tm 2013: talk, talk, talk...

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Der Zwang zur Virtualisierung. Der Motorroller will auf der Fahrt zum Büro plötzlich nicht mehr anspringen. Das bedeutet: Abstellen. Und sich mit dem offensichtlich Unvermeidlichen abgeben.

Der Weg ins Büro wird zu Fuss fortgesetzt. Und dort werden zwei Rechner aktiviert. Einer zum Mitschneiden, einer zum Schreiben.

Unter der Überschrift "Desire" geht es an diesem Morgen um "mediation and coordination of space and space by the military".

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Dr. Jussi Parikka ... is a media theorist and Reader at Winchester School of Art, UK. His books have analysed accidents and dark sides of network culture as well as the entanglement of biology and digitality. Parikka’s Insect Media-book won the 2012 SCMS Anne Friedberg award for Innovative Scholarship. He writes on media archaeology and his most recent book ’What is Media Archaeology?’ has just been published by Polity Press.

Keine Nuklearwaffen auf dem Mond... dieser Vertrag ist der Ausgangspunkt des Vortrages. 1964 wurde intelsat gegründet. Und heute: Google Earth als Angriff auf nationale Grenzen - und die Souveränität. Vom Objekt zum Signal und dessen Rückübersetzung in etwas Wahrnehmbares. "WAR: a constant low-level-harm." Media und "signal-processing" gehören zusammen. "WAR is geopolitical". Der Teufelsberg in Berlin und die dort errichtete und heute verlassene Abhörstation sind ein Symbol für den Diebstahl von Information.

Dr Sunil Manghani is Reader in Critical and
 Cultural Theory at Winchester School of Art, University of Southampton. He is author of Image Studies: Theory and Practice (Routledge, 2013); Image Critique & the Fall of the Berlin Wall (Intellect, 2008); editor of the multi-volume anthology Images: Critical and Primary Sources (Berg, 2013); and co-editor of Images: A Reader (Sage, 2006), an anthology of writings on the image from Plato to the present.

Es geht um die mit Illusionen verbundene Form der Wahrnehmung. Und bezieht sich auf eine Reihe von Werken - inklusive seinen eigenen -, die dem Autor nicht bekannt sind. Es geht um die Berliner Mauer und die Aufschriften, die auf beiden Seiten angebracht wurden. Es geht um einen Robinson-Film, der Fragen stellt und die Bilder seiner Beobachtungen vorführt. Es geht um seinen Besuch der Topographie des Terrors und um den Vorteil, dass die Dinge unfertig und unvollständig sind.

Lisa Messeri completed her dissertation at the Massachusetts Institute of Technology’s Doctoral Program in Science and Technology Studies in September 2011. She is working on a manuscript entitled Placing Outer Space: An Earthly Ethnography of Other Worlds, concerning the role of place in scientific practice and how ideas of place shape and are shaped by science. Previous research on the cultural stakes of “planet,” as made clear by Pluto’s 2006 reclassification has been published in the Social Studies of Science. Messeri is presently a Fellow at the University of Pennsylvania.

Es geht um vier Bilder von zwei militärischen und technologischen Projekten, die in der Wüste ausgeführt werden.

Bei den militärischen Projekten repräsentiert die Wüste die Konnotation: Global.

Bei den zivilen Technologieprojekten repräsentiert die Wüste die Konnotation: Extra-Terrestrial.

Der Cowboy und der Astronaut sind die Symbolfiguren für diese Analogien.

Es geht um Dronen-Piloten, die in Gefahr stehen, im Verlauf der Ausübung ihrer Aufgaben nicht mehr ihre virtuelle Aufgabe und ihr "richtiges Leben" zu unterscheiden.

"WAR - a video game?"

Ken Hollings is a writer based in London. He is the author of the books Destroy All Monsters and Welcome to Mars; and his writings have appeared in numerous journals and anthologies. He has presented work on BBC Radio 3 and at the Royal Institution, the British Library, Tate Britain, The Wellcome Institute and the Berlin Akademie der Künste. His latest book The Bright Labyrinth is due from Strange Attractor Press in Spring 2013.

Er liest vor.

"We can not shake the machine inside us."

Ryan Bishop is Professor of Global Arts and Politics, Winchester School of Art, University of Southampton (uk). He is co-director of the Winchester Centre for Global Futures in Art Design & Media. He has published on critical theory, urbanism, media, visual culture, modernist avant-garde aesthetics, and critical military studies. Along with John Armitage and Doug Kellner, he co-edits the journal Cultural Politics (Duke University Press).

"How do we speak to cellestrial bodies?" Wie kommunizieren wir mit jenen, die wir (noch nicht) kennen - die uns (noch nicht) kennen? Welche Annahmen werden gemacht, dass diese Nachrichten verstanden werden können? Werden Wesen jenseits der Welt verstehen können, was auf einer Schallplatte eingraviert ist?

Laurie Anderson, einst die erste Artist in Residence der NASA, bemühte sich um vergleichbare Technologien, um zu einem "Heavenly Body" zu sprechen [1]. Und heute würde sie zusammen mit "Kraftwerk" in New York aufzutreten.

Ryan: "We do not even control what wie control".

Kristoffer Gansing: "Thank you for an extremely exciting panel."

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Am Ende dieser Vorträge ist der Autor dieser Zeilen ratlos, ja hilflos.

Und das umso mehr, als die Anwesenden, zumindest die, die Fragen stellen, von der Veranstaltung voll und ganz begeistert sind.

Wofür wurde jetzt diese Zeit der Teilnahme investiert? Was können wir aus diesen Vorträgen gelernt haben. Zu wessen Nutzen dienen diese Forschungen, die uns heute da mit so viel wissenschaftlicher Neugier und Referenzierung vorgestellt wurden?

Aus all diesem Durcheinander der Gedanken werden die folgenden Fragen und Beobachtungen destilliert und notiert:

MILITARIA:
Wer von den Beteiligten hat KRIEG in seiner spezifischen Ausprägung erlebt: Als Wehrdienstleistender, als Soldat(in), als Beobachter in einem Militärcamp? Als Auftragnehmer eines Auftrages aus diesem Lager der Militärs?

MILITÄRS:
Warum sind zu dieser Veranstaltung keine Militärs eingeladen? Können wir wirklich ihr Hand- und Kopfwerk verstehen, ihre Mechanics und ihre Vorstellungen von der Not-wendigkeit zu sterben, um Leben zu schützen. [2]

GESCHICHTE:
Es gibt viele Bezüge auf alle möglichen Test-Center, die realen in der Wüste und die virtuellen in den EDV-gestützten Welten. Und es geht zu Recht darum, dass es heute eine immer grössere Durchdringung der virtuellen und der zu verteidigenden und/oder zu erobernden Welt gibt.

DIGITALISIERUNG:
Kann es nicht sein, dass diese zunehmende Interdependenz von der Repräsentation des Todes auf einem Bildschirm und der Inkaufnahme des eigenen Todes alle Beteiligten zwangsläufig dazu führen muss, über sich als Lebe-Wesen nachzudenken?

DIE EROBERUNG DES WILDEN WESTENS:
Ist immer noch eine Metapher, die hier in dem europäischen Lebensraum nach einer Entsprechung sucht - und nicht findet. Was uns bleibt ist das wilde Denken, um besser verstehen zu können, wie man Amerika im Kampf gegen die Wildnis und mit den Wilden erobert hat.

IN DEN USA:
... wurde ein Land erobert, in Europa Ländereien. In den USA war das ein einmaliger Akt, hier in Europa ist das Geschichte in Permanenz. Solange dieser Streit um Territorien in Europa kein Ende hat, werden sich die Europäer in den USA als underdogs empfinden müssen. Andererseits war die Beobachtung des Weltraums durch die Europäer die Voraussetzung für die Eroberung des Weltraums durch die Amerikaner. Und viele "Amerikaner" kamen aus Europa...

IN EUROPA:
Wer erinnert (sich) daran, dass vor 70 Jahren in diesen Tagen und Wochen im Kampf zwischen den deutschen und den russischen Truppen Hunderttausende von Menschen haben sterben müssen. In dem guten Glauben, zumindest den "Heldentod" gestorben zu sein. Dem Tod wird das Heldentum als virtueller Wert entgegengesetzt. Im Diesseits in Form von Orden dokumentiert. Und im Jenseits?

SPRACHE:
Alles findet in Englisch statt. Diese lingua franca ist auch jene, mit der immer wieder versucht wurde, mit den Extra-Terrestrischen zu kommunizieren. Und mir der wir miteinander reden, wohl wissend, dass für viele der Anwesenden diese Sprache nicht die Muttersprache ist. Müssen wir also alle erst "Amerikaner" im übertragenen Sinne werden, bevor wir die Verfremdung des Denkens durch den Gebrauch dieser Sprache als Problem überwinden?

VOR-LESEN:
Alle Referenten halten Vor_Lesungen. Zum Teil mit Bildern, zum Teil ohne. Es scheint, dass es ihnen gelingt, die Anwesenden damit anzusprechen. Und dennoch bleibt der Eindruck, dass uns etwas vorgemacht wird, dass es nicht wirklich möglich ist, auf die gedankliche Reise der Protagonisten mitgenommen werden zu können.

NACH-LESEN:
Die Eroberung des Weltraums, so die These, fände mit sehr viel grösserer Sorgfalt statt als die des eigenen Lebensraums. Dieses Phänomen gilt aber offensichtlich nicht nur für Militärs und Astronauten, sondern auch für die Wissenschaftler. Sie beziehen sich auf sich selbst und auf ihre KollegInnen aus der Gegenwart wie der Vergangenheit. Sprechen nachgelesene Texte nach, sehen mit Betroffenheit in eine Zukunft, die sich noch nicht artikulieren lässt - und reden darüber.

WHAT NEXT:
Des grossen Zuspruchs wegen es im nächsten Jahr nochmals auf die Bühne zu heben. Und dieses Mal die Frage nach der permanenten Spannung von Kriegs- und Friedenszuständen auf einen dritten Pol zu erweitern: den Beginn und Verlauf des Ersten Weltkrieges.
Auch die Frage nach einem virtuellen, imaginären, digitalisierten Museum kann dann neu gestellt und Beantwortet werden. Am Rechner und - vor Ort - in Berlin.

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Nach solch hartem Tobak ist es eine gute Abwechslung, dem Start einer neuen Website beizuwohnen. Mit Stephanie Rothenberg und Jeff Crouse.

During the panel discussion, the audience is invited to take part in the live performance Laborers of Love (LOL), a crowdsourcing project focused on the relationship between online sex and online work, generating a just-in-time pornography of a global online workforce. [3]

Das Ganze wird präsentiert im Rahmen der Auditoriums-Veranstaltung:
Emoporn, Sex Machines and Mediated Sexualities.

Am Schluss der lebhaften Debatte die Frage, ob es in Zukunft ein soziales Netzwerk gäbe, das auf der Basis von Thor-Anwendungen geführt werden sollte.

Der "I-like"-Button sei eine sehr armselige Form, sein "desire" zum Ausdruck zu bringen.

Und Facebook begänne damit, mit der Ankündigung des eigenen Events bezahlen zu müssen.

Daher die Forderung der Schluss-Sequenz:
Wir brauchen ein anderes Internet.

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Gut auf den Punkt gebracht, indem das Breitband-Gespann Christine Watty und Christian Grasse von Deutschlandradio Kultur sich auf wenige Beispiele und Themen konzentrierte, wurde das Geschehen dieser Tage, das in den folgenden Reportagen fixiert wurde [4]

— Von einer Rohrpost-Anlage, die zurückverweist auf das, was Netzwerke einmal waren und was sie begründet:

— Von Büchern, die nicht mehr zum Lesen da sind - ausser für Maschinen - sondern zum Denken anregen sollen.

— Von einer Theateraufführung, in der den Systemadministratoren als streitbares - und zuweilen auch zerstrittenes - Kollektiv die Chance eingeräumt wird, die Welt neu zu verwalten, in dem sie sie re-generieren.

— Von einem Besuch im Club-Transmediale, in dem erlebbar wird, wie das zur Zeit erlebte Goldene Zeitalter zugleich in Frage stellt, was die Segnungen dieser neuen Zeit sind: die Allgegenwart allen Wissens.

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Wozu das alles führt?

Ein Vorschlag für die: 27. transmediale 2014 führt vom Planeten Pluto zurück auf die Erde - und zu uns selbst.

[1Unter diesem Stichwort findet sich "im Netz" dann ein Wall-Paper-Tableau, dass unter diesem LINK angeschaut werden kann.

[2Warum nicht mal einen Vergleich der Haltungen bei den Teilnehmern an den gemischt deutsch-französischen Chorps’?. Bei aller Übereinstimmung der Mitglieder beider Truppenteile ist von französischer Seite zu hören, dass sie sich darauf vorbereitet hätten, als Militärs in kriegerische Handlungen eingebunden zu werden - und dafür mit dem Leben "bezahlen" zu müssen.

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all rights reserved

Nicht zu verwechseln mit www.laborsoflove.net/.

[4Ein Mitschnitt der gesamten Sendung findet sich unter:
http://breitband.dradio.de/inhalt/uploads/2013/02/BRB_Transmediale_2013.mp3