ODJT-Leipzig (heute)

Nein, heute gibt es keine weitergehend Beschreibung des Geschehens.
Sondern seine Kommentierung.

Anlass ist gleich die Eröffnung der Veranstaltung:

Ein Moderator, dessen Name nicht im Programm steht, berichtet über die Schilderung einer West-Reise von einem Ossi, der den Henri-Nannen-Preis nicht bekommen hat... und siehe da, jetzt stehen die Wessis "draussen vor der Tür" - geradezu sprichwörtlich, da der Bus aus Berlin zum Veranstaltungsbeginn das Hochhaus des MDR noch nicht erreicht hatte.

- Ine Dippmann vom DJV-Sachsen tritt an, berichtet aus einer Newsroom-Szene. Fragt mit Blick auf die "ZEIT" vom 3. Oktober: "Ist der Westen noch der Maßstab" und antwortet mit einem FAZ-Titel von heute: "Der Osten leuchtet".

Die Stimmung ist trotzig gut: Trotz alledem. Trotz der Missachtung durch "den Westen", trotz der Streichung der Stellen bei dapd, trotz der Schliessung der FTD, von Prinz und weiteren Redaktionsstellen...

- Karola Wille, spricht von der "liebenswerten Stadt Leipzig" und von der Not-Wendigkeit, "Weitsicht" zu entwickeln. "So wie wir heute den Umbruch gestalten werden, so wird unsere Zukunft morgen aussehen." Was passiert, wenn die Plattformbetreiber selber beginnen, Serien zu produzieren... _
"Wir sollten den Verlockungen der Trivialisierung und Boulevardisierung widerstehen."

Wir stehen für glaubwürdigen, für wirtschaftlich und politisch unabhängigen Journalismus. Und dafür sind wir die Stimme des Ostens: Sachlich, Zuverlässig, Informativ, Glaubwürdig.

- Uli Meyer: was tun zwischen dem Start der HuffPost und der Neuausrichtung des Spiegel. Damals war das schon ein Tagelöhnerberuf. Und dann, Ende der 80er Jahre wurde daraus eine Goldgrube. Und heute ist das auch wieder vorbei...

Er verweist auf die vom Netzwerk Recherche aufgestellte Liste der 10 am meisten übersehenen Themen.

Das damals entwickelte Format der TV-Sendung "Einspruch" wird heute im kleinen Rahmen dieses Nachmittags wieder zum Leben erweckt.

Pro:

- Dr. Carola Dörner:

"Ich habe keine klare Linie", aber ein Lieblingsthema. Und das sind Portraits und Interviews von "schräge Typen". Und dann Carolas Beauty Tips. Die schönste Geschichte, wurde erst nach hartnäckigem Drängen verkauft.

"Die Zukunft ist frei". Aber wie geht das für die, die keinen Antrieb haben? Man muss immer wieder gegen Wände rennen und dennoch weitermachen können. Aber nach drei Jahren muss man mehr verdienen als die vierhundert Euro im Monat.

Auch der Job des Investmentbanker ist nicht mehr sicher. Heute geht es um "Geld, Spass und Ehre". Und dabei bleibt auch die Journalistische Ehre nicht auf der Strecke.

Im Dialog mit dem Leser ist man gezwungen, seine Qualitätskriterien auf den Prüfstand zu stellen. Aber in den Händen der "Twitterkönige" ist man auch schnell verraten und verkauft

Was tun?
— Spass und Neugierde behalten
— sich weiter qualifizieren

- Christoph Koch:

"Versuche die Ränder immer noch weiter auszuforschen, die Themen nochmals anders auszuloten." Das Rezept war nicht Spezialisierung, sondern das Finden verschiedener Wege.

Es ist gar nicht so einfach, gute Freie im Qualitätsbereich zu finden. Dazu gehört immer: "Sehr gute Arbeit abliefern, Pünktlich sein, freundlich sein."

Der Traumberuf des Journalisten erlaubt es heute auch mit dem Leser im Dialog kommen zu können. Und zu bleiben, auch über den einzigen Artikel hinaus.

Was tun?
— machen Sie sich unverwechselbar
— lassen Sie sich von den Verlagen nicht alles gefallen

- Alexander Fritsch:

Lehre in den arabischen Ländern? Der Journalist will dort Partei sein. Und macht dort etwas ganz Anderes.

Arbeit ist nicht immer nur Spass.

Ich finde nicht, dass es zu wenig Journalisten gibt, aber es gibt zu wenig gute

Was tun?
— mindestens einen zweite Fremdsprache lernen
— zu lernen, wie man mit den neuen techniken umgeht
— sich selbst neu zu qualifizieren, immer wieder neu

Contra:

- Annette Rogalla:

Die Bafög-Forderungen konnten nicht mehr von dem taz-Gehalt bezahlt zu werden. Und ging dann zur PR-Abteilung einer Krankenkasse. Dadurch einen guten Freund verloren, der damals bei der Süddeutschen war und heute bei der Zeit ist.

Alle Kollegen in ihrem Umkreis schreiben so, dass die Geschichten heute Sex haben müssen und Klicks versprechen.

Den Schrott gab es nicht nur bei der Bild.de sondern auch bei der Süddeutschen.

"Der Journalismus kann von der PR lernen, eine gute Markenführung zu haben."

Schleichwerbung ist die miesesten Form der PR. Heute kann man aber auch bei TV-Sendern ganze Sendungen einkaufen. [1]

"Als Journalistin brauchst Du eine Haltung."

Was tun?
— Eine Haltung entwickeln und Durchhalten
— Neugierde und Leidenschaft

- Reinhard Mohr:

Vom Asta Frankfurt über den Pflasterstrand... "aber die besten Zeiten liegen schon hinter uns". Beispiel: eine Talkshow-Kritik kostet heute bei Spiegel-Online noch 100 Euro Brutto für die Nachtarbeit.

Der "Bauchladenmensch" war zunächst nicht gezwungen, alles machen zu müssen. "Journalismus gibt es nur mit Freiheit."

Will als teilnehmender Beobachter weiter mit Leidenschaft schreiben können.

Was tun?
— Neugierde
— Begabung und Talent
— Leidenschaft

- Sergej Lochthofen:

Konzerne machen kaputt: DAS Beispiel: Die Westfälische Rundschau, da läuft nur noch ein Zombie herum. Der Journalist in der Lokalredaktion wird heute zum "Dispatcher".

In den 90er Jahren war - nach der DDR - alles möglich. Und heute ist es das genaue Gegenteil.

Wollen Sie ein Journalist sein, der kreativ mitgestaltet, oder der als CVD seinen Job macht.

Bei den Zeitungen geht es nicht darum, dass sie sterben, sondern, dass ihre zweistellige Rendite nicht mehr gehalten werden kann.

Ein Drittel der Redakteure ist kreativ, ein Drittel macht die Sache mit Routine und ein Drittel ist ganz falsch im Beruf.

Heute werden von den Redaktionen ganze Beilagen gekauft und die Journalisten schreiben auch mit Freude für diese.

Was tun?
— Leidenschaft
— Weitermachen

[1Uli Meyer: "das stimmt"