümmernmüssen um seinen Nachlass.

Und so wird dieser dann „entsorgt“ anstatt dort herauslesen zu können, was über den Tag hinaus wirkt.

Wen man heute wirklich etwas für seine Nachkommen tun kann, dann ist es zumindest eine vorsorgliche Nachlassverwaltung.

Es gibt allzu viele Schicksalsschläge, deren Folgen unabsehbar sind und nicht vorhersehbar.

Aber der Tod ist kein Schicksal, sondern eine Notwendigkeit des Lebens.

Der Tod ist sicherer noch als das Amen in der Kirche und das Geld auf der Bank.

Der Tod ist kein Versprecher Gottes sondern das wichtigste Versprechen des Lebens.

Er ist immer da – solange wir leben. Und daher ist unser Leben mehr als nur nicht tot zu sein: Es ist unser ein und alles.

Der Tod ist für uns da und wir für ihn: Er ist nicht der Weg, der das Ziel ist, sondern das Ziel, das zu erreichen wir den Weg nicht kennen. Oder ihn dennoch – frei-willig? – nehmen.

Der Tod ist Endstation des Lebens oder Tor zu etwas Anderem?
Erst wenn wir nicht mehr leben, werden wir es – und können es nicht mehr – wissen.

Und doch können wir davon Zeugnis ablegen: In dem, was wir schon zu Lebzeiten getan haben und gesagt, aufgeschrieben, gemalt und gefilmt, eingespielt, gesungen, gestanzt und getanzt.

Also: Alles muss raus.

Und alles Nichtssagende weg, das die Wahrnehmung dessen verhindert.

Dafür zu sorgen ist besser als jede Vorsorge.

Und nur so werden wir besser verstanden werden: Jetzt – und danach.