Berlinale: The "Classic" Caligari Cabinet

Zur Vorbereitung der Veranstaltungen des nachfolgenden Sonntags hier die zwei Pressemeldungen aus dem Hause Bertelsmann, die beide am 9. Dezember 2013 per Mail zugesandt und bereits seit diesem Zeitpunkt auch an dieser Stelle übernommen wurden wurden - nachträglich ergänzt um den Inhalt einer dritten Meldung vom Sonntag, den 9. Februar 2014 - und einer Anmerkung - sowie dem Hinweis, dass für all jene, die dieser "Premiere" nicht beiwohnen können, die Möglichkeit besteht, sich die neu digitalisierte Fassung samt eines Tonmitschnitts vom 9. Februar 2014 genau m Fernsehen anzusehen: Am 12. Februar 2014 ab 23:00 Uhr auf ARTE. Zusammen mit der Dokumentation: „Caligari - Wie der Horror ins Kino kam", die schon ab 22:05 gesendet wird.

I.

Berlinale Classics: Restaurierung von Das Cabinet des Dr. Caligari fast abgeschlossen

Wie bereits gemeldet (siehe Pressemitteilung vom 9. April 2013) präsentieren die 64. Internationalen Filmfestspiele Berlin am Sonntag, 9. Februar 2014, in der Berliner Philharmonie ein besonderes Highlight der Berlinale Classics: die Welterstaufführung der digital restaurierten Fassung von Robert Wienes Meisterwerk Das Cabinet des Dr. Caligari (1920).

Für die Restaurierung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in 4K Auflösung wurden erstmals alle relevanten Materialien verwendet: das im Bundesarchiv-Filmarchiv in Berlin erhaltene Kameranegativ, das gleichsam ein „Zeuge“ der Dreharbeiten ist, und mehrere zeitgenössische Verleihkopien aus internationalen Filmarchiven. Ziel der Restaurierung ist es, die Bildqualität, die Gestalt des Films, die expressionistischen Zwischentitel und die Charakteristik der historischen Färbungen möglichst überzeugend wiederherzustellen und so den Film in einer Qualität zu zeigen, die seinem Status als Klassiker gerecht wird.

„Durch die weltweit beachtete Berlinale-Premiere von Das Cabinet des Dr. Caligari kommt die Digitalisierung des Filmerbes in den öffentlichen Fokus. Was heute nicht verfügbar gemacht wird, droht im digitalen Medienzeitalter von der Bildfläche zu verschwinden“, so Ernst Szebedits, Vorstand der Murnau-Stiftung.

Die Aufführung wird auch in musikalischer Hinsicht eine Weltpremiere sein. John Zorn, Komponist und Multi-Instrumentalist aus New York, wird den Film an der Karl-Schuke-Orgel der Berliner Philharmonie begleiten und eine neue, teils improvisierte, teils notierte Musik spielen, die im Auftrag von ZDF/ARTE entstanden ist. Zorn synthetisiert in seiner Musik unterschiedlichste Einflüsse und Stilrichtungen, angefangen von der Neuen Musik über Jazz, Free-Jazz, Noise und Punk. Vor einigen Jahren entdeckte er die Orgel als Instrument für sich und hat seitdem eine Reihe vielbeachteter Konzerte gegeben. Die Musik wird live aufgezeichnet und am 12. Februar 2014 mit dem Film auf ARTE ausgestrahlt.

„Die Berlinale Classics bieten ein Forum für die Erstaufführung von hochwertigen digitalen Restaurierungen und Rekonstruktionen“, so Rainer Rother, Leiter der Retrospektive und Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek. „Wir freuen uns, 2014 mit Robert Wienes Das Cabinet des Dr. Caligari die Aufführung eines Stummfilmklassikers par excellence feiern zu können, dessen digitale Restaurierung auch auf eine Kopie aus der Deutschen Kinemathek zurückgreift.“

Die Präsentation bei den Berlinale Classics ist eine Kooperation der Internationalen Filmfestspiele Berlin mit der Stiftung Deutsche Kinemathek, der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, der Stiftung Berliner Philharmoniker sowie dem ZDF in Zusammenarbeit mit ARTE und 2eleven || zeitgenössische musik projekte.

Bei der kurz vor dem Abschluss stehenden, umfassend angelegten digitalen Restaurierung arbeitet die Murnau-Stiftung zudem mit dem Bundesarchiv-Filmarchiv sowie L’Immagine Ritrovata – Film Restoration & Conservation zusammen und wird von Bertelsmann unterstützt.

II.

Am gleichen Tag, also ebenfalls am 9. Dezember 2013, erreichte uns aus dem Hause Bertelsmann die folgende Nachricht:

Bertelsmann fördert digitale Restaurierung des
Stummfilmklassikers „Das Cabinet des Dr. Caligari“

• Neue Fassung feiert Premiere bei der Berlinale 2014
• Thomas Rabe: Bedeutendes europäisches Filmerbe wird bewahrt

Berlin, 9. Dezember 2013 – Das internationale Medien- und Dienstleistungsunternehmen
Bertelsmann fördert als Kooperationspartner der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung die
digitale Restaurierung eines der bedeutendsten deutschen Stummfilme: „Das Cabinet des
Dr. Caligari“. Das Werk von Robert Wiene aus dem Jahr 1920 gilt als Prototyp des
expressionistischen Films und Meilenstein in der Filmgeschichte. Der in seiner Bildqualität
und historischen Färbung einschließlich expressionistischer Zwischentitel wiederhergestellte
Stummfilm aus dem Bestand der Murnau-Stiftung kann damit seiner Bedeutung künftig
wieder gerecht werden. Für die Restaurierung, deren Hauptsponsor Bertelsmann ist, werden
erstmals alle relevanten überlieferten Materialien verwendet. Neu gestaltet wird die
musikalische Begleitung, die der für seine avantgardistischen Arrangements bekannte US Jazzmusiker
John Zorn im Auftrag von ZDF/arte übernimmt. Die restaurierte Fassung von
„Das Cabinet des Dr. Caligari“ wird am 9. Februar 2014 während der 64. Internationalen
Filmfestspiele in Berlin im Großen Saal der Philharmonie uraufgeführt. Kooperationspartner
der Präsentation bei den Berlinale Classics ist zudem die Stiftung Deutsche Kinemathek.

„Bertelsmann ist ein Unternehmen mit langer Filmtradition, dem auch die Bewahrung des
europäischen Filmerbes ein wichtiges Anliegen ist“, erklärte der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Thomas Rabe. „Die Restaurierung eines filmhistorischen Juwels wie
‚Das Cabinet des Dr. Caligari‘ zu ermöglichen, passt da gut ins Bild.“ Bertelsmann
veranstalte seit 2011 bereits jährlich die „UFA Filmnächte“, bei denen Stummfilm-Klassiker
unter freiem Himmel gezeigt und von Livemusik begleitet werden, erinnerte Rabe. Das
Format habe sich inzwischen zum Publikumsmagneten entwickelt.

Der Stummfilm „Das Cabinet des Dr. Caligari“ wird seit Anfang des Jahres von der Friedrich-
Wilhelm-Murnau-Stiftung in Zusammenarbeit mit Partnern wie einem spezialisierten
Kopierwerk in Bologna aufwändig digital restauriert. Bisherige Fassungen des Films basieren
auf verschiedenen zeitgenössischen Verleihkopien, die entsprechende
Abnutzungserscheinungen und einen Verlust an fotografischer Qualität aufweisen. Das
bislang ungenutzte Kameranegativ aus dem Bundesarchiv-Filmarchiv bietet nun die
Möglichkeit, eine neue Fassung des Films in deutlich verbesserter Bildqualität zu erstellen.
Die digitale Restaurierung ermöglicht es, einen digitalen Master des Films herzustellen, der
für sämtliche Auswertungsformen wie DVD, Blu-Ray, Fernsehauswertung und Kinoprojektion
geeignet ist.

In der Presseaussendung wird dieses Foto beigefügt

all rights reserved

mit der folgenden Legende:
Standfoto 1920_Quelle Deutsches Filminstitut DIF-Frankfurt am Main

Mit Bezug dazu hier der Hinweis auf zwei der früheren "DaybyDay"-Beiträge:
— vom Samstag, den 7. Dezember 2009: "Der Verlust der Bilder", in dem explizit auf die Arbeiten von Sasha Kisselkova eingegangen wird, in denen das Abbild - auch einer Filmfigur - einem dieser gegenüber veränderten Schattenfigur gegenübergestellt wird.
— vom 11. Februar 2012: "Stumm[?]Filme" in dem dokumentiert wird, wie der Berlinale-Trailer wie ein Stummfilm mit Klaviermusik unterlegt wurde.

III.

Nachtrag: Am Sonntagmorgen, den 09.02.2014, traf um 09:02 Uhr die nachfolgend hier zitierte Meldung ein - in der nun nicht mehr die "neue Fassung" Premiere feiert, sondern der Film selber. [1]

Bertelsmann feiert Caligari-Premiere bei der
Berlinale mit Empfang

Mehr als 300 Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Gesellschaft in Berliner
Repräsentanz „Unter den Linden 1“ erwartet

Berlin, 9. Februar 2014 – Mehr als 300 Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Gesellschaft
erwartet das internationale Medienunternehmen Bertelsmann am Sonntag am Rande der
Berlinale zu einem Empfang in seiner Berliner Repräsentanz „Unter den Linden 1“. Anlass ist
die feierliche Premiere des mit Unterstützung von Bertelsmann digital restaurierten
Stummfilmklassikers „Das Cabinet des Dr. Caligari“ kurz zuvor in der Berliner Philharmonie.
Die Aufführung stellt ein Highlight bei den diesjährigen Berlinale Classics dar.

„94 Jahre nach der Uraufführung kann dieses Meisterwerk des expressionistischen Films
heute erstmals in digitaler Kinoqualität aufgeführt werden“, erklärte der BertelsmannVorstandsvorsitzende
Thomas Rabe. Er dankte zugleich dem Projektpartner FriedrichWilhelm-Murnau-Stiftung
für die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit. „In den deutschen
Filmarchiven lagern noch Tausende weitere wertvolle Filme, die dringend digitalisiert werden
müssten, um auch künftig präsent zu bleiben – eine Aufgabe, die den Archiven nicht alleine
aufgebürdet werden kann“, betonte Rabe. Als Medienunternehmen, dass seit fast 180
Jahren mit kreativen Inhalten arbeitet, setze sich Bertelsmann auch heute, im Zeitalter der
Digitalisierung, für die Sicherung und den Erhalt bedeutender Kulturgüter früherer Tage ein.
Robert Wienes Stummfilm „Das Cabinet des Dr. Caligari“ aus dem Jahr 1920 wurde unter
der Federführung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung fast zwei Jahre lang in akribischer
Arbeit digital restauriert. Die Aufführung in der ausverkauften Berliner Philharmonie wird
musikalisch von dem New Yorker Komponisten John Zorn begleitet.

Zur Premiere bei der Berlinale in der Philharmonie bzw. zum anschließenden Empfang in der
Bertelsmann-Repräsentanz haben sich die neue Kulturstaatsministerin Monika Grütters, der
deutsche Regisseur und Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff, der Präsident der
Filmförderungsanstalt (FFA) Eberhard Junkersdorf und UFA-Chef Wolf Bauer angekündigt.
Kommen wollten des Weiteren die Schauspieler Joachim Król, Rufus Beck, Teresa
Weißbach, Francis Fulton-Smith und Gerd Wameling, die Moderatorin Dunja Hayali, der
Kolumnist Harald Martenstein und der deutsche Fotograf Jim Rakete. Aus Politik und
Wirtschaft wurden unter anderem die Berliner Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer und
Umweltsenator Michael Müller, der neue Leiter der europapolitischen Abteilung im
Auswärtigen Amt, Martin Kotthaus, sowie Dieter Schweer und Holger Lösch, Mitglieder der
Hauptgeschäftsführung des BDI, erwartet, außerdem die Botschafter Großbritanniens,
Italiens, Irlands, Österreichs und Luxemburgs. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die
Neue Nationalgalerie, die Staatsbibliothek zu Berlin und das Museum für Naturkunde
kündigten sich ebenfalls in prominenter Besetzung an.

Die Premiere bei der Berlinale ist eine Kooperation der Internationalen Filmfestspiele Berlin
mit der Stiftung Deutsche Kinemathek, der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, der Stiftung
Berliner Philharmoniker sowie dem ZDF in Zusammenarbeit mit ARTE und 2eleven ||
zeitgenössische musikprojekte. Bei der Restaurierung arbeitete die Murnau-Stiftung mit dem
Bundesarchiv-Filmarchiv in Berlin und weiteren Archiven zusammen. Neben Bertelsmann als
Hauptsponsor der Restaurierung förderten auch die VGF Verwertungsgesellschaft für
Nutzungsrechte an Filmwerken und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und
Medien das Projekt.


Und hier zum Vergleich: Der YouTube-Link zu: "The Cabinet of Dr Caligari"

[1Es mag dahingestellt bleiben, ob selbst eine solche Verkürzung in einem solchen Titel statthaft ist oder nicht. Auf jeden Fall lässt sich hier in einer solchen Überschrift eine interessante Situation ablesen, die es gilt, an anderer Stelle nochmals ausführlicher auszuleuchten. Bedeutet diese Positionierung als "Bewahrer des Erbes" auch schon eine neue Positionierung der Digitalstrategie, nachdem so wichtige Leute wie Zeiler oder jetzt Hesse das Unternehmen - aus welchen Gründen auch immer - verlassen haben?