IFA: Der Kommentar

Es ist riskant, sogleich am Ende des ersten Besuchertages schon einen Kommentar zu schreiben, einen Einblick in die Szene und einen Ausblick in die Zukunft zu geben.

Dennoch soll dieser Versuch hier unternommen und hiermit zur Diskussion gestellt werden.

1.

Auf dieser Veranstaltung werden mehr Neuheiten vorgestellt, als sonst an irgend einem andern Ort oder bei irgend einem Anlass auf dieser Welt - so die These des Veranstalters.

We’ll take his word for granted... und fragen nach, was es denn "wirklich Neues" in diesem Jahr gegeben haben wird.

Und wir erfahren was über "4K" und darüber, dass die Fernseher jetzt noch grossflächiger und zugleich noch "smarter" geworden seien.

Die These: so wie der Wald vor lauter Bäumen nicht mehr "gesehen" wird, werden echte Fortschritte und Veränderungen bei der Ankündigung von so vielen "Neuheiten" gar nicht mehr erkannt.

2.

Dass erst vor kurzem die Firma Sharp für all ihre Fernseher neben Red Green und Blue eine vierte Farbe Yellow "erfunden" und zum Einsatz gebracht hat, wenn schert das heute noch angesichts der schlechten Umsatzzahlen und einer deutlich verringerten Ausstellungfläche.

Die These: Egal, welche neue Sau [1] über den Marktplatz getrieben werden mag, der klassische TV-Markt ist im Sinkflug - ungeachtet all der neuen hoch und höchstauflösenden Bilder die hier vor Ort vorgeführt werden [2]

3.

Was die neuen Fernseher nicht zeigen, obwohl die meisten es könn(t)en, sind 3D-Bilder. Und sei es auch nur, um sagen und zeigen zu können, dass mit der neuen sogenannten "4K-Auflösung" nun auch dreidimensionales Fernsehen in voller HD-Qualität möglich wäre.

Die These: "3D" und "4K" bedingen sich einander. Dass man aber mit dem "4K"-Thema glaubt, jene Aufmerksamkeit wieder beleben zu können, die man heute für "3D" nicht mehr abverlangen mag, damit wird die Erwartungshaltung der Endkunden nicht stimuliert, sondern stranguliert - vor allem jener, denen man einmal mehr bis dato glaubhaft gemacht hat, dass sie sich mit ihrem neuen Gerät eine zukunftssichere Investition geleistet hätten.

4.

Die vielfach zu hörenden Aussage, dass sich auf dieser IFA nicht wirklich "was Neues" auffinden lassen würde, mag subjektive nachvollziehbar sein, hat aber tieferliegenden Gründe: der Wunsch nach Kontinuität, Marktberuhigung, fest fixierten Margen und so weiter. All dies versperrt den Blick auf jene Achsen, die sich neben den "Schärfer-Grösser-Immersiver"-Perspektiven aufgetan haben.
Die zweite Achse sind die zunehmende Zahl an mobilen Bildschirmen, auf denen auch - aber schon lange nicht mehr nur - Fernsehen geschaut werden kann.
Mit "Entertain-to-go" beispielsweise soll das TV-Signal jetzt per W-Land durch das ganze Haus verteilt werden können - auch auf die mobilen Endgeräte.
Neue Anbieter wie Magine zum Beispiel haben den Abschied aus der Broadcast-Welt aber inzwischen - auch technisch - sehr viel konsquenter vorangetrieben.

Die These: Die Karten zwischen der IP-basierten Distribution und Broadcast werden völlig neu gemischt werden. Wenn die Fachwelt immer noch nicht zwischen Rundfunk und Radio unterscheiden kann, ist dem Endkonsumenten nicht zu verdenken, dass Sie oder Ihn nicht die Art des Signals interessiert, sondern einzig und allein, ob es eine stationäre oder (auch) eine mobile Nutzung ermöglicht oder nicht, in welcher Qualität und zu welchem Preis.

5.

Neben den Achsen des Wachstums an Qualität und der mobilen und damit auch manigfaltigen Nutzung ist die dritte Achse, die der Inhalte und Services, immer noch nicht gleichwertig ausentwickelt. Das "Dumme" ist nur, dass sich diese sehr viel schlechter darstellen lässt, als die Geräte selber, selbst auf einer Messe wie dieser.

Die These: Wenn sich die IFA-Leute nicht wieder mehr um diese dritte Achse des "Guten und Schönen" bemühen und sie zur Geltung bringen, wird - solange sie sich immer noch darauf etwas einbildet - mehr Fläche verkauft. Mit dem Ziel, in Zukunft immer noch mehr Aussteller angelockt zu haben, wird es ihr in Zukung nicht viel besser ergehen, als der TV-Industrie jetzt auch.

6.

Deshalb brauch die IFA die sogenannte "weisse Ware": Denn auch diese funkt inzwischen fröhlich vor sich her: Vom intelligenten Kühlschrank, der sogar die schmackhaftesten Rezepte für die noch verbliebenen eingelagerten Lebensmittel herausfiltern und vorschlagen kann, bis hin zum sich selbst im Haushalt durch die Wohnung bewegenden Staubsauger.

Die These: aus der Not, die Hallenflächen wieder auffüllen zu müssen, ist eine Tugend geworden. Grosse wichtige Aussteller haben schon immer das ganze Heimsortiment auf ihrer Produktplakette gehabt. Jetzt wird diesen Produkten durch die "M2M"-Kommunikation neues Leben eingehaucht. Im Wohnzimmer und vielen anderen Orten in der Wohnung, oder im Haus.

7.

Die Weisse Ware mag Lückenbüsser gewesen sein. Heute eröffnen sich - insbesondere mit dem Küchenbereich - neue Nutzungs- und Lebensräume.

Die These: es könnte sein, dass alsbald die Küche als zentraler Kommunikationsraum dem Wohnzimmer den Rang abläuft: Spätestens dann, wenn an diesem Ort die "M2M"- die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation und die Mensch-Maschine-Interaktion sich parall weiter- und aufeinander zuentwickelt haben werden.

8.[wird fortgesetzt]

9.[wird fortgesetzt]

1O.[wird fortgesetzt]


Aus der schier unendlichen Vielzahl von Radio-Beitägen zu diesem Thema hier die folgenden zwei, die in ihrer Qualität und Thematik eine guten Einblick und Querschnitt zu den hier angesprochenen Themen geben.

— Johannes Frewel im Inforadio am Sonntag, den 8. September 2013

— Manfred Kloiber u.a. im Deutschlandfunk am Samstag, den 7. September 2013

[1steht hier für Smart Audiovisual Utility

[2... wohlwissend, dass in vielen Fällen noch gar nicht klar ist, wie die dafür notwendigen Datenmengen an so ein TV-Gerät herangeführt werden könnten. Ein Probllem sowohl für die Broadcaster, als auch für das Blue-Ray-Konsortium...