"Bammel" machen gilt nicht

Gewiss, wir haben also auch in diesem Punkt die Sache richtig vorhergesehen: nicht nur den Abtritt Becksteins sondern auch den "Durchmarsch" Seehofers. [1]

Was aber ausserhalb jeglicher Voraussicht war, dass der Mann erklären würde, dass er "Erstmals seit fast 40 Jahren in der CSU [...] vor einer Aufgabe [...] einen leichten Bammel" habe.

Ist es mutig und kaltblütig, so unerschrocken über sein Innenleben zu plaudern, ist diese Offenheit ein Zeichen für einen neuen politischen Stil, das damit in Szene gesetzt werden soll, oder ist es vielmehr eine geradezu waghalsige Privatheit, die da zur Schau gestellt wird?

Erwartet dieser Mann wirklich, dass die Medien sich schon so weit und so schnell verändert haben, dass sein Signal über die Kameras und Mikros nicht nur bei der Presse ankommt, sondern auch bei den Bürgern, die ihm darauf dann antworten und Mut zusprechen werden.

Während er vom Spiegel und Konsorten als "der neue starke Mann" apostrophiert wird, macht er sich selber - ganz bewusst? - klein und sagt weiter: "Auf mich wartet eine gigantische Aufgabe. Das kann ich nicht alleine schaffen. Da müssen alle in der Partei geschlossen mitarbeiten.“

Soweit sein Presse-Erklärung.

Am Wochenende zuvor war er aus Anlass des 20. Totestages noch zusammen mit den drei Kindern von Franz Josef Strauss, Monika, Max und Franz Georg, beim Beten auf der Messfeier in der Pfarrkirche in Rott am Inn (nahe Rosenheim) fotografiert worden.

Und jetzt ruft er nach der göttlichen auch die weltlichen Kräfte um Fürbitte an.

[1Siehe dazu den Beitrag vom 30. September 2008: Zehn Szenarien zur "Grossen Lage".