DJV-Verbandstag [III]

Die Zeit läuft – ab.

Drei Tage lang haben sich die Vertreter der deutschen Journalistenzunft zu ihrer jährlichen Hauptversammlung in Würzburg versammelt.

Zur Mitte des dritten Tages wird vom neuen Vorstand zu einer Pressekonferenz in einen Tagungsraum des Hotels Maritime eingeladen. Anwesend sind eine handvoll Journalisten.

Von den VertreterInnen aus der eigenen Branche, die schon zuvor zur Tagung eingereist waren, war niemand da, der/die Interesse gezeigt hätte. Soll man wirklich nochmals in komprimierter Form erfahren wollen, was von ihren dreitägigen Mühen denn nun öffentlich dargeboten werden soll.

Unverständlich – verständlich? Unverständlich, dass es offensichtlich niemand da ist, der sich diesem Thema zum Zwecke der Berichterstattung angenommen hat. Und auch verständlich, denn die Ergebnisse dieser 2 ½ Tage sind alles andere als ermutigend.

Sollte man die Aussagen dieser PK auf einen Satz zusammenfassen müssen, dann lautet der „Der Journalismus wird nur noch als Kostenfaktor gesehen und nicht mehr als Säule der weiteren demokratischen Entwicklung.“

Flash-back

Bei diesem Satz kommt eine der Diskussionen in einer der Fachgruppen in Erinnerung, in der um die Wortwahl im Rahmen einer Resolution gerungen wurde, bei deren Verlauf es um das Wort „Aggregatoren“ ging.

Selbst von den Anwesenden wussten sicher gut die Hälfte nicht, was mit diesem Begriff gemeint sei – geschweige denn, welche Gefährdungen von diesen „digitalen Kostprotzern“ für die zukünftige Sicherung der eigenen Arbeit ausgehen würden. Und so während der Sitzung - Dank Smartphone - die entsprechende Wikipdia-Seite zitiert.

Das Pfeifen im Blätter-Wald

Es ist erstaunlich – und bitter – mitzuerleben, wie geradezu verzweifelt die obersten Vertreter der Branche um die Rettung des Guten und Wahren bemühen: Qualität im Journalismus sei wichtig.
Und eine anständige Bezahlung für anständige Arbeit. Und dass eine immer deutlichere Abwanderung – auch von Journalismus-Studenten – in den PR-Bereich zu konstatieren sei.

So wird konsterniert berichtet. Und beteuert, dass man jetzt mit der neuen Zusammensetzung des Vorstandes auch neu darüber nachdenken wolle, wie man mit diesen Themen in die Öffentlichkeit gehen und auf diese Misere aufmerksam machen wolle.

Vielleicht ist es nicht fair, von einer Bankrotterklärung der Branche zu reden. Denn der gute Wille ist ja da und gute Ansätze sind auch zu verzeichnen – allein: gut wird damit aber nach wie vor gar nichts.

Es gab im Verlauf der PK - die aber wegen der Abfahrt des Zuges vorzeitig verlassen werden musste - keinen einzigen Punkt, an dem sich das dokumentierte Engagement als ein tragendes Element einer neuen Zukunft hätte erweisen können.

all rights reserved

Am Bahnhof angekommen, ist grosse Aufregung auf dem Bahnsteig. Der eingefahrene ICE kann seine Fahrt in Richtung Köln nicht fortsetzen. Alle Fahrgäste müssen aussteigen. Der nachfolgende Zug in Richtung Hamburg / Bremen trifft mit Verspätung ein. Und der an diesen anschliessende Zug in Göttingen hat eine noch weit grössere Verspätung, so dass er doch noch erreicht werden kann. [1]

Während der Wartezeit auf dem Bahnsteig wird die Symbolträchtigkeit dieser Erfahrung deutlich. Um noch sein Ziel erreichen zu wollen, muss man sich darauf verlassen, dass nach den schon erlittenen Verzögerungen die nachfolgenden noch so viel grösser sind, dass man doch noch alle Züge erreicht hat.

Einen solchen "Erfolg" kann man so lange noch als positiv auszuweisen versuchen, solange nicht nach den letztendlich gesteckten Zielen gefragt und die Zeit angemahnt wird, die man sich gesetzt hat, um diese auch erreichen zu wollen.

The best of

Ein grosses Kompliment, wie routiniert es dem epd-Kollegen am nächsten Tag gelingt, das auf dieser Pressekonferenz Vorgetragene in gut gesetzten Worten zusammenzufassen, in dem er die beiden Sprecher u.a. wie folgt zitiert:

— »Auch ein freier Journalist hat Anspruch auf
ordentliche Vergütung«, sagte der wiedergewählte DJV-Bundesvorsitzende Michael
Konken.
— « Der
Gesetzentwurf sieht vor, dass die sogenannte Beihilfe zum Geheimnisverrat straffrei
werden soll. »Wir wollen aber auch, dass die Anstiftung straffrei wird«, sagte Konken.
— Der DJV wolle zudem eine breite gesellschaftliche Debatte über den Wert des
Journalismus anstoßen, sagte DJV-Vize Ulrike Kaiser. Wenn nicht einmal die Mehrheit des
journalistischen Nachwuchses noch regelmäßig Tageszeitungen lese, geschweige denn
abonniert habe, dann seien das »sehr nachdenkenswerte Ergebnisse«.
— Zwei Drittel der Absolventen aus
Journalistik-Studiengängen gingen mittlerweile in die PR, weil dort wesentlich mehr
gezahlt werde. »Wer nichts bezahlt, bekommt keine guten Leute«, betonte Konken. Kaiser
beklagte außerdem die »Durchkommerzialisierung« der Medienlandschaft, Journalismus
sei in vielen Medienhäusern »zum reinen Kostenfaktor verkommen«.

Und dann gelingt es dem Kollegen auch noch in schlichten Worten den Umstand zu verpacken, dass sich die Mehrheit der anwesenden Verbandsvertreter für ein "ein Anreizsystem für private Fernsehanbieter" eingesetzt hätten, damit "die Anbieter
motiviert werden, ihren verfassungsrechtlich gebotenen gesellschaftspolitischen Beitrag
zu leisten, der insbesondere das Angebot von Nachrichten umfasst« - was nichts anderes heisst, als dass die Delegierten sich für die Zulassung von mehr Werbung bei den Privaten eingesetzt haben.

War da nicht noch kurz davor von den Beschwernissen einer "Durchkommerzialisierung" zu hören gewesen?

[1Dass der danach in Braunschweig vorgesehene Anschlusszug nach Potsdam nicht mehr erreicht werden konnte ist in diesem Zusammenhang nicht von Bedeutung, auch wenn es hier nicht um eine Heimfahrt sondern um die Anreise zu einer weitere dienstliche Unterredung ging, die dann erst mit einer knappen Stunden Verspätung so richtig ins Rollen kommen konnte...