"Yes, you can"

Da dieser Tag - als dritter Tag - in Kassel auf dem Treffen der Delegierten des Deutschen Journalistenverbandes keine Gelegenheit gibt, ausführlicher auf die Wiederwahl des 44. US-amerikanischen Präsidenten einzugehen [1], werden stattdessen die Kommentatoren der Tagespresse verlautbart, so wie sie im laufenden Tagesprogramm des Deutschlandfunks am Morgen des 8. November verlesen wurden:

FRANKFURTER RUNDSCHAU:

"Es gibt viele Gründe, weshalb die Wiederwahl von Barack Obama den USA und der Welt gut tun wird. Einen konnte man noch in der Wahlnacht erleben. Wenn es noch jemanden gibt, der das Pathos der amerikanischen Idee glaubwürdig und mitreißend formulieren kann, dann ist es dieser Präsident. ’The best is yet to come’, das Beste liegt noch vor uns. [2]

Die in diesem Satz liegende Überzeugung ist nicht nur der Kern des unbezwingbaren Optimismus, der das Land immer noch prägt. In ihm steckt eine Botschaft des schwarzen Präsidenten an das weiße, konservative Amerika. Nichts brauchen die so zerrissenen USA jetzt so sehr wie einen, der das Land an seine alten Ideale erinnert, der versöhnt"

MINDENER TAGEBLATT:

"Trotz Kopf-an-Kopf-Auftakt: Das Resultat der US- Präsidentschaftswahl fiel auch dank des Wahlmännersystems doch klarer aus als erwartet" [...] Obama verteidigte das Weiße Haus mit einem ansehnlichen Stimmenvorsprung. Das beweist: Der erste schwarze Präsident der USA ist mehr als eine aus einer Stimmungsaufwallung hervorgegangene Episode. An Charisma und Sendungsbewusstsein mangelt es Obama nicht; er ist und bleibt eine nicht nur seine Nation inspirierende Persönlichkeit"

SCHWÄBISCHE ZEITUNG:

"Allein die Fähigkeit, seinen Zuhörern eine Gänsehaut zu bescheren und allgemeine Werte wie Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden zu beschwören, machen noch keine gute Politik aus. Das hat Barack Obama in den vergangenen vier Jahren seiner ersten Amtszeit schmerzlich erfahren: In der Gesundheitspolitik oder beim Versuch, die Wirtschaft anzukurbeln, musste er mehr Energie zur Bekämpfung des politischen Gegners aufwenden als für das eigentliche Vorhaben. Barack Obama ist im Amte zögerlich und zaudernd geworden. Er hat sich nicht mehr getraut das zu tun, was er früher als richtig erachtet hatte. Dass ihm die Wähler jetzt eine zweite Amtszeit gewährt haben, hat darum auch weniger mit Obama als mit seinem Herausforderer Mitt Romney zu tun. Der galt auch in Wirtschaftskreisen als die schlechtere von zwei Möglichkeiten"

SCHWERINER VOLKSZEITUNG:

"Barack Obama hat seine zweite Amtszeit nicht den Erfolgen der ersten zu verdanken [...] Nicht Zufriedenheit, wohl aber Vorsicht und Sorge hat diesem Präsidenten den Wiedereinzug ins Weiße Haus ermöglicht. Seinem Konkurrenten Mitt Romney ist es nicht gelungen, den Wählern seine Botschaft der angeblichen Patentrezepte für einen einfachen, sicheren Aufschwung nahe zu bringen. Zu viele Amerikaner hatten das Gefühl, da redet ihnen einer die komplizierte Welt schön. Das war nicht glaubwürdig und deswegen auch fiel der Sieg Obamas hinreichend überzeugend aus"

STUTTGARTER ZEITUNG:

"Die Erwartungen an Obamas zweite Amtszeit sind gedämpft [...] Doch das kann für den wiedergewählten Präsidenten eine Chance sein. Auf ihm lastet nicht mehr der Druck messianischer Erwartungen. Fortschritte wird er aber nur machen, wenn er die Republikaner davon überzeugen kann, dass sie bei einer Kooperation mit ihm mehr zu gewinnen als zu verlieren haben."

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG:

"Im Repräsentantenhaus wurden die Republikaner in ihrer Mehrheit gestärkt - vor allem ihre nahezu reaktionären Elemente. Im Senat behalten die Demokraten die Oberhand.Repräsentantenhaus und Senat werden sich weiterhin gegenseitig blockieren. Der Präsident wird Kompromisse vermitteln müssen. Hier geht es nicht nur um jenen milden Antagonismus, der etwa zwischen dem rot-grünen und dem schwarz-gelben Lager in Deutschland herrscht. In Amerika weht der strenge Wind des Kulturkampfs durch die Politik. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich nach der Wahl und angesichts der horrenden Staatsverschuldung in Washington Rot und Blau nun zu einer Art großen Koalition zusammenfinden, ist gleich nulll"

DIE WELT:

"Für Amerika, aber auch für die Welt hängt viel davon ab, ob es gelingt, die Blockade aufzulösen [...] Wenn beide Seiten keinen Budget-Kompromiss finden, treten am 1. Januar 2013 einschneidende Haushaltskürzungen in Kraft, mit allen negativen Konsequenzen für die US-Wirtschaft. Das könnte der ohnehin schwächelnden Weltkonjunktur einen harten Schlag verpassen. Es gilt also nicht nur für die Republikaner, von verhärteten Positionen zu lassen. Auch Obama muss sich bewegen"

Die LANDESZEITUNG (Lüneburg):

"Es liegt nicht mal in der Macht des mächtigsten Mannes der Welt, die zersplitterten Staaten von Amerika zu einen. Er wäre sogar schlecht beraten, weiter zu versuchen, die Tea-Party-Betonköpfe der Republikaner mit Kompromissangeboten zu erweichen. Sinnvoller wäre es, diese schon bei den anstehenden Steuerverhandlungen vor sich herzutreiben, um den US-Wählern klar zu machen, wer für die politische Lähmung verantwortlich ist"

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG:

"Dem Land täte eine politische Mäßigung sehr gut, schon wegen der Aufgaben im Inneren und der äußeren Herausforderungen - der Konflikt über das iranische Atomprogramm ist nur der brisanteste; der Aufstieg Chinas die strategisch folgenreichste Entwicklung. Die Welt wird Obama gewiss nicht in Ruhe lassen; vielleicht wird sie von dem Träger des Friedensnobelpreises mehr verlangen als bestechende Rhetorik"

WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG:

"90 Prozent hierzulande haben Obama gewollt, er ist der Präsident der Deutschen. Man will ja die gute Laune nicht verderben, aber eben jener Obama hat die Wallstreet- Kapitalisten nicht gehindert, gegen den Euro zu wetten und er wird es auch künftig nicht tun. Früh setzte er sich für eine Vergemeinschaftung europäischer Schulden über Eurobonds ein - kaum eine Forderung ist in Deutschland unpopulärer. Und für Europa interessiert Obama sich kaum. Die Antwort auf weniger Amerika kann nur mehr Europa lauten"

NEUE WESTFÄLISCHE:

"Gut möglich gar, dass Mitt Romney viel europäischer aufgestellt war [...] Die Obama-Administration wird ihren Politik-Schwerpunkt eher auf den Pazifik-Raum und das Ringen mit China um die Vorherrschaft dort richten. Was Europa davon haben oder wie sehr es darunter leiden wird, ist eine der offenen Fragen. Für Deutschland mag darin sogar eine Chance liegen. Wenn die USA in ihrem atlantischen Rücken eine funktionierende EU brauchen - und das werden sie - dann könnte Deutschland dafür der Garant sein. Ein Zentrum, das die Staaten in der EU zusammen hält - und die EU als Ganzes an der Seite der USA. Das wäre eine gute Rolle für die Bundesrepublik"

NEUES DEUTSCHLAND:

"wann Obama endlich seiner Ehrung als Friedensnobelpreisträger gerecht werden will. Bleibt er der ’Schattenkrieger’, der mit dem massiven Ausbau und dem Einsatz seiner Drohnenflotte Völkerrecht verletzt? Greift er am Ende doch zur Gewalt, um das iranische Atomprogramm zu stoppen? Wo bleibt seine Initiative zur politischen Lösung für den Bürgerkrieg in Syrien? Schonung kann Obama in seiner zweiten Amtszeit nicht erwarten"

WESTFALENPOST:

"Obama steht für Kontinuität. Auch für ein ordentliches deutsch-amerikanisches Verhältnis, das im vergangenen Jahrzehnt oft strapaziert wurde. Kontinuität als Qualitätssiegel? Das entscheidet sich an den Brandherden dieser Welt. Dass Obama verstärkt den Schulterschluss sucht mit den Europäern, wird nicht der Dauerzustand sein. Allein die Finanzkrise ist diesbezüglich ein Problemfall. Mit einem US-Präsidenten in dessen zweiter und letzter Amtszeit verbindet sich die Hoffnung, dass er die Fesseln der taktischen Überlegungen ablegen kann. Barack Obama wird keinen Wahlkampf mehr zu führen haben, könnte also Pragmatismus durch visionäres Handeln ersetzen. Man möchte ihm zurufen: ’Yes, you can!’".


Nach all diesen Zitaten aus einer Mischung von Meinungen und Analysen zur Lage jenseits des grossen Teichs ergibt sich, dass sich all diese letztendlich tatsächlich in diesem hier am Schluss zitierten Zuruf "Yes, you can!" zusammenfassen lässt.

Die Wahlbürger haben von den 538 Wahlmänner (und -frauen) mehr als 270 damit beauftragt, ihre Stimme für den alten und damit neuen Präsidenten abzugeben. Vorläufiges Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl nach Anzahl der Wahlmänner 2012
Und sollte sich auch noch Florida die Mehrheit für die "Blauen" entschieden haben, dann wären das am Ende 332 zu 206 Stimmen.

Allein, im Verlauf der Debatten dieses Tages bleibt immer noch Zeit, zwischendurch das eine oder andere Bild mit diesem Spruch bei "Bing" herauszusuchen und ebenfalls hier als Zitat einzustellen.

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Und von den vielen Online-Aktionen, die auch in diesem Jahr zur Unterstützung der Kampagne genutzt worden, sei auf eine besonders hingewiesen, die sich auf das Thema des Big-Data-Mining bezieht - und da wahre Schätze gehoben hat. Wohlwissend, dass so was in Deutschland (noch?) nicht möglich wäre.

PS.

Im Nachgang zu diesem Ereignis, und als Ergebnis einer Mail an Freunde und Kollegen in den USA aus Anlass des Thanksgiving-Festes trifft am 26. November 2012 eine Mail von Perry B. Newman ein, in der er auf seinen am gleichen Tag um 9:20 Uhr publizierten Artikel im FORECASTER aufmerksam macht, den er unter den Titel: "Global Matters: Dysfunction is all in the (American) family" gestellt hat.

Was in seinem individuellen Anschreiben das Besondere - und doch eigentlich Selbstverständliche - ist, das ist der Satz:
"As always, thanks for taking the time to read."

[1Dessen wichtigste twitter-Nachricht lautete: Four more years.
Gefolgt von der instagram-Foto-Nachricht: Thank you.

[2Hier der Link auf den gleichnamigen Song von Carolyn Leigh (Text) und Cy Coleman (Musik).