T4-Entwürfe in der Topographie des Terrors

Für heute, 18 Uhr ist in die Räume der Topograhpie des Terrors eingeladen worden.

Dort werden ab morgen, den 5. Dezember 2012 öffentlich alle Entwürfe ausgestellt, die im Rahmen der Ausschreibung des Gestaltungswettbewerbs für einen Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen "Euthanasie"-Morde am Ort der Planungszentrale in der Tiergartenstrasse 4 in Berlin eingereicht wurden.

Die im Rahmen diese Einladung geplante Veranstaltung beginnt um 18 Uhr.

Weitere Seiten und Meldungen im Zusammenhang mit der Ausschreibung:

http://gestaltungswettbewerb-gedenkort-t4.de/gestaltungswettbewerb.html:

- http://www.sigrid-falkenstein.de/euthanasie/t4_wettbewerb.htm
- http://www.themenportal.de/kultur/kulturstaatsminister-bernd-neumann-mahnmal-fuer-euthanasie-opfer-staerkt-erinnerung-an-ns-verbrechen-94872

- http://www.wall.de/de/press/news/erinnerung_an_die_opfer_des_generalplan_ost


Nachfolgender Text ist unmittelbar nach der Bekanntgabe der Preisträger und der Begehung des Ausstellungsraumes mit allen Arbeiten der ausgewählten Entwürfe entstanden.

Und ein nachfolgender Text wie der hier nachfolgende, über den sollte man zunächst eine Nacht geschlafen und ihn nochmals quer- und gegengelesen haben, bevor man ihn der öffentlichen Diskussion anheimstellt.

Aber diese Reflektionen sind nicht die eines neutralen Rezensenten: Eine der an diesem Abend ausgestellten Arbeiten wurde während der gesamten Genese mitverfolgt und vielleicht auch im Rahmen einer permanenten Diskussion mit beeinflusst.

In den Kreis der Bewerber aufgenommen und in die zweite Runde gekommen zu sein ist Erfolg genug, um jetzt nicht in Konkurrenz zu einer der ausgewählten Arbeiten argumentieren zu müssen.

Mehr noch – und damit sind wir sogleich mitten im Thema: So wie die Jury entschieden hat hätte diejenige Arbeit, an der der Autor beteiligt war, keine Chance auf Erfolg gehabt. Denn in dieser Arbeit ist versucht worden, mit den Mittel der Kunst zur Sprache zu bringen und sinnfällig umzusetzen, was mit den Mitteln des Wortes nicht zu sagen möglich gewesen wäre.

Die Jury aber hat sich bei der Vergabe der ersten Plätze in beiden Fällen nicht für eine Lösung entschieden, sondern für zwei diametral entgegengesetzte Positionen.

In der Position des zweiten Siegers befindet sich ein Vorschlag, der mit seiner Radikalität so sehr überzeugt hat, dass dabei die Nichterfüllung der Ausschreibungsvoraussetzungen (fast) zu einer Nebensache geworden ist.

In der Position des für die Verwirklichung umgesetzten Entwurfs wurde derjenige Entwurf ausgesucht, der es allen Beteiligten am ehesten erlaubt hat, die Projektion der jeweils spezifischen Anforderungen und Wünsche am besten auffangen, annehmen und in einem artistischen Wert widerzuspiegeln, das wesentlich mehr mit Architektur denn mit Kunst zu tun hat.

Und das macht – im Rückblick über die seit vielen Jahren geführte Diskussion – in gewisser Weise Sinn. Denn nicht die Jury ist gescheitert, sondern jeglicher Versuch, mit den Mitteln der Kunst das eigentlich Unsagbare zu einer überzeugenden – und wie es die Ausschreibung ja verlangte – sogar noch zu einer aufklärenden Darstellung zu bringen.

Und auch das hat seine innere Logik, die jetzt nach dem Ende dieses ganzen Verfahrens – und der monatelangen eigenen quälenden Auseinandersetzung mit diesem Thema – aus dem Schatten der eigenen Befangenheit heraustritt: Was diesen Entwurf auszeichnet ist das positiv rezipierbar gemachte Ergebnis eines Scheiterns.

Damit wiederholt sich im Kern dieser Antwort die nach wie vor unbewältigte Frage, warum ausgerechnet DAS Volk der „Dichter und Denker“ in seiner Verantwortung Menschen an die Macht gewählt hat, die diesen Wahnsinn des „Massenmordes von Deutschen an Deutschen auf deutschem Boden“ (wie heute in einem der Vorträge gesagt wurde) zur Methode gemacht und konsequent geplant und zur Anwendung gebracht haben.

Das was hier in Deutschland geschah – und in ganz Europa – und heute immer noch – das kann zwar dokumentiert aber nicht in seiner unendlichen Grauenhaftigkeit zu einer wie auch immer einsichtigen Darstellung gebracht werden. Wenn, wie heute vorgetragen, die Jury der Meinung war, das weder ein Friedenshain noch das Aufgreifen des Kreuz-Symbols eine Lösung bedeuten können – das eine sei zu flach, das andere zu pathetisch – dann kann sie nur noch so entscheiden, wie sie entschieden hat: für eine aus der Sicht Mancher gross-artigen Provokation, die aber nicht die Voraussetzungen erfüllt und damit letztendlich so nicht zur Ausführung kommen kann, oder aber für eine – sorry – eigentlich nichtssagenden formale Lösung, die nicht anderes tut, als die bestmögliche Spiegelfläche für jegliche Art der Projektion des Themas anzubieten: eine blaue Glaswand, die den Blick zugleich reflektiert und sie dennoch zugleich durchdringlich macht.

Damit ist nicht gelöst, schon gar nichts aufgelöst, aber es ist aus der Sicht der Jury eine aus ihrer Sicht überzeugende Lösung. Und Sie kann – endlich – drei Kreuze machen.