Klick Huff Klack Post

Also, es ist klar: schon allein eine solche Überschrift wäre auf einer der Huffington-Post-Seiten nur von kurzer Dauer, wenn sie es denn überhaupt bis auf die Frontpage geschafft hätte. Eine Überschrift, die nicht sagt, worum es geht. Und die es nicht so sagt, als dass es einen etwas angehen würde, sie hätten keine Durchschlagskraft und keinen Bestand.

In Zeiten von Null-Komma-Nichts finden die Algorithmen heraus, wie die LeserInnen auf sowas reagieren und werden wohl alsbald dafür sorgen, dass "sowas" nicht allzu lange Bestand hat.

Dies "Zeitung" ist ein Wechselbalg der ganz besonderen Sorte - und sie hat damit Erfolg.

Jetzt ist die die Nummer Eins in den USA, noch vor der New York Times. So vermelden es übereinstimmend an diesem Tage Frau Dr. Michaela Haas aus ihrem ARD-Studio in Santa Monica und Herr Cherno Jobatey als Gast auf der Jahresvollversammlung des Journalistenverbandes Berlin Brandenburg, JVBB, in Berlin.

Nachdem Cherno sogleich zu Beginn seiner Einlassungen danach fragte, ob dieses Auftreten von ihm - "ich habe inzwischen 60 solcher Vorträge gehalten" - "unter Dreien" stattfinden werde oder nicht, macht es wenig Sinn hier und im Detail auf seine Aussagen - und die damit verbundenen Haltungen - einzugehen [1], werden wir an seiner statt umso ausführlicher Frau Haas [2] zu Wort kommen lassen:

"Die Huffington Post, die ja auch gerade in Deutschland gestartet ist, ist tatsächlich in Amerika das meistgelesene Newsmedium. Die hat sogar die New York Times überflügelt. [...] [Sie] hat ein einzigartiges Geschäftsmodell, sie bezeichnet sich ja selbst nicht als Newsmedium sondern als Newsaggregator. Also das sind Jäger und Sammler.

"Ich benutze die Huffington Post als Plattform, weil sie eben 20 Millionen Leser hat. Das nutze ich gerne um über Themen zu schreiben, die mir persönlich am Herzen liegen. [...] Ich blogge aus Eigeninteresse. [...] Ich finde dann meine Artikel überall auf der Welt wieder und die werden überall nachgedruckt, teilweise wird dann nur die Autorenzeile verändert... also wenn man mal anfängt, sich in dieses Universum zu begeben, wo Content umsonst zur Verfügung steht, dann scheint damit auch einherzugehen, dass das einfach auch geklaut und weiter verbreitet wird."

[...] Viele Online-Medien bezahlen nach Klicks. Und das heisst, je mehr Klicks ein Kommentar oder ein Beitrag bekommt, desto mehr Geld bekommt der Journalist. Und das lädt natürlich dazu ein, einfach knallige Themen zu machen und starke Thesen aufzustellen, anstatt fundierte Reportagen oder nachdenklich Betrachtungen, die es ja auch braucht im Journalismus, die aber nicht einhunderttausend Klicks bekommen werden. [...]

Die Huffington Post zum Beispiel arbeitet ja fast ausschliesslich nach Algorithmen Die gucken innerhalb von Minuten: Welches Thema läuft gut? Welche Schlagzeile läuft gut? Wenn’s nicht gut läuft, wird die Schlagzeile geändert, wird vielleicht knalliger gemacht, wird noch ein Ausrufezeichen drangehängt. Und das ist ’ne Art von Aufmerksamkeit, die natürlich zu einer Veränderung der Gewichtung führt. "

[1Schade eigentlich, denn nachdem der Verband ihm mit einer "the floor is yours"-Haltung hat ungehindert schwadronieren lassen, wäre es sicher gut gewesen, an dieser Stelle nachzuholen, was man eigentlich bei dieser Veranstaltung hätte machen sollen: ihm einen Gesprächspartner an die Seite zu geben, der aus den Reihen des Verbandes kommt und die Chutzpe gehabt hätte, an dieser Stelle einen eigenen Part zu spielen.

[2"Was ich aber noch interessanter finde, ist das, was Pierre Omidyar angekündigt, hat, der eBay-Gründer, denn der hat ja angekündigt, mit Glenn Greenwaldzusammenzuarbeiten und eine Online-Plattform zu schaffen, die sich gutem investigativem Journalismus widmet."