Berlinale-Film-Dschungel-Führer

Wie gut, dass es gute KollegInnen gibt. In diesem Fall sind dies Max-Peter Heyne, Gabriele Leidloff and José Garcia ("Generation") [1], die auch in diesem Jahr wieder eine Liste mit Filmen und Filmempfehlungen erstellt und uns zur Kenntnis gebracht haben. Und die wir daher auch unserem Lese-Publikum nicht vorenthalten wollen.

Die nachfolgend genannten Filme sind in den folgenden Kategorien angeordnet...

DOK = Dokumentarfilm
EP = Europapremiere
IP = internationale Premiere
UT = Untertitel (subtitles)
WP = Weltpremiere

... und werden wie folgt unterschieden:

**** sehr empfehlenswert / very appealing
*** empfehlenswert / worthwhile
** mäßig empfehlenswert / maybe
* nicht empfehlenswert / poor

PANORAMA-Filme 2014

Anderson (WP) (DOK) ***
von Annekatrin Hendel, Deutschland, 90’, 2D DCP, Deutsch, engl. UT, mit Sascha Anderson
Erstmals nach vielen Jahren äußert sich der Dichter Sascha Anderson vor der Kamera über seine Zeit als Stasi-Spitzel, der für den DDR-Geheimdienst ausführliche Berichte über die Künstlerkreise Ostberlins verfasste. Das scheinbar abgegraste und schimmelige Thema wird kurzweilig und einsichtsvoll aufbereitet. Eine direkte Konfrontation mit den ehemaligen Freunden, die er verriet, gibt es aus welchen Gründen auch immer, nicht. Stattdessen behilft sich die Regisseurin, die Vorverurteilungen und Besserwisserei vermeidet, mit einer wunderbaren Idee, um Anderson aus der Reserve zu locken. Sie lässt den wichtigsten Originalschauplatz der damaligen Geschehnisse – die Wohnküche eines Künstlerehepaares aus dem Prenzlauer Berg – im Babelsberger Studio nachbilden und setzt den Dichter dort quasi wie in ein Versuchslabor hinein. Die nicht-wertende, zurückhaltende Fragestellung lässt dem Porträtierten zu viel Spielraum, sich klug daher redend aus der Affäre zu ziehen. Erst die ergänzenden Aussagen der Exfreunde und -Mitstreiter vervollständigen den kritischen Blick auf Anderson als Prototyp eines intelligenten, schlitzohrigen Selbstdarstellers.

Another World (WP) (DOK) ***
von Rebecca Chaiklin, USA, 87’, HDCAM, Englisch.
Die Dokumentation schildert die Entwicklung der Occupy Wall Street-Bewegung anhand des Werdegangs einiger ihrer Initiatoren. Weltweit griffen die New Yorker Ereignisse auf Protestbewegungen in anderen Ländern über, obgleich das Camp im Herbst 2011 nur zwei Monate bis zu seiner polizeilichen Räumung existierte. Die Protestler versuchten, Geld und Politik zu trennen und Lobbyismus aus Washington zu verbannen, wurden dabei aber gezielt von Gegnern unterwandert. Bis heute verfolgen die Porträtierten, die zum Teil auch in ihrem privaten Umfeld gezeigt werden, ihre politischen Ziele in nachfolgenden Projekten und Hilfsorganisationen wie occupyyourhomes.org. Sehenswerte, weil aufschlussreiche Dokumentation über eine basisdemokratische Bürgerbewegung.

Arrête ou je continue (If You Don’t, I Will) (WP) **
von Sophie Fillières, Frankreich, 102.0’, 2D DCP, Französisch, engl.UT, mit Emmanuelle Devos, Mathieu Amalric
Ein Ehepaar im mittleren Alter aus der französischen Mittelschicht hat sich nicht mehr viel zu sagen; vor allem die Frau muss feststellen, dass ihr Mann entweder nicht mehr willens oder fähig ist, ihr zu zeigen, dass er sie noch liebt. Eine gemeinsame Wanderung veranlasst die Frau, im Wald zu bleiben. Mit der Frau wird auch der Zuschauer in der ersten Filmhälfte durch die Redundanz der Situationen auf eine Geduldsprobe gestellt. Weniger amüsant als möglich gewesen wäre, lebt der Film nahezu ausschließlich von den schauspielerischen Leistungen.

The Better Angels ***
von A. J Edwards, USA, 94’, 2D DCP, Englisch, mit Jason Clarke, Diane Kruger, Brit Marling, Wes Bentley
Momentaufnahmen aus dem Leben der Familie eines Farmers und Holzarbeiters, die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in einer einfachen Blockhütte in den rauen Wäldern Indianas lebt. Ein deutlich erkennbar vom Stil Terence Malicks („Tree of Life“) inspiriertes, subtil gestaltetes Drama: ohne viel Dialog, bruchstückhaft und in schnellen, assoziativen Schnittfolgen werden Situationen und Erlebnisse aus der Sicht des siebenjährigen Jungen geschildert, der nach dem Tod der leiblichen Mutter in seiner Stiefmutter eine Vertrauensperson findet, die ihn gegenüber dem verhärmten und strafenden Vater in Schutz nimmt. Von lyrischer Qualität erinnert der sanft dahinfließende Film an das harte und entbehrungsreiche Leben der amerikanischen Pioniere bevor das Land industrialisiert wurde. ( Things People Do)

Bing Du (Ice Poison) (WP) **
von Midi Z, Taiwan/Myanmar, 95’, 2D DCP, Mandarin/Burmesisch, engl. UT, mit Wang Shin-Hong, Wu Ke-Xi
Ein langsames, aber stimmungsvolles Porträt zweier junger Protagonisten in der burmesischen Provinz: Ein Mann versucht, der Armut zu entfliehen, eine Frau will aus der Ehe flüchten, in die sie hineinverkauft wurde. Beide verwickeln sich in kriminelle Drogengeschäfte. Der Filme bietet Ansichten von Landschaften in Burma und dem Alltag der Hoffnungslosigkeit. Die Charaktere versuchen auf zähe Weise, ihrem Schicksal zu trotzen.

Blind (WP) ****
von Eskil Vogt, Norwegen/Niederlande, 96.0’, 2D DCP, Norwegisch, engl.UT, mit Ellen Dorrit Petersen, Henrik Rafaelsen, Vera Vitali, Marius Kolbenstvedt
Die junge, erblindete Ingrid traut sich kaum noch aus dem Haus, was ihren Ehemann Morten ärgert und enttäuscht. Derweil lernt der schüchterne Einar vom Haus gegenüber auf der Suche nach einer Partnerin seine Nachbarin Elin kennen, die wiederum in einem Chartraum mit Morten in Kontakt steht – oder ist das nur eine Fantasie Ingrids, die in ihrer Einsamkeit mit Elin ein Alter Ego erfunden hat? Immerhin erblindet auch Elin überraschend bei einem Rendezvous mit Morten. Die sehr überzeugenden Akteure verwickeln den Zuschauer auf reizvolle Weise in eine unvorhersehbare, komplexe dramaturgische Struktur. Zugleich gewinnt die Erzählung dem Thema Blindheit interessante neue Aspekte ab.

Calvary ****
von John Michael McDonagh, Irland/Großbritannien, 100.0’, 2D DCP Englisch, mit Brendan Gleeson, Chris O’Dowd, Kelly Reilly, Aidan Gillen
Ein Mann eröffnet Pfarrer James Lavelle im Beichtstuhl, dass er als Kind jahrelang von einem Priester missbraucht wurde und als Racheakt Lavelle in einer Woche töten will. Da ihm das Beichtgeheimnis verbietet, zur Polizei zu gehen, versucht der gutherzige Priester selbst, seinen zukünftigen Mörder – den der Zuschauer aus dem Kreis der Dorfbewohner bis kurz vor Schluss nicht identifizieren kann – vor der Tat zu bewahren. Die Besonderheit der spannenden Story besteht u.a. darin, dass aktuelle Thema des Missbrauchs nicht direkt zu verhandeln, sondern über ein Kaleidoskop interessanter Einzelszenen die Atmosphäre in einem malerischen irischen Dorf zu illustrieren, hinter dessen Türen sich skurrile und tragische Schicksale abspielen. Die elegante Inszenierung und die beachtlichen schauspielerischen Leistungen verführen den Zuschauer, sich auf die idyllischen und schwarzhumorigen Aspekte einzulassen, bis die Chronik eines angekündigten Mordes ihrem Höhepunkt zustrebt.

The Dog (DOK) ***
von Frank Keraudren, Allison Berg, USA, 101’, HDCAM, Englisch, mit John Wojtowicz
In dieser Dokumentation werden ausführlich die Hintergründe jenes Verbrechens aufgeblättert, das im Sommer 1972 die Bewohner Brooklyns stundenlang in Atem hielt und bereits drei Jahre später durch die Verfilmung von Sidney Lumet („Dog Day Afternoon“/„Hundstage“) berühmt wurde: Zwei unkonventionelle Männer überfielen eine Bank, wobei der Anführer gegenüber Medien und Polizei freimütig betonte, sein Motiv sei es, für seinen transsexuelle Ehefrau Geld für eine Geschlechtsumwandlung zu beschaffen. Dieser John Wojtowicz, später gespielt von Al Pacino, wurde von den Regisseuren über viele Jahre hinweg bis zu seinem Krebstod 2008 immer wieder zu seinem Leben und seiner Tat befragt. Dessen Talent zum Geschichtenerzählen kommt dem Unterhaltungswert des Films zugute, dessen angehäuftes Interviewmaterial über den geschilderten Einzelfall hinaus die schwul-transsexuelle Subkultur Amerikas und ihre Emanzipationsbestrebungen beleuchtet.

Fieber (Fever) (WP) *
von Elfi Mikesch, Luxemburg/Österreich, 80’ 2D DCP, Deutsch/Französisch, engl. UT
Anfang der Fünfzigerjahre wächst die kleine Franzi im österreichischen Städtchen Judenburg auf. Ihr bedrückendes Elternhaus wird von ihrem fieber- und nervenkranken, unberechenbaren Vater dominiert, der als französischer Fremdenlegionär in Nordafrika traumatisiert wurde. Jahrzehnte später unternimmt die Fotografin anhand von Fotos ihres Vaters in der Fantasie eine Reise in dessen Jugendzeit bzw. fährt an die realen Orte. In ihrer von Märchen- und Bilderbüchern entzündeten, kindlichen Fantasie vermischen sich Albtraum, Reales und Imaginäres. Eine verstaubte Fernsehästhetik der Siebziger Jahre, schleppender Schnitt bzw. Szenenwechsel von historisch zu heute, eine steife und aufgesetzte Inszenierung mit Theaterschauspielern, eine unglaubwürdig konstruierte Geschichte, beliebige Dialoge, bedeutungsschwangere Musik – an diesem Film stimmt nichts.

Felice chi è diverso (Happy to Be Different) (WP) (DOK)
von Gianni Amelio, Italien, 93’, 2D DCP, Italienisch, engl. UT
Spielfilmregisseur Amelio hat Interviews mit schwulen italienischen Männern aller Generationen über ihre Lebenserfahrungen geführt. Grundsätzlich sind die Interviewpartner und Gesprächsausschnitte gut ausgewählt; die Zusammenstellung bietet aber abseits der wenigen Anekdoten typisch italienischer Provenienz kaum Neues.

Güeros (WP) **
von Alonso Ruíz Palacios, Mexiko, 106‘, 2D DCP, Spanisch, engl. UT, mit Ilse Salas
Eine Coming-of-Age-Komödie und Road Movie, in dem die Reisenden kaum dazu kommen die Stadt zu verlassen. Stilistisch eine Hommage an die Nouvelle Vague - gedreht in stringentem schwarz-weiß, konsequent im Format 4:3. Der Teenager Tomás wird von seiner Mutter zu seinem großen Bruder geschickt, der in Mexiko-City studiert, mit seinem Freund Santos in einem Plattenbau lebt und an einem Uni-Streik teilnimmt. Alle zusammen versuchen, einem ehemaligen Starsänger an seinem Krankenbett zu besuchen, was Anlass für skurrile, unerwartete Szenarien des alltäglichen Geschehens in Mexiko-City im Jahre 1999 bietet.

Homeland (Ieji) ***
von Nao Kubota, Japan, 118’, 2D DCP, Japanisch, engl. UT, mit Kenichi Matsuyama, Yuko Tanaka, Sakura Ando, Takashi Yamanaka, Seiyo Uchino
Der jüngere zweier Brüder, Jiro, geht nach dem Nuklearunfall in Fukushima zurück in sein verseuchtes Heimatdorf, um dort weiter Reis anzubauen. Der Film entwickelt vor dem Hintergrund der realen Ereignisse eine komplexe Familien- bzw. Brüdergeschichte und illustriert beispielhaft Gefühle der Heimatlosigkeit und Desorientierung, unter denen die von der Katastrophe betroffenen Familien leiden, die gezwungen sind, ein improvisiertes Leben in Containern zu verbringen. Viele Aspekte der interessanten, filmisch bislang kaum aufgegriffenen Grundidee des glaubwürdig inszenierten Films werden dramaturgisch unglücklich erst im letzten Drittel behandelt. Positiv wirken die Bilder von Fahrten durch die verwaisten Landschaften und Straßenzüge sowie die überzeugenden Schauspieler.

In Grazia di Dio (WP)
von Edoardo Winspeare, Italien, 130’, 2D DCP, Italienisch, dt. UT
mit Celeste Casciaro, Laura Licchetta, Barbara De Matteis, Anna Boccadamo, Gustavo Caputo Spielfilmregisseur Amelio hat Interviews mit schwulen italienischen Männern aller Generationen über ihre Lebenserfahrungen geführt. Grundsätzlich sind die Interviewpartner und Gesprächsausschnitte gut ausgewählt; die Zusammenstellung bietet aber abseits der wenigen Anekdoten typisch italienischer Provenienz kaum Neues.

Is the Man Who is Tall Happy? (DOK) ***
von Michel Gondry, ,Frankreich, 89.0’, ProRes 422, Englisch, mit Noam Chomsky
Wenn Michel Gondry Noam Chomsky interviewt, ist dies alles andere als dröge und trocken, zumal der Franzose versucht, die wissenschaftlichen und politischen Thesen des Sprachtheoretikers und Politaktivisten vermittels verspielter Piktogramme und schablonenartiger Animationen zu illustrieren und so in seinen eigenen kreativen Kosmos zu integrieren. Intelligent konzipierter, fantasievoller, informativer, ironischer Film über einen Wissenschaftler, dessen Biografie und Philosophie – wenn auch nur ausschnitthaft – filmisch endlich überhaupt einmal hervorgehoben wird. In Chomskys Thesen als auch in die stringente Machart seines Animationsstils verfängt sich Regisseur und Zeichner Gondry auf sympathische Weise, wobei der Film die eine oder andere Kürzung vertragen hätte.

Journey to the West (Xi You) (WP) *
von Tsai Ming-liang, Frankreich/Taiwan, 56’, 2D DCP, Mandarin, engl. UT
mit Kang Sheng Lee, Denis Lavant.
Ein buddhistischer Mönch, der sich auf nackten Füßen in äußerster Entschleunigung durch Marseille bewegt – im Zeitlupentempo! Treppe hoch, Treppe runter, am Café vorbei. Verzierte Architektur. Eine interessante Idee, Zeit zu thematisieren, aber eine zu beliebige Collage minutenlanger Totalen. Die Einladung ins Panorama statt ins Forum-Expended ist nicht nachvollziehbar.

The Lamb (Kuzu) (WP) **
von Kutlug Ataman, Deutschland/Türkei, 87’, 2D DCP, Türkisch, engl. UT
mit Nesrin Cavadzade, Cahit Gök, Mert Tastan, Sila Lara Cantürk, Nursel Köse
In einem kleinen Städtchen Süditaliens muss eine Familie erleben, dass ihre kleine exklusive Textilfabrik nicht mehr überlebensfähig ist. Mit der Verschuldung und dem Verlust des Elternhauses gehen die weiblichen Familienmitglieder unterschiedlich souverän um. Erst nach einer Weile gelingt den Frauen aus drei Generationen ein Neuanfang, ohne dass die unterschiedlichen Temperamente und Lebensentwürfe im Weg stehen. Eine insgesamt naturalistisch geschilderte Geschichte aus dem Italien von heute, in denen einige humorvolle Szenen und poetische Bilder die Akzente setzen. Die Filmemacher begegnen allen ihren Charakteren mit warmherzigem Verständnis.

The Midnight After (The Midnight After) (WP) *
von Fruit Chan, Hongkong, China, 124’, 2D DCP, Kantonesisch, engl. UT,
mit Wong You-nam, Simon Yam, Kara Hui, Janice Man, Lam Suet.
Eine Gruppe von Linienbuspassagieren muss erleben, dass nach der Durchquerung eines Tunnel plötzlich alle anderen Einwohner Hongkongs verschwunden sind. Auf ihrer Recherche nach den Gründen passieren nicht nur unheimliche Ereignisse, sondern brechen auch Konflikte unter den Isolierten auf. Die aus anderen Science-Fiction-Filmen entlehnte Ausgangsidee dient für einen vielversprechenden Auftakt. Doch schon bald verliert sich die Inszenierung in einer holprigen Aneinanderreihung von wirren Szenen voll kruder Einfälle. Sollte der eigentlich begabte Regisseur eine unterhaltsame Parodie oder Groteske im Sinn gehabt haben, so ist er an dem faserigen Drehbuch gescheitert, das die Niederungen des Trashs nicht überwinden kann.

The Night (YE) (WP) ***
von Zhou Hao, Volksrepublik China, 95’, ProRes 422, Mandarin, engl. UT
mit Zhou Hao, Liu Xiao Xiao, Li Jin Kang, Zhou Feng Qi
Regisseur und Hauptdarsteller Zhou Hao wagt ein gelungenes und ehrliches filmisches Experiment über seinen eigenen Narzissmus: Die gesellschaftliche Ächtung einer gelebten Homosexualität umkreist der Film ironisch, atmosphärisch dicht, in wenigen Szenarios und knappen Dialogen sowie lässigen Darstellern. Kamera und Lichtbestimmung in schwarz-weiß und Farbe. Lyrik und Lieder, die den Inhalt schmücken, sind geschickt eingefügt.

Meine Mutter, ein Krieg und ich (My Mother, a War and Me) (WP) (DOK) **
von Tamara Trampe, Johann Feindt, Deutschland, 78‘, 2D DCP original, Deutsch, engl. UT
mit Vera Herr, Ivan Strelschenko, Raissa Portlova, Galina Serschantina, Alexandra Mochij
Essayistischer Dokumentarfilm der Regisseurin Tamara Trampe über ihre Mutter, die als junge Krankenschwester zusammen mit ukrainischen Soldatinnen an der Front wider die Faschisten kämpfte, dort ihr Kind zur Welt brachte und später einen deutschen Kommunisten heiratete. Interviews mit noch lebenden Verwandten, Ex-Soldatinnen und –Partisaninnen erinnern an den Mut und das Leiden einer (weiblichen) Bevölkerung während eines verheerenden Krieges, dessen Symbolik zu sozialistischen Zeiten verklärt, seine individuellen Folgen aber ignoriert wurden. Leider können sich viele der Interviewten als Altersgründen kaum mehr an Einzelheiten erinnern. Der Film hätte einige Jahre früher gedreht werden sollen.

O Homem das Multidões (The Man of the Crowd) *
von Marcelo Gomes, Cao Guimarães, Brasilien, 95.0’, 2D DCP, Portugiesisch, engl.UT, mit Paulo André, Silvia Lourenço
„Juvenal ist Straßenbahnfahrer in Belo Horizonte, einer der größten Städte Brasiliens. Den Feierabend verbringt der stille Mann in seiner Wohnung. Wenn er Durst hat, trinkt er Wasser aus seinem einzigen Wasserglas. Seine Kollegin Margô bittet ihn, bei ihrer Hochzeit Trauzeuge zu sein.“ Zäh und diffus porträtierte Freundschaft zwischen Berufskollegen. Auch das ungewöhnlich gestauchte Format hilft nicht und trägt nicht zu irgendeiner Form von Spannung bei. Kaum erträgliche Reihung banaler Alltagsszenen.

Papilio Buddha ****
von Jayan Cherian, Indien/USA, 108.0’, 2D DCP, Malayalam, engl.UT, mit Kallen Pokkudan, Saritha Sunil, Sreekumar SP, David Briggs, Prakash Bare, Thampy Antony
Eine Szene wie im Paradies: Shankaran entdeckt einen Papilio Buddha, einen seltenen Schmetterling, der nur in den indischen Western Ghats beheimatet ist. Der Vater ist Anführer einer Gruppe von Dalits, Kastenlosen oder Unberührbaren, die vielerorts in Indien einen brutalen Kampf um Landrechte führen. Aus Sicht der Polizei sind sie Terroristen, obwohl ihre Rechte seit der Unabhängigkeit des Landes in der Verfassung geregelt sind. Auch Shankaran kommt ins Gefängnis und Jack wird wegen seiner Nähe zu ihm kurzerhand ausgewiesen. Das Paradies wird zur Kampfzone. Der Film zeigt bildmächtig und ohne politische Tabus die Komplexität der tief verwurzelten Traditionen, des Kastensystems, der sozialen und religiösen Konflikte zwischen Buddhisten und Hindus in Indien. Auch die ungeheure Brutalität der korrupten Polizei, die Stigmatisierung der Homosexualität und das aktuelle Phänomen von Massenvergewaltigung werden im Laufe der Handlung ungeschminkt dargestellt. Der Film bezieht angstfrei und eindrucksvoll Stellung.

Quick Change **
von Eduardo Roy Jr., Philippinen, 98.0’ 2D DCP Tagalog, engl. UT
mit Mimi Juareza, Jun jun Quintana,Miggs Cuaderno, Francine Garcia, Natashia Yumi
Momentaufnahmen und Schicksale innerhalb der transsexuellen Szene in der Hauptstadt der Philippinen, einem Land, wo trotz eines ausgeprägten Katholizismus viele Menschen ein vergleichsweise entspanntes Verhältnis zu Geschlechtsumwandlungen und Doppelgeschlechtlichkeiten pflegen. Bei den Betroffenen in diesem Film führt das Laissez Faire zu einem exzessiven und bedenkenlosen Gebrauch von Schönheitsoperationen und dem Spritzen von Implantationsflüssigkeiten. Eine offene, über weite Strecken irritierende Sicht auf befremdliche Phänomene einer Nischengesellschaft in einem Entwicklungsland.

Risse im Beton (Cracks in the Concrete) (WP) **
von Umut Dağ, Österreich, 105’, 2D DCP Deutsch, mit Murathan Muslu, Alechan Tagaev, Ivan Kriznjak, Shamil Illishanov, Daniel Mijatovic.
Gangs, Drogen, Rap in der Migrantenszene in Wien. Konventionell aufgebautes Sozialdrama, von den Amateuren teils zu ausdrucksvoll gespielt, mit einer zu vorhersehbaren Dramaturgie.

Things People Do (WP) ****
von Saar Klein, USA, 109’, 2D DCP, Englisch, mit Wes Bentley, Jason Isaacs, Vinessa Shaw, Haley Bennett
Der Familienvater Scanlin kann die Raten für sein Eigenheim in der Provinz des amerikanischen Mittelwestens nicht mehr bezahlen und wird so wird ein Opfer der US-Hypothekenkrise. Ohne sich seiner Frau anzuvertrauen, wird Scanlin aus Not zum bewaffneten Räuber, der bald sogar Freude an seinem diabolischen Tun empfindet. Der Regisseur und Koautor verfolgt die unvorhersehbare psychologische Entwicklung der Charaktere sehr präzise, die auch schauspielerisch sehr überzeugend vermittelt wird. Bemerkenswert ist außerdem die Symbolik der Drehorte und der aus vielen Einsprengseln bestehende, jedoch sehr flüssige Schnittrhythmus, der an Terence Malicks Vorgehensweise geschult ist. (->The Better Angels)

Through A Lens Darkly: Black Photographers and the Emergence of a People (DOK) ***
von Thomas Allen Harris, USA, 90’, HDCAM, Englisch, mit Carrie Mae Weems, Lorna Simpson, Hank Willis Thomas, Lyle Ashton Harris, Glenn Ligon
Die Geschichte der Fotografie aus afroamerikanischer Sicht, illustriert anhand unzähliger Archivfotos und Interviews mit afroamerikanischen Fotografen, Sammlern und Historikern. Fotografie als Ausdrucksmittel wird unter dem Aspekt von Fremd- und Selbstrepräsentation neu gelesen und kritisch analysiert. Hingewiesen wird auf kunsthistorisch wichtige Pioniere wie Frederick Douglas, Roy De Carvava und Deborah Willis, die nachfolgende Künstler und ihre eigenen fotografischen Arbeiten beeinflussten, sich von der Sklaverei zu emanzipierten. Flotte, redundante, etwas zu sentimentale und mit aufdringlicher Musik unterlegte Collage, die einen aufschlussreichen Eindruck davon vermittelt, wie die Black Community Amerikas die Kamera als Mittel für soziale Veränderungen seit den Anfängen der Fotografie bis in die Neuzeit für sich zu nutzen verstand.

Triptyque (Triptych) ***
von Robert Lepage, Pedro Pires, Kanada 2013, 94.0’, 2D DCP, Engl./Deutsch/Französisch, engl.UT
mit Lise Castonguay, Frédérike Bédard, Hans Piersbergen
Eine ältere Frau verlässt die Psychiatrie in Québeck, bleibt aber fragil. Ihre Schwester erkrankt an einem Gehirntumor, der ihre Arbeit als Jazzsängerin bedroht, und sie begibt sich in die Hände eines deutschen Chirurgen, der wiederum seine Ehe am Ende wähnt und selbst mit einem Nervenleiden zu kämpfen hat. Episodenfilm, der die drei Einzelschicksale jeweils aus den individuellen Blickwinkeln erzählt und eine interessante Figurenkonstellation entwirft. Melodramatisch und theatralisch – wie bei LePage üblich. Zuschauer, für die Gehirnoperationen nichts Übliches sind, sollten sich gedanklich wappnen (und zuvor auf Mahlzeiten verzichten).

Viharsarok (Land of Storms) (WP) **
von Adam Császi, Ungarn, 105’, 2D DCP, Ungarisch/Deutsch, engl UT
mit Andras Süto, Adam Varga, Sebastian Urzendowsky
Der junge Fussballer Szabolcs halt dem Erfolgsdruck in einer deutschen Nachwuchsmannschaft nicht stand und kehrt in sein Heimatdorf in der ungarischen Provinz zurück. Dort freundet er sich ausgerechnet mit Áron an, der versucht, seinen Motorroller zu stehlen, ihm dann aber hilft, das verfallene Elternhaus zu renovieren. Die homoerotische Beziehung bleibt nicht lange geheim und zeigt den Männern, dass es mit der Toleranz der Dörfler nicht weit her ist, was bei Áron Unsicherheit und Selbstverleugnung auslöst. Ein subtiles, unaufgeregt erzähltes, schön fotografiertes und gespieltes Drama, das die Ästhetik über die Dramatik stellt. Allegorisch beschreibt der Film, wie die Versuche der beiden Außenseiter, sich gegenseitig beizustehen, angesichts einer reaktionären Mehrheitsmeinung zum Scheitern verurteilt sind.

Vulva 3.0 (WP) (DOK) ***
von Claudia Richarz, Ulrike Zimmermann, Deutschland, 78’ 2D DCP Deutsch, engl. UT
Alles, aber wirkliches alles, was Sie schon immer über das weibliche Genital wissen wollten, tragen die beiden Filmemacherinnen zusammen: Warum wurden Darstellungen weiblicher Geschlechtsteile so lange tabuisiert, werden sie heutzutage retuschiert, chirurgisch optimiert und noch immer verstümmelt? Ein buntes Kaleidoskop mit gut ausgewählten Interviewpartnern, die einen Teil der Geheimniskrämerei lüften. Gut ausgewählte Interviewpartner, die das Spannungsfeld des über Jahrhunderte tabuisierten Themas in unterschiedlicher Weise verkörpern.

Yves Saint Laurent **
von Jalil Lespert, Frankreich, 105‘, 2D DCP, Französisch, engl. UT
mit Pierre Niney, Guillaume Gallienne, Charlotte Le Bon, Laura Smet, Marie De Villepin
Paris 1957.
Die chronologisch nacherzählte Biografie des berühmten Modemachers, der bereits als Mitzwanziger zum Leiter des Hauses Dior wurde und in Pierre Bergé einen Lebens- und Geschäftspartner fand, mit dessen Hilfe Saint Laurent ein eigenes Modeimperium gründete. Eine durchaus unterhaltsame, aber angesichts des interessanten Lebenslaufes von Saint Laurent arg konventionelle, plakativ bebilderte Biografie, die sich insgesamt zu wenig traut, Schwerpunkte zu setzen. Immerhin ist einiges der ehemals Aufsehen erregenden Modekollektionen des chronisch depressiven Saint Laurents im Film zu sehen.

FORUM-Filme 2014

40 Days of Silence (Chilla) **
R: Saodat Ismailova, D: Rushana Sadikova, Saodat Rahminova, Barohad Shukurova. Niederlande/Deutschland/Frankreich 2014, 87 min, Usbekisch mit engl. UT – WP
Eine minimalistische, ästhetisch überzeugend fotografierte Schilderung des kargen Lebens von Frauen aus vier Generationen in der usbekischen Provinz. Während die Großtante sich in einer traditionellen, ländlich-vormodernen Existenz eingerichtet hat, sucht ihre Nichte nach Alternativen. Die sorgsam durchkomponierten, sich auf Details fokussierenden Bilder und die Exotik der Schauplätze können den fast völligen Verzicht auf Handlung bis zu einem gewissen Maße aufwiegen.

The Airstrip – Aufbruch in die Moderne - Teil III – WP (DOK) ***
von Heinz Emigholz. Deutschland 2014, 108 min, Deutsch
Der 21. Teil von Emigholz‘ Serie „Photographie und jenseits“ bietet die gewohnten Einzelbildfolgen von ausgewählten Orten in Europa, Südamerika und auf der japanischen Insel Saipan, zu Textzitaten über den Aufbruch der Moderne. Er projiziert eine Reihe von Bauwerken, Flughäfen, Autobahnen und Bushaltestellen, Kaufhäuser, Markthallen und Lagerhäuser sowie Kirchen, Kathedralen, Skulpturen und Monumente, ein Gefängnis und ein Stadion, zu einer architektonischen Klammer. Zur Rahmennovelle gehören Anspielungen auf die kapitalistische, religiös-melancholische und moralstiftende Welt.

Al midan (The Square) (DOK) ****
von Jehane Noujaim. USA/Ägypten 2013, 104 min, Arabisch/Englisch mit engl. UT
Zwei Jahre lang hat Jehane Noujaim verschiedene Akteure auf dem Tahrir-Platz mit der Kamera begleitet, in der die Eskalation von Gewalt aus einer Revolution einen Bürgerkrieg machten: Ahmed Hassan, ein junger Mann aus dem Arbeiterbezirk Shobra, der schon als Achtjähriger Geld verdienen musste. Der ägyptisch-britische Schauspieler Khalid Abdalla stammt aus einer Familie, die seit Generationen für mehr Demokratie im Land kämpft. Die vielleicht tragischste Figur ist Magdy Ashour, der als Muslimbruder unter Mubarak verhaftet und gefoltert wurde – und auf dem Tahrirplatz, damals im Januar 2011, in Khalid und Ahmed Freunde und Verbündete fand. Die Materialfülle, die Grenzgänger-Perspektive, die unterschiedlichen, charismatischen Protagonisten und eine Filmemacherin, die keine Gefahr scheute, um ihre Bilder zu bekommen, ergeben eine beeindruckende Dokumentation.

At Home (Sto spiti) – WP **
R: Athanasios Karanikolas, D: Maria Kallimani, Marisha Triantafyllidou, Alexandros Logothetis, Giannis Tsortekis, Zoi Asimak. Deutschland/Griechenland 2014, 103 min, Griechisch/Georgisch mit engl. UT
Die seit vielen Jahren als Haushälterin und Kindermädchen eines vermögenden Paares arbeitende Nadja erkrankt chronisch, woraufhin ihre freundschaftliche Verbundenheit zur Familie nicht mehr viel gilt. Vor allem auf Drängen des Hausherrn wird die illegal in Griechenland Lebende aus der Villa gedrängt. Das subtile, ästhetisch stringente Psychodrama um verdeckte, langsam aufbrechende Klassenunterschiede leidet unter den Einschränkungen der Schwarz-Weiß-Konstellation der Figuren.

Le beau danger – WP (DOK) *
von René Frölke. Deutschland/Italien 2014, 100 min ,
Englisch/Rumänisch/Französisch/Italienisch mit dt. UT
Norman Manea, 1936 in der Bukowina geboren, wurde 1941 mit seiner Familie in ein Konzentrationslager deportiert. Er überlebte die Gefangenschaft, wurde Schriftsteller und emigrierte 1986 aus Rumänien in den Westen. Heute lehrt und schreibt er in New York. „Eine vielschichtige Textur aus Schrift und Rede (…), Ton-Collagen und Rauschen – ein Film aus Fragmenten mit vagen Zusammenhängen, kein kohärent erzähltes Künstlerporträt.“ Soweit die PR-Prosa zum Film. De facto handelt es sich um einen anstrengenden Lesefilm mit endlos projizierten Texten, die formal dilettantisch mit Archivmaterial und Interviewausschnitten (teilweise ohne Ton, wenn Manea etwas Interessantes sagt) zerhäckselt wurden. Angesichts der interessanten Biografie ärgert die Auswahl an belanglosen Zitaten und Schwarz-Weiß-Bildern, die dem Schriftsteller und seinem Werk nicht gerecht werden. Das Thema einer Dokumentation über Manea ist damit leider – in doppelter Hinsicht – vergeben worden.

Butter on the Latch – WP *
von Josephine Decker mit Sarah Small, Isolde Chae-Lawrence, Charlie Hewson, USA 2014, 72 min, Englisch
Ein langwieriges, auf authentisch getrimmtes Szenario zweier jugendlicher Freundinnen, die sich bei einem Workshop auf einem Balkanfolkfestival in den kalifornischen Wäldern von Medocino verwirren wollen bzw. zu verirren versuchen. Nur der Regisseurin gelingt es. Sehr amerikanisch aufgezogen, voller pseudo-suggestiver Einsprengsel, noch dazu mit einem unglaubwürdigen Finale.

DMD KIU LIDT – WP (DOK) *
von Georg Tiller mit Andreas Spechtl, Stefan Pabst, Thomas Schleicher, Christiane Rösinger, Österreich/Deutschland 2014, 55 min, Deutsch/Englisch
Ein Anti-Musikfilm über die österreichische Band „Ja, Panik“, der – bitte recht originell! – die Bandmitglieder nicht beim Spielen zeigt, sondern wie sie sich bedeutungsschwer anschweigen. Die traurige Karikatur eines künstlerisch anspruchsvollen Films.

The Darkside – IP ***
R: Warwick Thornton, D: Claudia Karvan, Aaron Pedersen, Bryan Brown, Deborah Mailman, Australien 2013, 94 min, Englisch mit engl. UT
Eine Zusammenstellung kurzer, persönlicher Erzählungen über die Begegnung mit geisterhaften Erscheinungen bzw. Ahnen im Zwischenleben, die Filmemacher Warwick Thornton auf einen Aufruf hin von Aborigines als auch Weißen zugetragen wurden. Skurrile und bedrückende Geschichten wechseln sich ab; zu Letzterem zählt die Geschichte einer Forscherin, die im australischen Filmarchiv nachts die Stimmen der dort einstmals zu wissenschaftlichen Zwecken vermessenen und sezierten Aborigines hört, deren sterbliche Überreste bis heute nicht bestattet sind. Dass Thornton die Interviews an sorgfältig ausgewählten Orten mit professionellen Schauspielern nachinszeniert hat, nimmt ihnen nichts von ihrer Glaubwürdigkeit. Dank der Protagonisten ein interessantes Spiegelbild der spirituellen Kraft der indigenen Kultur Australiens, die auch seine weißen Bewohner zu inspirieren oder heimzusuchen scheint.

Forma – IP **
von Ayumi Sakamoto mit Emiko Matsuoka, Nagisa Umeno, Seiji Nozoe, Ken Mitsuishi. Japan 2013, 145 min, Japanisch mit engl. UT
Die junge, aufstrebende Büroleiterin Ayako bietet ihrer ehemaligen Schulfreundin Yukari nach einem zufälligen Zusammentreffen eine Stelle an. Nach der ersten Freude muss Yukari feststellen, dass es Ayako darauf anlegt, sie zu demütigen, ohne dies offenkundig werden zu lassen. Die langen, statischen Einstellungen, die mehr Handlung und Dialog auslassen als zeigen, täuschen einen Iinearen Ablauf vor, der schon bald einer sehr komplexen, elliptischen Handlungsstruktur weicht, bis nicht nur die beruflichen, sondern auch moralischen Positionen der Charaktere in Frage stehen. Eine ehrenwerte, indes sehr zähe und schließlich zunehmend anstrengende Versuchsanordnung für die Hardcore-Philosophen unter den Zuschauern.

Free Range / Ballaad Maailma Heakskiitmiset – IP ***
R: Veiko Õunpuu, D: Lauri Lagle, Jaanika Arum, Roman Baskin, Estland 2013, 102 min, Estnisch mit engl. UT
Ein junger Schriftsteller verwühlt sich in sein Leben, trifft auf seinen eigenen Widerstand und schafft es schlussendlich, mit einer seiner Lieben eine Familie zu gründen. Atmosphärisch aufgeladene, auf 16-mm-Kamera gedrehter Film mit eingespielten Songs von Vinyl aus den 70ern, die Pate standen bei der Handlung, die an den „Fänger im Roggen“ erinnert. Der Mentalität des Landes entsprechend lakonisch erzählt.

Ghashiram Kotwal **
von K. Hariharan, Mani Kaul mit Mohan Agashe, Om Puri, Rajni Chauhan, Mohan Gokhale. Indien 1977, 107 min, Marathi mit engl. UT
Mit den Mitgliedern eines Theaterkollektivs und basierend auf dem gleichnamigen Theaterstück inszeniert der Film die Krise der Peshwa/Marati-Epoche und deutet ein Stück indischer Geschichte um. Sehr spezielles, typisch indisches Epos mit theatralischen Szenen, Tanz und Musik. Bespielt werden die historischen Vorgänge, auf denen auch die Vorlage beruht: die Biografie von Nana Phadnavis (1741–1800), einem einflussreichen Minister und der Fall des Peshwa-Regimes in West-Indien vor dem Hintergrund einer Politik von Intrigen und Korruption, die während der wachsenden kolonialen Bedrohung der Briten das Land verwüstete. Der Film entwickelt seine experimentelle Ästhetik aus der Beschäftigung mit fiktionaler und dokumentarischer Praxis in Theater und Film. Restaurierte Fassung aus den Beständen des Archivs des Forums/Arsenals.

Ich will mich nicht künstlich aufregen – WP ****
von Max Linz mit Sarah Ralfs, Pushpendra Singh, Barbara Heynen, Hannelore Hoger. Deutschland 2014, 82 min, Deutsch/Englisch mit engl. UT
Fantasievolle, einfallsreiche und mehrschichtige Persiflage auf die Kunstszene mit Fokus auf Berlin. Der Film nutzt adäquat und innovativ die diversen stilistischen Mittel abgestimmt auf die Inhalte der Szenen; spezielle Szenarios wie Soap Opera, Radiointerview, urbane Realitäten mit Zitaten aus der Vergangenheit, die heute noch gültig sind. Für jeweilige Prototypen werden Schauspieler, skurrile Dialoge, Kostüme, Zeitsprünge, Splitscreens und Kamerafahrten gefunden. Der Film zieht noch eine weitere Ebene ein: Die Kuratorin und Hauptdarstellerin wird malerisch, melancholisch in längeren Einstellungen selbst wie ein Kunstprojekt inszeniert. Jede Szene überrascht, sodass der Film das strapazierte Thema Kreativwirtschaft nicht plakativ bebildert.

Iranien (Iranian) – WP (DOK) ***
von Mehran Tamadon. Frankreich/Schweiz 2014, 105 min, Farsi mit engl. UT
Ein gelungenes Experiment des Regisseurs, für das er zwei Jahre lang kämpfen musste: vier Verfechter des Regimes im Iran dazu überreden, mit ihm gemeinsam in einer Wohngemeinschaft einige Tage im Landhaus seiner Familie zu verbringen. Tamadon provoziert seine Gäste charmant, ohne seine atheistische, regimekritische Identität zu verleugnen. Er ist immer Teil der Szenerie, sitzt ihnen als Interviewer gegenüber, diskutiert mit den orthodoxen Geistlichen die Vor- und Nachteile einer säkularen Gesellschaft, den Schleier, Abtreibung, Pressefreiheit. Es geht kontrovers zu, aber es wird auch viel gescherzt, zusammen gekocht und sogar gebetet; insgesamt herrscht eine entspannte, dialogische Atmosphäre.

Joy of Man’s Desiring (Que ta joie demeure) – WP *
von Denis Côté mit Guillaume Tremblay, Emilie Sigouin, Hamidou Savadogo, Ted Pluviose. Kanada 2014, 70 min, Französisch mit engl. UT
Menschen, die Maschinen konzentriert bedienen, sie füttern, Arbeitsprozesse, Pausengespräche in der Umkleide, der Kantine. Eine Aneinanderreihung von minimalistischen Ausschnitten mit fragmentarischen Gesprächen und Kommentaren, die zu beliebig und unglaubwürdig wirken, um – wie beabsichtigt – als abstraktes Theater gelten zu können. Die (zu) langen Einstellungen bieten zu wenig Gehaltvolles; einzig die Bebilderung alltäglichen Handwerks hat einen Reiz.

The Kidnapping of Michel Houellebecq (L’enlèvement de Michel Houellebecq) – WP ***
von Guillaume Nicloux mit Michel Houellebecq, Mathieu Nicourt, Maxime Lefrançois. Frankreich 2014, 92 min, Französisch mit engl. UT
Der kontroverse Schriftsteller Michel Houellebecq („Elementarteilchen“) lebt meist unerkannt als Bohemien in Paris. Eines Tages wird er unversehens von bulligen Gangstern gekidnappt und in der Hoffnung auf Lösegeld tagelang in einem Haus außerhalb von Paris festgehalten. Der sehr auf Rückzug und Privatheit erpichte Autor kann der Geiselnahme sogar gute Seiten abgewinnen: Houellebecq trinkt und raucht wie gehabt, lernt etwas Kampfsport, macht sexuelle Erfahrungen mit einer ihm zugeführten Prostituierten und versteht sich immer besser mit seinen Entführern, denen er wiederum Kulturthemen näherbringt. Regisseur Guillaume Nicloux gibt eine fiktive Antwort auf das Rätsel, warum Houellebecq im September 2011 kurzzeitig wie vom Erdboden verschwunden war, als er auf einer Lesereise sein sollte. Der schrullige Houellebecq genießt das Zelebrieren seines Images als menschenscheuer Exzentriker, wobei sich die Inszenierung allerdings mit oberflächlichen Bonmots und Sketchen begnügt.

Kumiko, the Treasure Hunter – IP ***
von David Zellner mit Rinko Kikuchi, Nathan Zellner, David Zellner, USA 2014, 105 min, Englisch/Japanisch mit engl. UT
Die verhuschte, leicht autistisch wirkende Kumiko entflieht ihrer Heimat Tokio und macht sich im winterlichen-eisigen Minnesota stur und unbeirrt auf die Suche nach dem vergrabenen Schatz, der im Krimi „Fargo“ (1998) der Coen-Brüder (based on true events!) irgendwo im Schnee an einem Zaun vergraben wurde. Das unterhaltsame Roadmovie der Zellner-Brüder ist zwar nicht so schwarzhumorig wie das ihrer Kollegen, strotzt aber ebenfalls vor absurden Momenten und kauzigen Figuren und ist insofern eine gelungene Huldigung des berühmten Vorbilds.

N - The Madness of Reason – WP (DOK) ****
von Peter Krüger mit Michael Lonsdale, Wendyam Sawadogo. Belgien/Deutschland/Niederlande 2014, 102 min, Französisch/ Bambara/ Dioula/ Senufo/ Sonhoy/ Anyin mit engl. UT
Der französische Abenteurer Raymond Borremans (1906–1988) fühlte sich als junger Mann von Afrika angezogen – nicht als Kolonialist, sondern als Suchender, der weg wollte aus dem Nachkriegseuropa. Der Film verwebt die ungewöhnliche Biografie des Insektenforschers und Afrikareisenden Borremans (der mit der sonoren Stimme Michael Lonsdales quasi aus dem Jenseits zu den Zuschauern spricht) mit Impressionen der aktuellen Situation an der Elfenbeinküste. Als besuchte der Verstorbene noch einmal die Orte seines Wirkens und seiner Reisen, gleitet die Kamera schwerelos durch Räume und Landschaften und reiht teils poetische, teils nüchterne Bilder aneinander, die vom literarischen, melancholischen Off-Kommentar zusammengehalten werden. Das elegante, lyrische, suggestive Kaleidoskop wird in einem ruhigen Schnittrhythmus präsentiert, der Zeit für eigene Reflexionen lässt, z.B. darüber, welche Sehnsüchte und Enttäuschungen der Blick eines Europäers auf das Afrika von Gestern und Heute auszulösen vermag. Ein gelungenes Beispiel dafür, wie intelligent filmische Mittel eingesetzt werden können.

Nagima ***
R: Zhanna Issabayeva, D: Dina Tukubayeva, Galina Pyanova, Mariya Nezhentseva, Kasachstan 2013, 80 min, Kasachisch mit engl. UT
Das Schicksal einer 18-jährigen Frau im postsozialistischen Kasachstan: Zusammen mit ihrer Freundin Anya, die sie aus dem Waisenhaus kennt, lebt Nagima in einer ärmlichen Hütte am Stadtrand von Almaty. Nagima macht ihre leibliche Mutter ausfindig, aber als sie das zweite Mal verstoßen wird, nimmt sie das Babys zu sich, bei dessen Geburt Anya verstorben ist. Eine wortkarge, bildstarke, in reduzierten Szenen und Kameraeinstellungen sich auffächernde Tragödie der in Armut, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit lebenden Hauptfiguren, die überraschend komplex charakterisiert ist. Selten genug gibt es hier ein unvorhersehbares Ende.

Non-fiction Diary - IP (DOK) ***
von Jung Yoon-suk. Republik Korea 2013, 93 min, Koreanisch mit engl. UT
Eine komplexe Reflexion über die verlorene Jugend einer verrohten südkoreanischen Gesellschaft, die sich nach den dunklen Zeiten der Militärregierung einem hemmungslosen Fortschrittsglauben unterworfen hatte. Der Regisseur hinterfragt die bestialischen Morde, die von den ersten Serientätern, die es in Südkorea gab, begangen wurden und setzt sie in den historischen Kontext des Risses, den die Kapitalisierung in den 80er Jahren in seinem Heimatland hinterließ. Eine schnellgeschnittene, hochinteressante Zusammenstellung aus Interviews, Archiv- und neu gedrehtem Material und eine Konzentrationsübung für jene, die des Koreanisch nicht mächtig sind und Untertitel lesen müssen.

Seaburners (Kumun tadı) - WP ***
von Melisa Önel mit Mira Furlan, Timuçin Esen, Ahmet Rıfat Şungar. Türkei 2014, 89 min, Türkisch/Englisch mit engl. UT
In spannungsreichen Einstellungen, elliptisch sich zuspitzendes Drama um Menschenschmuggel und eine unglückliche Liebe. Authentisch erzählt und gespielt, mit zwei glaubwürdigen Charakteren: einer Botanikerin und ihrem Liebhaber, der vor ihr verbergen muss, an der türkischen Schwarzmeerküste Menschengruppen zur Flucht nach Europa zu verhelfen. Eindringliches Debüt.

She’s Lost Control – WP **
von Anja Marquardt mit Brooke Bloom, Marc Menchaca, USA 2014, 90 min, Englisch
Was es nicht alles gibt: z.B. „sexuelle Surrogatpartner“, die im therapeutischen Kontext an Leuten, die mit körperlichen Kontakten Probleme haben, intime Handlungen vornehmen, damit es diesen besser geht. Leuchtet unmittelbar ein, Sex zwischen Erwachsenen kann ja nie schaden. Oder doch? Die deutsche, in New York lebende Regisseurin Anja Marquardt zeigt am Beispiel der sensiblen Ronah, was schief gehen kann, wenn man sexuelle Hilfestellungen zum Beruf macht. Wer hätte es gedacht: Nicht immer, aber doch bisweilen lässt sich Privat- und Berufsleben nicht klar trennen. Der Titel nimmt den Handlungsverlauf ja bereits vorweg. Dennoch gelingt es Marquardt erstaunlich gut, viele Szenen in einem Schwebezustand zu halten und die Verlorenheit und Liebessehnsucht urbaner Existenzen zu vermitteln. In Erinnerung bleibt vor allem das sanfte Spiel und zarte Gesicht der Hauptdarstellerin Brooke Bloom.

Snowpiercer (Seolguk-yeolcha) *
von Boong Joon-ho mit Chris Evans, Song Kang-ho, Tilda Swinton, John Hurt. Republik Korea 2013, 125 min, Koreanisch/Englisch mit deutschen UT
„Snowpiercer“ basiert auf der französischen Graphic Novel „Transperceneige“: Nach einem missglückten Versuch, die globale Erwärmung zu stoppen, versinkt die Erde in einer neuen Eiszeit. Die wenigen Überlebenden sammeln sich in einem 650 Meter langen Zug, der durch die Eiswüste rast – ohne je anzuhalten. Innerhalb des Zuges existiert eine strikte Klassengesellschaft. Die große Masse lebt in elenden Verhältnissen im hinteren Zugteil, während eine kleine, reiche Minderheit in den vorderen Waggons ihren Luxus genießt. Unter den Passagieren des Prekariats macht sich Revolutionsstimmung breit, die sich gewaltsam entlädt. Die interessante Ausgangsidee, dass jedes Zugabteil für die Überlebenden eine Welt für sich ist, wird der buchstäblich bebilderten Kannibalisierung der Insassen geopfert, die darwinistischen Überlebenskämpfe in einem fast unerträglichen Zombie-Gemetzel austragen. Eine überzogen agierende und hysterische Tilda Swinton macht die Sache nicht besser. Warum sowas im Forum?

To Singapore, With Love (DOK) ***
Von Tan Pin Pin, Singapur 2013, 70 min, Englisch/Malaiisch/Mandarin mit engl. UT
Für das Porträt ihrer Heimatstadt, der tropischen Wirtschaftswundermetropole Singapur, wählt Tan Pin Pin eine konsequente Außenperspektive. Sie besucht politische Exilanten in London, Thailand und Malaysia, die die Stadt vor 50 oder 35 Jahren verlassen mussten und bis heute nicht zurückkehren dürfen, es sei denn als Asche nach dem Tod. Die Protagonisten des Films haben für die Freiheit Singapurs vom Kolonialismus und für mehr Demokratie gekämpft, sind jahrzehntelangen Haftstrafen und juristischer Willkür nur um den Preis des Exils entkommen. Der Film ist eine Hommage auf kämpferische Einzelpersonen, deren Lebensweg durch Migration geprägt wurde. Weniger als Opfer denn als Utopisten, eröffnen ihre Geschichten erstaunliche Perspektiven auf eine ultra-moderne Stadt im demokratischen Koma. Durch das Leben im Exil ist ihr heutiger Blick auf die Stadt geschärft und analytisch. Klassisch gestalteter Dokumentarfilm mit interessanten Porträtierten, an deren Schicksal die wenig bekannte Historie Singapurs aufgefächert wird.

Töchter – WP **
R: Maria Speth, D: Corinna Kirchhoff, Kathleen Morgeneyer, Hiroki Mano. Deutschland 2014, 92 min, Deutsch mit engl. UT
Noch’ n Berliner Roadmovie, aber anders als im Wettbewerbsbeitrag „Jack“ nicht aus der Sicht von Kindern, sondern einer Mutter, die ihr Kind sucht: Die Lehrerin Agnes aus Hessen ist nach ihrer Ankunft in der Hauptstadt erleichtert, dass jene junge Frau, die sie als ihre Tochter am Leichentisch identifizieren soll, nicht ihre Tochter ist. Auf der Suche nach der vermissten Ausreißerin lernt Agnes eine andere Streunerin kennen, die vielleicht aus ähnlichen Gründen auf der Straße lebt wie ihre Tochter. Die behutsam entwickelte Geschichte gerät im Verlauf oft zu geradlinig und redundant. Schade, denn die Handlung ist immer dann stark, wenn sie die Ambivalenz der Gefühle von Anziehung und Abstoßung – sowohl zwischen den Figuren als auch zwischen den Figuren und der Großstadt – nicht strapaziert.

Top Girl oder la déformation professionnelle – WP **
von Tatjana Turanskyj mit Julia Hummer, Susanne Bredehöft, RP Kahl. Deutschland 2014, 95 min, Deutsch/Englisch mit engl. UT
Helena, 30, alleinerziehende Mutter einer elfjährigen Tochter, ist als Schauspielerin nur mäßig erfolgreich und verdient ihren Lebensunterhalt daher mit Sexarbeit in einem Escort-Service. Ihre lebenslustige Mutter lehrt Männer, auf andere Weise locker zu sein: beim Gesangsunterricht. Die Jobs nebeneinander zu stellen ist durchaus reizvoll, jedenfalls reizvoller als manche Episode aus dem Sexbusiness, die ältere Zuschauer seit der „flambierten Frau“ so ähnlich schon oft im Kino gesehen haben. Viele Anspielungen (die Domina, die dominiert wird) wirken bemüht, aber der fiese Humor des Films und sein Rhythmus überzeugen.

Velvet terrorists (Zamatoví Teroristi) – IP ***
R: Ivan Ostrochovsky, Pavol Pekarčík, Peter Kerekes. Slowakei/Tschechien/Kroatien 2013, 87 min, Tschechisch/Slowakisch mit engl. UT
Die Porträts dreier Männer, die in den 80er Jahren terroristische Anschläge gegen das sozialistische Regime in der Tschechoslowakei geplant oder durchgeführt haben und dafür mehrere Jahre im Gefängnis saßen. Alle drei sind sprengstoff- bzw. waffenaffin, also ziemlich harte Jungs, denen auch heute noch so manche Abenteuerlichkeit zuzutrauen ist. Die drei Regisseure nähern sich ihren Protagonisten und deren Vergangenheit auf unterschiedliche Weise an, jedoch stets mit einer guten Portion Humor und einem Blick für das Tragikomische in den krummen Lebensläufen. Insbesondere der nach wie vor durchtrainierte Vladimír, der eine junge, unkonventionelle Frau in Ausdauertraining, Selbstverteidigung, Waffennutzung und Pyrotechnik schult, scheint sich von seinem in der Diktatur geprägten Leben schwer verabschieden zu können. Individuelle Stories, die aber viel über das Verhältnis von Individuum zu Politik und Gesellschaft aussagen.

Forum Expanded

Kurze und mittellange Filme im Screening
Qualitativ sehr heterogene Beiträge, von denen die folgenden besonders sehenswert sind:
23rd August 2008“ von Laura Mulvey, Faysal Abdullah, Mark Lewis und
Pierrot Lunaire“ von Bruce LaBruce.

Inferno von Yael Bartana, Niederlande/USA 2013, 22 min
Ausgangpunkt des Films ist der aktuelle Bau des dritten Salomonischen Tempels in São Paulo, eine Replik des Tempels in Jerusalem durch die brasilianische evangelikale Universal Church of the Kingdom of God, die in den späten 1970er Jahren in Rio de Janeiro gegründet wurde und weltweit Millionen von Anhängern hat. Inferno fokussiert diese Vermischung von Orten, Zeiten, Geschichte und Glauben. Bartanas Arbeit zitiert - durchgehend in Zeitlupe - Hollywood-Actionfilme.

Wie aus der Ferne von Dani Gal, Deutschld./Österreich 2013, 26 min, Deutsch mit engl. UT
Ein Reenactment der komplexen Freundschaft zwischen dem ’Nazijäger’ Simon Wiesenthal und Albert Speer, dem Chefarchitekten des Dritten Reichs, wird zum Ausgangspunkt für Überlegungen zu filmisch produzierter Erinnerung und Geschichte. Nach 20 Jahren Haft versuchte Albert Speer, seine Biografie reinzuwaschen und Kontakt mit dem ehemaligen KZ-Häftling Simon Wiesenthal aufzunehmen, der sein Leben dem Aufspüren von Naziverbrechern gewidmet hatte. Dieser sah die Verbindung als Chance, Informationen über das Dritte Reich zu erhalten. Der Kurzfilm verbindet fiktive Szenen eines Treffens der beiden mit auf Briefen, Biografien und Interviews basierendem Material. Durch die Linse eines kurzen Wittgenstein-Texts wird über Erinnerungsbilder und deren Verbindung zum Diskurs des Holocaustgedenkens reflektiert.

Orbitalna von Marcin Malaszczak, Deutschland/Polen 2014, 25 min, Polnisch mit engl. UT
Die letzte Dimension der Arbeit ist die Arbeit an der Maschine, die arbeitet. Umgeben von einer scheinbar endlosen Nacht werden aus Konstellationen von Lichtern Maschinen, die schwerelos in einem undefinierten Raum graben. Am Tag setzt sich ein Beförderungsband wie von selbst in Bewegung. Sein ohrenbetäubendes Arbeiten und Beben wird von einer Frau beobachtet und kontrolliert. Der Mensch als Instandhalter der Maschine.

Leaves Fall in All Seasons von Ahmed Mater, Saudi-Arabien 2013, 20 min, Arabisch mit engl. UT
Aus Videobotschaften, die Arbeitsmigranten - beteiligt am Bau von Mekkas höchstem Gebäude - an ihre Familien schickten, kreiert der Filmemacher eine Anordnung von Blicken auf das vielfältige Leben im religiösen Zentrum der islamischen Welt. Der Film besteht aus Aufnahmen von Mobiltelefonen, die Arbeiter auf Baustellen in und um Mekka zwischen 2008 und 2013 gemacht haben. Der Film stellt auch eine künstlerische und erzählerische Einführung in die Alltagsrealität eines Schauplatzes religiöser Pilgerreisen aus der Perspektive von Arbeitsmigranten dar.

Behind the Sun von Monira Al Qadiri, Kuwait 2013, 10 min, Arabisch mit engl. UT
VHS-Aufnahmen brennender Ölfelder in Kuwait in 1991, die nach dem Zweiten Golfkrieg von den auf dem Rückzug befindlichen irakischen Truppen in Brand gesetzt wurden, als verfallendes Porträt vom Ende der Welt. Die Bilder des Infernos werden mit Audiomonologen aus islamischen TV-Programmen kombiniert.

23rd August 2008 von Laura Mulvey, Faysal Abdullah, Mark Lewis, Großbritannien 2013, 22 min, engl. OF
Interviewfilm: Ende der 1980er aus dem Irak ins europäische Exil geflüchtet, hofft Kamel bei seiner Heimkehr 2003 ein neues Land vorzufinden. Das spannendes Porträt gibt einen interessanten Einblick in das Leben irakischer Linksintellektueller und besteht nur aus zwei Einstellungen: Erst eine kurze Aufnahme des berühmten Buchmarkts in Bagdad, gefolgt von einem 18-minütigen Monolog, der in einer einzigen Kameraeinstellung aufgenommen wurde. Faysal Abdullah, der Sprecher, lässt so ein Porträt seines jüngeren Bruders Kamel entstehen, der in den 1980er Jahren ins Exil gehen musste und nach seiner Rückkehr ein politisches Amt übernahm und ermordet wurde.

Stone Cloud von Jakrawal Nilthamrong, Thailand 2014, 30 min, Thai mit engl. UT
Ein Mönch bittet einige Dorfbewohner, einen großen Stein auf einen Hügel zu transportieren, um sich darauf zu setzen und zu meditieren. Während des Meißelns gewinnt er tiefe Einblicke in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. „Die Geschichte von Stone Cloud stammt von einem Freund, der in einem Dschungeltempel zum Mönch geweiht wurde und dort lebt. Er war ein begabter Filmregisseur und Kameramann, der – bevor er sein weltliches Leben für das isolierte Mönchsdasein aufgab – einige Preise gewonnen hatte.“

Pierrot Lunaire von Bruce LaBruce, Deutschland/Kanada 2014, 51 min, Deutsch/Englisch mit Engl. UT
Der Komponist Arnold Schönberg arrangierte Teile des Gedichtzyklus „Pierrot Lunaire“ von Albert Giraud zu einer Komposition für fünf Musiker und eine Sängerin zu einem seiner innovativsten Stücke atonaler Theatermusik. Bruce LaBruce Version beruht auf Schönbergs Idee: eine Traumwelt, erfüllt von „dekadentem Verlangen, Schuld, Angst und Rausch“ und ironisch-satirischem Humor – eine dunkle Geschichte der Sehnsucht, der Liebe und der Transgression. Eine schwarz-weiße Collage mit Zitaten aus Stummfilmen, Überblendungen, Tableaus über eine junge Frau, die sich regelmäßig als Mann verkleidet, verliebt und ein junges Mädchen verführt, das keine Ahnung hat, dass ihr Liebhaber das gleiche Geschlecht hat. Als das Mädchen ihrem Vater den neuen Freund vorstellt, wird dieser skeptisch, deckt den Betrug auf und verbietet, dass die Liebenden sich wiedersehen. Der ‚Junge’ entwickelt einen abenteuerlichen Plan, um dem Vater seiner Geliebten seine ‚Männlichkeit’ zu beweisen.

Perspektive Deutsches Kino

 [2]

Amma & Appa von Franziska Schönenberger (Dokumentarfilm, 90 Min) ****
Eine junge bayerische Studentin verliebt sich in einen indischen Kommilitonen. Die geplante Heirat stößt vor allem auf Seiten der Schwiegereltern auf Vorbehalte. Sehr persönliche und unterhaltsame Culture-Clash-Dokumentation, die mit ihrer Warmherzigkeit gegenüber allen Figuren und ihrer entwaffnender Offenheit, mit der die Thematik behandelt wird, überzeugt. Mit leichter Hand, aber nicht leichtsinnig inszeniert.

Anderswo von Ester Amrami (Spielfilm, 90 Min) ***
Eine junge Israelin scheitert an ihrer Universität mit dem Antrag auf das interessante Forschungsprojekt, ein Lexikon unübersetzbarer Begriffe zu schreiben, was ihre Beziehungs- und Identitätskrise verschärft. Kurzentschlossen reist sie zu ihrer Familie nach Tel Aviv, wo sie zwar eine Sinnlichkeit und Lebendigkeit findet, die sie in Berlin vermisst, aber auch mit einem familiären und politischen Chaos konfrontiert ist, das sie nervt. Pointiert inszenierte, vielschichtige Tragikomödie, die auf sehr sympathische Weise das Gefühl von Zerrissenheit und Fremdheit illustriert, das sensible Menschen zu Hause genauso ereilen kann wie Anderswo.

Bosteri unterm Rad von Levin Hübner (Dokumentarfilm, 24 Min)
Etwas zu kurzes, liebesvolles und skurriles Porträt der Bewohner eines Dorfes mitten in der kirgisischen Steppe, am Rand des Tien-Shan-Gebirges und am Ufer des heiligen Sees, dem Issyk Kul, einem der größten Gebirgsseen der Erde. Dort steht ein Riesenrad, das sich nur zwei Monate im Jahr dreht.

El carro azul von Valerie Heine (Kurzfilm, 20 Min) *
Ein aus dem Exil herangereister, junger Kubaner versucht, seinem geistig behinderten Bruder über die Trauer über ihre verstorbene Großmutter hinwegzuhelfen. Subtil erzählter, indes wenig anregender Kurzfilm, der viele Anspielungen offen hält.

Flowers of Freedom von Mirjam Leuze (Dokumentarfilm, 98 Min) ****
Täglich fahren durch das kirgisische Dorf Barskoon riesige LKWs mit einer tödlichen Fracht: Zyanid, eine hochgiftige Chemikalie, mit deren Hilfe in der nahe gelegenen Kumtor-Mine Gold abgebaut wird. 1998 stürzt ein mit Zyanid beladener LKW in den Fluss des Dorfes, Hunderte von Dorfbewohnern erkranken. Sieben Jahre später – in denen die kirgisische Regierung nichts unternommen hat – beginnen mutige Frauen ihren Kampf für die Rechte der Opfer und protestieren vor Ort. Der Zyanideinsatz lässt das ökologische System zerkrachen, an der Verseuchung des Trinkwassers sind mehrere Menschen verstorben. Die korrupte Regierung hat keine Informationen gegeben und keine Krankenscheine ausgestellt, sodass nur in wenigen Fällen die Krankheitsfolgen einklagbar sind. Die sich selbst „Mädchen“ nennenden Frauen sind über ihren Widerstand nach der Revolution in der sozialistischen Partei zur Stimme gekommen. Eine Protagonistin ist Abgeordnete geworden und verordnet Bodenproben in ihrer Heimat – bisher leider ohne Erfolg. Die kanadischen Investoren wissen alles gut zu kaschieren. Leider liefert der Film keinen genauen Aufschluss über die Wirkungen von Zyanid, was der einzige Schwachpunkt in einer aufschlussreichen, wichtigen Dokumentation ist.

nebel von Nicole Vögele (Dokumentarfilm, 60 min) **
Ein Mosaik von Landschafts- und Momentaufnahmen aus dem Schweizer Mittelland, das sich ganz auf die Schönheit oder Poesie der Aufnahmen verlässt. Der sehr ruhige Schnittrhythmus gibt Zeit, sich auf die gezeigten Facetten des Landstriches einzulassen, kann indes aber nicht verhehlen, dass kein Roter Faden vorhanden ist.

Raumfahrer von Georg Nonnenmacher (Dokumentarfilm, 40 Min) **
Zu essayistisch zusammengestellten Großaufnahmen sind aus dem Off von Gefängnisinsassen Beschreibungen ihrer Gefühle zu hören, die sie bei Fahrtransporten empfinden: darüber, dass sie zwar einen Ausschnitt der Welt der Freiheit sehen können, aber nicht in den Genuss derselben kommen können. Eine konsequent und adäquat fotografierte, indes redundante Fingerübung.

Der Samurai von Till Kleinert (Spielfilm, 80 Min) ***
Ein geheimnisvoller Transvestit metzelt sich mit seinem Samuraischwert durch eine brandenburgische Kleinstadt und konfrontiert einen naiven jungen Polizisten mit den animalisch-aggressiven Seiten des Menschen, bis dieser selbst seiner Wolfshaftigkeit nachgeben muss. Dass der Killer in dieser spannend und originell erzählten Variation des Werwolfs- und Slasher-Horrorfilms in Frauenkleidern umherrast, ist nur eine von mehreren Irritationen, mit denen das Drehbuch gekonnt spielt.

Tape_13 von Axel Stein (Spielfilm, 82 Min) **
Zwei junge Pärchen und ihre Freunde übernachten ein Wochenende in einem kleinen Haus mitten in einem Wald in der westdeutschen Provinz, wo sie – Überraschung – mit unheimlichen, paranormalen Erscheinungen und schließlich sogar Morden konfrontiert sind. Das Debüt des Schauspielers Axel Stein überzeugt durch den bewussten Gebrauch von Stilmitteln (subjektive Kamera als sei Amateurfilm gedreht worden), kann sich aber dramaturgisch zu keinem Zeitpunkt von den zitierten Vorbildern des Teenage-Horrorfilms lösen und bleibt letztlich vorhersehbar.

Generation 2014

 [3]

Kplus

**** sehr empfehlenswert

„Finn“ (Frans Weisz). Der neunjährige Finn vermisst seine bei seiner Geburt verstorbene Mutter, die ihm auf magische Art erscheint, wenn der alte Nachbar Luuk Geige spielt. Obwohl ihm sein Vater den Umgang mit Luuk verbietet, setzt Finn alles daran, bei ihm Geigenunterricht zu nehmen. Ein Meisterregisseur, gute Schauspieler (u.a. Jan Decleir) und eine Prise Magie machen „Finn“ zu einem herausragenden Film in der diesjährigen „Kplus“-Reihe.

„Naturkunde“ (Matías Lucchesi). Lila hat ihren Vater nie gekannt. Nach einem gescheiterten Versuch, aus dem Schulheim auszubrechen, kann sie eine Lehrerin überreden, sich in einem alten Auto mit ihr auf die schwierige Suche zu begeben. Denn die einzige Spur auf der Suche nach dem unbekannten Vater ist eine rostige Plakette der Firma, für die Lilas Vaters zur Zeit ihrer Geburt gearbeitet haben soll. Die Kinder-Darstellerin versprüht eine Mischung aus Verletzlichkeit und Trotz, die den Zuschauer für sie gewinnt.

*** empfehlenswert

„Folge meiner Stimme“ (Hüseyin Karabey). In einem abgelegenen kurdischen Dorf macht sich die kleine Jiyan mit ihrer Großmutter Berfé auf die Suche. Denn Jiyans Vater wurde von der Armee abgeholt und soll erst freigelassen werden, wenn seine Waffe abgegeben wird. Nicht nur die türkisch-kurdische Konfrontation, sondern auch die Inszenierung in der rauen Landschaft erinnert an den kurdischen Meister-Regisseur Bahman Ghobadi.

„Jack und das Kuckucksuhrherz“ (Mathias Malzieu, Stéphane Berla). Der ungemein fantasievoll inszenierte Film erzählt von einem Jungen, dem bei seiner Geburt eine Hebamme das zu Stein gefrorene Herz durch eine Kuckucksuhr ersetzt. Jack darf sich unter keinen Umständen aufregen – was ihm aber besonders schwerfällt, als er sich in eine bezaubernde Sängerin verliebt (empfohlen ab 12 Jahren).

** mäßig empfehlenswert

„Loulou, das unglaubliche Geheimnis“ (Grégoire Solotareff, Éric Omong). Der diesjährige Kinder-Eröffnungsfilm erzählt in liebevoll gezeichneten Bildern von den Abenteuern eines jungen Wolfs namens Loulou und seinem Freund Tom, dem tapferen Kaninchen auf der Suche nach Loulous Mutter. Eher für jüngere Zuschauer gedacht (empfohlen ab 7 Jahren).

„Die geheime Mission“ (Martin Miehe-Renard). Der zwölfjährige Karl muss vom Land nach Kopenhagen ziehen, weil seine alleinerziehende Mutter in der Hauptstadt eine Stelle gefunden hat. Karls Klassenkameradin Sawsan singt großartig, darf aber am TV-Talentwettbewerb nicht teilnehmen, weil es ihr türkischstämmige Vater verbietet. Karl gibt aber nicht auf. Denn er hat sich in den Kopf gesetzt, seiner neuen Freundin zum Erfolg zu verhelfen. Der aufwändig inszenierte „Die geheime Mission“ hinterlässt zwiespältige Gefühle. Einerseits beeindruckt die Freundschaftsgeschichte, andererseits ermüdet die penetrante „Multi-Kulti-Botschaft“ des Filmes: Als wäre die Schulklasse mit einer Mehrheit an Schülern mit Migrationshintergrund nicht genug, werden mit der Handlung in keinem Zusammenhang stehende Bilder von Menschen mit Migrationshintergrund wieder und immer wieder in den Film hineingeschmuggelt. Trotz der schönen Freundschaft zwischen den Protagonisten stellt sich die Frage: Soll Kindern ab 8 Jahren ein Film empfohlen werden, in dem Zwölfjährige von zu Hause ausreißen und durch halb Dänemark reisen, um gegen den ausdrücklichen Willen der Eltern an einem Gesang-Wettbewerb teilzunehmen?

14plus

*** empfehlenswert

„Il sud è niente“ („Der Süden ist nichts“, Fabio Mollo“) erzählt von der Sehnsucht der in einer süditalienischen Küstenstadt lebenden Grazia nach ihrem verschwundenen Bruder Pietro. Grazia versucht, ihre Oma zum Reden über Pietro zu bringen. Ihr Vater Cristiano, der erst den Verlust der Frau und nun auch den des Sohnes kaum verarbeitet hat, verbittet sich aber jede Äußerung darüber. Mit einer Bildersprache, die sehr realistische Aufnahmen mit Traumsequenzen verknüpft, gelingt Regisseur Mollo nicht nur, Spannung zu erzeugen und das Interesse der Zuschauer für Grazia zu wecken. Darüber hinaus entlässt sein Film den Zuschauer nicht ohne Hoffnung.

** mäßig empfehlenswert

„Atlántida“ (Inés María Barrionuevo). Zentrale Figuren sind zwei Schwestern: Lucía bereitet sich auf die Aufnahmeprüfung in die Universität vor, damit sie endlich nach Buenos Aires ziehen kann. Ihre Schwester Elena liegt im Nebenzimmer mit einem Gipsbein und kommandiert die ältere Schwester herum. Inmitten der Langeweile an einem sommerlichen Tag wirft sich Elena dem Arzt Ignacio an den Hals, während Lucía eine erste lesbische Annährung an ihre Freundin Ana wagt.

* nicht empfehlenswert

„ärtico“ (Gabri Velázquez). Der Regisseur schickt die zwanzigjährigen Simón und Jota sowie ihre jeweiligen Freundinnen Alba (19) und Debi (18) auf die Reise in einen Teufelskreis von Drogen, Sex und schwerer Kriminalität: Simón und Alba wurden Eltern mit 16, die Kokain dealende Debi will ihre Schwangerschaft mit einer Abtreibung beenden. Jota verhindert es in letzter Minute, was allerdings nicht bedeutet, dass nun alles ausgestanden wäre. Die einschnürende Perspektivlosigkeit lässt überhaupt keine Hoffnung aufkommen.

„Supernova“ (Tamar van den Dop). Die Eltern der etwa 17-jährigen Meis nerven nur: Ihr Vater liegt eigentlich immer nur auf der Couch, die Mutter denkt lediglich daran, vom platten Land in die Stadt zu ziehen. Die Langeweile überträgt sich auf den Zuschauerraum.
„Ömheten“ (Sofia Norlin). In Kiruna, der nördlichsten schwedischen Stadt, tut sich eigentlich nichts. Markus lebt nur für Autos, Daniel hat Probleme zu Hause, weil sein Vater vom Alkohol nicht lassen kann. Auch hier wird vorwiegend Langeweile in Szene gesetzt.

[2(alle Filme aus Deutschland) 2014

[3(von José Garcia)