MedienTageMünchen (2.Tag)

Gestern gab es an dieser Stelle schon eine Vorankündigung, wonach es in diesem Jahr von dieser Veranstaltung kaum Fotos und nur wenige Berichte geben würde, dafür um so mehr Kommentare und Unerwartetes, das man so woanders nicht so leicht wird finden und lesen können.

Dabei war die Behandlung vorzüglich: Die Akkreditierung wurde rechtzeitig vorher ausgestellt und the Badge ins Büro geschickt. Der Veranstalter hat zur "Nacht der Medien" in den Justizpalast eingeladen, auch wenn an anderer Stelle darauf aufmerksam gemacht worden war, um was für einen unrühmlichen Ort es sich dabei handeln wurde. [1] Und die Kabel Deutschland hatte darüber hinaus sogar zum Zugang zur ihrer Lounge eingeladen.

Privilegien, die nicht selbstverständlich sind und auf die gedeihliche, über viele Jahre gewachsenen Beziehungen zum Veranstalter und deren Favoriten beruhen mögen und die gerne und dankbar angenommen werden...

... und dennoch, darf all das nicht den Blick versperren vor den Veränderungen, die in diesem Jahr an allen Ecken und Enden deutlich werden liessen, dass die goldenen Zeiten dieser Veranstaltung vorbei sind - auch wenn sie sich immer noch als der grösste Kongress in Europa ausgibt, der seinesgleichen sucht.

Diese Veränderungen zeigen sich im Kleinen wie im Grossen: auf der traditionellen Standparty am heutigen Abend wurden keine Fleischwaren in Form von Würstchen mehr ausgereicht.
Auch das Feuerwerk, mit dem noch bis zur 25. Wiederkehr der Veranstaltung das Publikum zum Ausklang dieses Tages unterhalten wurde, ward in diesem Jahr auch sang- und klanglos eingestellt.

Ebenfalls abgeschafft war in diesem Jahr der Fahrservice für VIPs und Referenten. Gleiches gilt für die Journalistenarbeitsplätze, für deren Grundversorgung bislang zumindest solide Stühle und Tische samt Strom- und Internetanschlüssen bereitgestellt worden waren. Die sogenannte "Presselounge", die anstatt auf dem "Oberdeck" des Hauses eingerichtet worden war, spottete dem Bedürfnis für einen ausreichend qualifizierten Arbeitsplatz jeglicher Beschreibung. [2]

All dies mögen Kleinigkeiten sein. Und angesichts der thematischen Vielfalt von mehr als 90 Panels gilt immer noch das Motto, dass dieses breitgefächerte Themenangebot immer noch gross genug ist, um Jedem das Seine anbieten zu können.

Dennoch verändert sich der Charakter dieser Veranstaltung deutlich. Die Veranstaltung ist weniger prominent besetzt als früher, noch weniger international, und noch deutlicher von den regionalen Grosskopfeten und Themen geprägt als früher.
Nur ein Beispiel: Dass die "Elefantenrunde" mit der Frage aufmachen konnte, warum die Medienpolitik jetzt im bayerischen Wirtschaftsministerium angesiedelt sei, während nach wie vor auch weitere Ressorts und die Staatskanzlei mit eingebunden bleiben (müssen).
Und dass dann nicht einmal die zuständige neue Ministerin bereitstand, um hierzu Stellung zu beziehen, ebenso wenig wie der Ministerpräsident, ist auch, aber sicherlich nicht nur dem Umstand geschuldet, dass ja alles noch so neu sei und aktuell die Musik nicht in Bayern, sondern in Berlin spielen würde.

Dabei war auch Berlin in Bayern vertreten: in Gestalt des Bundesministers für Wirtschaft und Technologie, Dr. Philippe Rössler, durch seine Keynote im Zusammenhang mit der Frage: "Können die Deutschen Silicon Valley"?

Hier, im Rahmen dieser Veranstaltung, gab es einen der wenigen Momente, in denen die bundesdeutsche Medienindustrie über ihren eigenen nationalen Schlagschatten zu springen bereit war: allein, dieses Thema war dem Veranstalter weder den "Gipfel"-Status wert, noch irgendein Foto von irgend einem der TeilnehmerInnen.
Im Gegensatz dazu gab es am Morgen des gleichen Tages einen "Publishing Gipfel", auf dem selbst jedem Mitglied der Diskussionsrunde ein dickes Foto zugeeignet worden war, sogar dem unsterblichen Cherno Jabatai. [3]

Dass er hier nochmals eine namentliche Erwähnung findet ist der Tatsache geschuldet, das er am Schluss der Veranstaltung behauptet, dass er in der HuffPost in NewYork gelernt habe, dass neben jedem Journalisten ein "Tecki" sitzen würde. Und dass es heute die Aufgabe eines jeden Journalisten sei, zumindest in einer Programmiersprache "coden" zu können. [4]

[1Siehe insbesondere Anmerkung Nr. 3 in dem Text aus dem Jahr 2010 Verantwortung & Zukunft und vorangegangenen Beiträge.

[2Es sei denn man akzeptiert, was in dem Namen "Lounge" subsummiert werden kann: Ein Ort an den man sich zurückzieht zum "Chillen" und "Chatten" - c’est tout.
Umso wichtiger, dass wie bislang noch das Haus ASTRA und der BR für ein jeweils ausgesuchtes Publikum Nischen inklusive Catering bereithalten; in der BR-Lounge waren sogar an zwei Stellen zwei Dreifachverteiler installiert worden, um so die Geräte der anwesenden Gäst mit Strom versorgen zu können.

[3Da diese Runde aufgezeichnet wurde, empfiehlt sich dennoch eine nochmaliges Einsehen, und zwar des Eröffnungsbeitrages von Ken Doctor wegen.

[4Da im Verlauf der Veranstaltung dem Publikum keine Möglichkeit der Mitsprache eingeräumt worden war, gab es danach eine kurze Aussprache. Dabei wurde CJ. darauf hingewiesen, dass der Autor dieser Zeilen und Herausgeber dieser Publikation bereits Mitte der 80er Jahre am "coden" war. Und dass er als Ergebnis dieser Bemühungen heute in der Lage sei, aufgrund des damals geschriebenen CLIP-Protokolls zu erkennen, wer mit welcher Nummer ihn gerade anrufen würde...