Buch. Messe. Themen.

Das Alter als Chance?
Donnerstag: Innerhalb nur einer Stunde wird an allen Ecken und Ende des Messegeländes über "die erstaunlichen Chancen der Älteren" gesprochen.
So in einem Interview mit der "Journalistin und Bestsellerautorin" Margaret Heckel im Agora Lesezelt. Oder mit dem Benediktiner Pater Fidelis Ruppert, der in einem Interview in der Halle 3.1 "zeigt, wie Menschen jenseits der 60 wachsen, aufblühen und ihr Leben mit einer erfüllten Spiritualität bereichern können."

In der gleichen Stunde sitzt in der gleichen Halle Götz Schartner, seines Zeichens "Profihacker" und Autor des Buches: "Tatort www", das im Plassen Verlag erschienen ist.

Und der Börsenverein bietet zur gleichen Stunde eine Führung speziell für Sortimenter an, zum Thema neue Technologien. Und das Ganze unter dem Titel:
"Pfadfinder: Tag, ich bin die Zu Kunft, ich wäre dann da."

Und...
... und ...
... und.

Das Aufregende an dieser Messe ist, das es jeden Tag, jede Stunde gilt, eine Entscheidung zu treffen, welches Thema, welcher Person aktuell der Vorrang einzuräumen sei.

Aber auch dazu gibt es Lebenshilfe: Schon am Mittwoch hat der Lininenpilot und Ausbilder Brandl sein Buch "Hudson River - Die Kunst schwere Entscheidungen zu treffen" auf dem Forum Bildung in der Halle 4.2 vorgestellt, viele ZuhörerInnen gefunden, und doch keines seiner Bücher verkauft. [1]

Trotz all dieser Angebote und Möglichkeiten war es in diesem Falle einfach, eine Entscheidung zu treffen: Zum Besuch einer Präsentation der Deutschen Nationalbibliothek angesagt, Thema:
Langzeitarchivierung von Netzpublikationen" [2], gehalten von Karlheinz Schmitt.

Für diesen Vortrag wurde auch die Teilnahme an dem Gespräch von Rainer Blasius am FAZ-Stand mit dem Autor Christopher Clark ausgeschlagen. Das Thema: "Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog"

Stattdessen geht es erneut zum Forum Bildung. Zu einer Lesung von Nikolaus Nützel - "Journalist und mehrfach ausgezeichneter Autor" - aus einem Buch: Mein Opa, sein Holzbein und der Grosse Krieg."

Für diesen Vortrag wurde auch die Teilnahme an dem Gespräch von Rainer Blasius am FAZ-Stand mit dem Autor Christopher Clark ausgeschlagen. Das Thema: "Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog"

Dieser Satz ist zu relativieren: Clark ist nochmals zu hören, auf dem Stand der ZEIT: und dieser Besuch lohnt sich.

Er macht einleitend nochmals klar, dass er in Australien aufgewachsen sei. Und dass für die Australier der erste Weltkrieg zugleich der Eintritt in die Welt-Geschichte bedeutete.

Und er macht darauf aufmerksam, dass der ihm gegenüber gemachte Vorwurf, er sei zu deutschfreundlich, NUR von den Deutschen erhoben werden würde.

Sein Thema ist nicht so sehr die Frage nach der Schuld der Deutschen, sondern es geht ihm darum zu zeigen, dass diese Menschen in jener Zeit nicht verstanden, was sie taten.

Europa sei der wildgewordene Militarismus. Die Menschen wollen hart bleiben, stark bleiben. Die Sprache der Entscheidungsträger von 1914 war eine sehr dezidierte. Und die Presse war für sie ein Instrument für die Manipulation.

Erstaunlich, wie der Balkan-Streit in wenigen Monaten zu einem Anlass für einen internationalen Konflikt wird. Erstaunlich, wie die Achse Österreich-Ungarn "todgeschrieben" wird.

Bekannte Gesichter, gemischte Gefühle.... so wie es bei Botho Strauss heisst, all diese Führungskräfte kannten sich. Sie waren alle seit langem in ihren Ländern verankert. Sie waren Eliten, die die Nachbarn kannten und ihre Sprachen.

"Ich habe herrliche deutsche Kollegen, die wie Shakesspeare schreiben..."

Und dann, dann will er die 48er Revolutionen darstellen...

Danach kommt eine gute Trägheit. Ein Stuhl lädt ein zum Verbleiben. Und dann steht Volker Ullrich an der Seite. Und neben ihm Michael Göring. Und Ulrich moderiert die Vorstellung des Buches "Vor der Wand". Und schliesst seine sensiblen Fragen ab mit einem Satz, den man auf die Rückseite der zweiten Auflage des Buches schreiben könnte: "Das Thema von Schuld und Sühne ist selten so eindrucksvoll und sensibel geschildert worden, wie hier. "

Der Tag endet mit einem Aufenthalt bei einer Verlegerin mit Namen Fischer, über den später nochmals ausführlicher berichtet wird.

Am Freitag die Entscheidung, nochmals Christopher Clark "Die Schlafwandler" zuzuhören, der auf dem "blauen sofe" von ZDF und Co platzgenommen hat. Es stellt sich aber sehr bald heraus, dass es kaum möglich ist, der Unterhaltung wirklich folgen zu können. Zu hoch ist der Geräuschpegel rund um das Szenario herum. [3]

Stattdessen kommt es zu einer interessanten Begegnung mit einem der Kameramänner. In seiner Gegenwart werden Fotos mit einem Smartphone gemacht. Und er betrachtet das mit einer gewissen Skepsis, bis dass er die so entstandenen Bilder gezeigt bekommt. Und schon holt er sein eigenes Smartphone aus der Tasche und erprobt erstmals selber diese neuen Möglichkeiten - und ist erstaunt und fast dankbar, dass ihm auf diesem Wege ein neuer Zugang zum fotografieren gemacht wurde.

[1Was auch daran gelegen haben mag, dass das Ganze als "Vortrag" angekündigt worden war, ohne dass der Name des Referenten genannt wurde.

[2Für den Herausgeber von "DaybyDay" ISSN 1860-2967" ein Must :-)

[3Und das betrifft nicht nur das Publikum auf dem Durchgang, sondern auch all die Fotografen, die am Rande des Geschehens sitzen und die sich über die immer geringer werdenden Preise für ihre Bilder unterhalten und über die neuen Möglichkeiten der 4MB-Bilder die mit einem iPhone gemacht werden können.