70 Jahre "danach": Eine Europarede aus Berlin

EIN PROLOG

Als Vater einer Tochter mit drei europäischen Staatsbürgerschaften wäre es sowohl ein persönliches als auch ein professionelles Interesse gewesen, diese Rede persönlich direkt hören und kommentieren zu wollen.

Dazu wurde auf der Website des Bundespräsidenten seit dem 8. Februar 2013 ein Hinweis an die Redaktionen publiziert. [1]

Nun ist zwar ein Antrag an das Bundespresseamt für eine Jahresakkreditierung 2013 rechtzeitig gestellt worden. Dieser sei aber angeblich erneut nicht abschliessend bearbeitet worden, da es eines qualifizierten Nachweises über die publizistische Tätigkeit im Zusammenhang mit Themen wie diesen bedürfe, der sich aus der Analyse der Beiträge dieser Internetpublikation nicht erschliessen würde.

Was bleibt, ist also das Nachsitzen am elektronischen Katzentisch. Und allein der Blick auf und das Ohr an den Beiträgen des Deutschlandfunks ist derart informativ, dass ein Presseamt sich vielleicht zu Recht fragen mag, warum es dann noch solcher Stimmen wie dieser bedürfe, um die politischen Nachrichten ausreichend platzieren zu können.

Nach dieser Rede und ihrer Analyse wäre zu fragen, welches nach Europa die Folgethemen sein könnte. Und eine direkte Mitarbeit anzubieten, wenn es um das Thema der Folgen, Nöte und Versprechen der Digitalisierung ginge.

EIN MONOLOG IM SPIEGEL DER PRESSE

Zuvor aber ein Rückblick auf einige der hier ausgesuchten Beiträge:

- Die Vorberichterstattung von Stephan Detjen
— im DLF-Magazin am Vorabend dieses Tages, angekündigt unter dem Titel: "Die Macht des Repräsentanten"

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— in den Informationen am Morgen des Deutschlandfunks, vorgehalten unter dem Titel: "Bundespräsident Gauck hält heute Europarede"

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- Die Rede des Bundespräsidenten in der Berichterstattung der ARD vom Bellevue-Forum, vorab anmodereriert von Ulrich Deppendorf und Niko Fried (Leiter des Hauptstadtbüros der Süddeutschen Zeitung) [2]

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und auf der Internetseite des Bundespräsidialamtes mit dem Titel: "Rede zu Perspektiven der europäischen Idee".

- Der nachrichtliche Beitrag des Deutschlandfunks, der mit dem gleich zweifach angesprochenen Satz aufmacht: "So viel Europa war nie" und der mit der Forderung des Präsidenten endet, in der Zukunft ein neues europäisches Medium, einen medialen Ort, eine "Agora" - Zitat: "so etwas wie Arte für alle." zu verwirklichen. [3]

- Die Nach-der-Rede-Reaktion von Stefan Kornelius, Ressortleiter Aussenpolitik der Süddeutschen Zeitung, im Gespräch mit Dirk-Oliver Heckmann in den Informationen am Mittag

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DER MONOLOG IM SPIEGEL DER GESCHICHTE

- Der Rückblick von Axel Rahmlow auf grosse Reden vorangegangener Bundespräsidenten, allen voran die sogenannte erste Berliner Rede, die Bundespräsident Roman Herzog unter dem Titel "Aufbruch ins 21. Jahrhundert" am 26. April 1997 im Hotel Adlon gehalten hatte.

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Dass diese erste Rede zu jenem Zeitpunkt gehalten wurde, zu dem der neue Bundespräsident ein Jahr im Amt ist, ist sicherlich kein Zufall. Dass sie aber auch an jenem Tag gehalten wurde, an dem vor 70 Jahren die ersten Mitglieder der Weissen Rose durch das Fallbeil hingerichtet wurden?

In der Rede gab es keine Bezüge auf diesen Zusammenhang. Daher sei er an dieser Stelle nachgetragen mit einem Zitat aus dem fünften Flugblatt der Weissen Rose, dass mit den folgenden Worten endet:

"Was lehrt uns der Ausgang dieses Krieges, der nie ein nationaler war?

Der imperialistische Machtgedanke muß, von welcher Seite er auch kommen möge, für alle Zeit unschädlich gemacht werden. Ein einseitiger preußischer Militarismus darf nie mehr zur Macht gelangen. Nur in großzügiger Zusammenarbeit der europäischen Völker kann der Boden geschaffen werden, auf welchem ein neuer Aufbau möglich sein wird. Jede zentralistische Gewalt, wie sie der preußische Staat in Deutschland und Europa auszuüben versucht hat, muß im Keime erstickt werden. Das kommende Deutschland kann nur föderalistisch sein. Nur eine gesunde föderalistische Staatenordnung vermag heute noch das geschwächte Europa mit neuem Leben zu erfüllen. Die Arbeiterschaft muß durch einen vernünftigen Sozialismus aus ihrem Zustand niedrigster Sklaverei befreit werden. Das Truggebilde der autarken Wirtschaft muß in Europa verschwinden. Jedes Volk, jeder einzelne hat ein Recht auf die Güter der Welt!

Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen des neuen Europa.

Unterstützt die Widerstandsbewegung, verbreitet die Flugblätter!" [4]

EIN EPILOG

Auch dies sei an dieser Stelle nochmals angemerkt: Seit Jahren feiert sich die Medienelite Deutschlands - und solche, die gerne dazugehören möchten - im Münchner Justizpalast im Rahmen der Medientage München.

Die Veranstaltung nennt sich NACHT DER MEDIEN, ist ein absolutes MUSS in der Branche und fand dort das letzte Mal am 24. Oktober 2012 "ab 19:30 Uhr" statt. Aber keiner der Gastgeber, von ASTRA bis zum VPRT, der sich bislang je einen Kopf gemacht hätte, in welche "Location" [5] da eigentlich eingeladen wird. [6]

Unter dem Vorsitz des jeweils eigens aus Berlin angereisten Vorsitzenden Roland Freisler wurden an eben diesem Ort zwei Verhandlungen des sogenannten "Volksgerichtshofs" [7] abgespult:
— am 22. Februar 1943 gegen die Geschwister Scholl und Christoph Probst, die noch am gleichen Tag zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden
— am 19. April 1943 gegen Alexander Schmorell, Willi Graf, Kurt Huber, die ebenfalls zum Tod verurteilt wurden und und elf weitere Personen, von denen nur Falk Harnack freigesprochen wurde.

[1 Rede des Bundespräsidenten zu Europa

Bundespräsident Joachim Gauck wird am Freitag, 22. Februar 2013 in Schloss Bellevue von 11.00 bis ca.11.45 Uhr vor rund 200 Gästen zu Perspektiven der europäischen Idee sprechen. Geladen sind Vertreter aus Politik und Kultur, von Glaubensgemeinschaften und Stiftungen sowie Schüler.

Hinweise für die Redaktionen:
Pool für elektronische Medien: Die ARD übernimmt als Host die Funktion des Poolführers. Ansprechpartner für die Abgabe des Live-Signals sind Herr Werner Melzer, Tel.: 030 2288-1700, E-Mail: werner.melzer@ard-hauptstadtstudio.de, oder Frau Martiner Michel, Tel.: 030 2288-1710. Sonstige Live-Technik oder EB-Teams können nicht zugelassen werden.

Fotopool: AFP, Herr John MacDougall, Tel.: 0172 1601579, E-Mail: photo.germany@afp.com oder
Getty Images, Herr Sean Gallup, Tel.: 0172 8296855, E-Mail: sean.gallup@gettyimages.com oder
Fotograf der BPK, Herr Marco Urban, Tel.: 030 2300-4400, E-Mail: mail@marco-urban.de oder
Bilderdienst des Bundespresseamtes (BPA), Tel.: 030 18272-2336, E-Mail: bilderdienst@bpa.bund.de.

Die Akkreditierung für Redakteure endet am Mittwoch, 20. Februar 2013, 11.00 Uhr.

Es gilt eine begrenzte Zulassung. Die Zu- bzw. Absagen erfolgen nach Ablauf der Akkreditierungsfrist. Redakteure ohne Akkreditierungsausweis des BPA melden sich bitte unter Angabe von Name, Vorname, Geburtsdatum, Geburtsort und Medium bei der Pressestelle des Bundespräsidialamtes an, E-Mail: akkreditierung@bpra.bund.de, Fax: 030 2000-1926. Redakteure mit Akkreditierungsausweis des BPA melden sich bitte namentlich und mit dem Hinweis an, dass sie jahresakkreditiert sind.

[2"Das gesprochene Wort ist das entscheidende Instrument des Bundespräsidenten. Und er hat in diesem einen Jahr zwar schon viel gesagt, aber noch nichts so richtig Bleibendes. Und das erwartet man eigentlich schon heute."

[3"Wir brauchen eine Agora. Sie würde Wissen vermitteln, europäischen Bürgersinn entwickeln helfen und auch Korrektiv sein, wenn nationale Medien in nationalistische Töne verfallen, ohne Sensibilität oder Sachkenntnis, über den Nachbarn berichten und Vorurteile fördern. Ich weiß, dass viele Medienkonzerne die europäische Öffentlichkeit schon zu stimulieren versuchen, mit Beilagen aus anderen Ländern, mit Schwerpunktthemen zu Europa und vielen guten Ideen. Ich weiß das. Aber bitte mehr davon – mehr Berichterstattung über und mehr Kommunikation mit Europa!

Wir sprechen gerade über Kommunikation. Kommunikation ist für mich kein Nebenthema des Politischen. Eine ausreichende Erläuterung der Themen und Probleme, sie ist vielmehr selbst Politik. Eine Politik, die mit der Mündigkeit der Akteure auf der Agora rechnet und sie nicht als untertänig, desinteressiert und unverständig abtut.

Mehr Europa heißt für mich: mehr europäische Bürgergesellschaft."

[4Zitiert nach der hier als PDF wiedergegebenen Originalquelle, einzusehen auf einer der Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung.

Flugblätter der Widerstandsbewegung in Deutschland © Gedenkstätte Deutscher Widerstand
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[5Ein Foto von dieser "Location" findet sich am Ende des Beitrags "Medientage München (IV) Summa summarum" vom 29. Oktober des Jahres 2005.

[6Dieses Thema wurde in dieser Publikation u.a. im Zusammenhang mit der Ausrichtung der Medientage des Jahres 2009 in dem Beitrag vom 23. Februar 2010 unter dem Titel "Verantwortung & Zukunft" angesprochen.