Quote: Last Exit Weekend

Zu Beginn der Woche wurde erklärt, dass sich alle bis zu diesem Wochenende nachfolgenden Aufzeichnungen auf Zitate beziehen, die dann - mehr oder weniger ausführlich - kommentiert werden.

Heute nun ist die letzte Vorlage dieser Woche ein Fragebogen an die Fallnr. 308100860, der an das Qualititätsmanagement der Klinikumsleitung zurückgeschickt werden soll.

Darin gibt es Fragen nach der Organisation, der ärztlichen Behandlung, der Pflege, den Rahmenbedingungen. Und es wird gefragt, ob man dieses Haus weiter empfehlen könne und ob es weitere Anregungen gäbe, Kritik oder Lob.

Wer schon öfters in dieses Journal geschaut hat, weiss, dass hier kaum persönliche Dinge zu Protokoll gebracht werden, und wenn überhaupt, dann in der letzten Zeit die Einbindung von Twitter-Texten, die parallel zu diesem Journal geschrieben wurden (siehe unten) - und werden.

Andererseits soll aber an dieser Stelle der Tatsache Tribut gezollt werden, dass insgesamt nach diese letzten Tage im Krankenhaus allen Beteiligten ein deutliches Lob auszusprechen ist.

Dies wurde bereits individuell auch vorgetragen, auch das Sparschwein im Stationsbüro wurde ordentlich gefüttert, aber es gibt darüber hinaus einige Punkte, die weit über die persönliche Erfahrung hinausweisen - und daher an dieser Stelle nochmals festgehalten und öffentlich gemacht werden sollen.

1.

Die Zeit, dass man vor einem Gang ins Krankenhaus Angst haben muss, ist vorbei. Nein, das betrifft nicht die Ängste, die die Ergebnisse der vorgenommenen Analysen oder die Frage betreffen, wie es mit dem eigenen Leben weitergeht. Aber die Angst vor der Institution Krankenhaus als solcher, ist so als Vor-Urteil nicht begründet.

2.

Im Verlauf dieser Tage hat es keinen einzigen Moment gegeben, wo man nicht einen der Anwesenden hätte ansprechen können und eine Antwort bekommen hätte. Auch wenn diese möglicherweise nicht den eigenen Vor-Erwartungen entsprochen hat. Und selbst dann, wenn es noch keine (vernünftige) Antwort gibt, wird einem dies mitgeteilt.

3.

Es ist sowieso eine "neuer Stil" zu beobachten. Obwohl das mit dem "neu" so gar nicht referenziert werden kann, da es kaum persönliche Vorerfahrungen gibt, die zum Vergleich herangezogen werden könnten. Aber es fällt dennoch auf, dass all die Arbeit hier als "work’n progress" betrachtet, so angenommen und auch so kommuniziert wird. Und das hinterlässt einen guten Eindruck.

4.

Die Zeit der "Halbgötter in Weiss" ist vielleicht nicht vorbei - der Auftritt des Oberarztes samt seiner Entourage macht deutlich, was mit diesem Schlagwort bis heute alles verbunden werden kann - aber es wird selbst auf der normalen Patienten-Ebene deutlich, dass die Arbeit in einem solchen Haus sich als Teamwork versteht - und so verstehen muss.

5.

Dass dieses Konzept auch auf der EDV-Ebene umgesetzt werden muss - und wird - ist ebenfalls interessant zu sehen und mitzuerleben. Dabei kann es vorkommen, dass die Diskussion untereinander, wie bei den Messungen bestimmte Parameter einzustellen und zu bewerten sind einen grösseren Raum einnehmen als der Dialog mit dem Patienten. Dieses ist aber für Menschen, die den Umgang mit der EDV aus dem eigenen persönlichen und/oder beruflichen Umfeld kennen, nachvollziehbar. Welche Wirkung dieses auf Menschen jenseits des "Digitalen Grabens" haben mag, kann hier nicht gesagt werden.

6.

Die zunehmenden Dominanz der EDV - Achtung, die XP-Welt wird in der nächsten Zeit durch eine neue Systemänderung ersetzt werden - führt aber nicht dazu, dass der Mensch nun ganz und gar in den Hintergrund getreten ist. Im Gegenteil. Jetzt ist es sogar möglich, seine persönlichen Essensvorlieben und -Wünsche einprogrammieren zu lassen... und dann zumeist auf dem ausgelieferten Tablett auch wirklich konkret als Speis und Trank auch vorzufinden.

7.

Hier zumindest ein Satz als Antwort auf die Frage nach den Rahmenbedingungen. Diese sind wirklich rundum gut: Vom Zweibettzimmer bis hin zur mit Tageslichtleuchten ausgestatteten Neonbeleuchtung. Auch ein diskreter Umgang mit IT und IP in Patientenhand wird toleriert. Was dazu führt, dass selbst dieser Text noch am Vormittag der Entlassung vor Ort verfasst werden kann.

8.

Ab und zu wird deutlich, dass das Personal an der einen oder anderen Stelle nach wie vor mit der inhouse-IP-Welt zu kämpfen hat. Zumindest ist es nach wie vor möglich, auch von dem jungen qualifizierten und durchaus EDV-affinen Personal Sätze zu hören wie: "Papier ist nach wie vor bei dieser Arbeit das Beste". Andererseits kann es aber auch sein, dass dann ein weisses iPad aus der weissen Kitteltasche gezogen und - nur wenigen Stunden nach der Messung - von dort auch die MRT-Ergebnisse abgerufen werden können ("trotz" SAP ;-).

9.

An dieser Stelle nochmals ein grosses Kompliment an die Ärzte, die Auszubildenden, das Pflege- und das Personal von der Reinigung, vom Transport und von der Haustechnik. Jede und jeder hat an seinem Platz nicht nur seinen Job gemacht, sondern war immer auch ein kleines Stückchen für einen Extra-Dialog ansprchebar, ohne dass das jeweils in eine falsche Art von Kumpanei ausgeartet wäre.

10.

Zu (guter?) Letzt sei aber auch festgehalten, dass es nochmals mehr als zwei Jahre des Drücken und Drängelns bedurft hatte, um diesen Status eines beobachtungswerten Patienten erhalten zu können. Dabei hatte es bereits nach der ersten Anfrage nach weniger als einem Jahr eine Zusage gegeben. Diese wurde aber storniert, als auf Nachfrage der Verwaltung wahrheitsgemäss mitzuteilen war, dass es sich in diesem Fall nicht um einen Privatpatienten handelt.

PS.

Wie gut, dass es nicht usus ist, einmal geschriebene Texte nochmals in ihrem Gehalt zu verändern. Der Tag der Entlassung, der mit dem Verfassen dieses Textes begonnen wurde, hat wesentlich länger gedauert als vorhersehbar war.
Der für den Vormittag avisierte Artzbrief wurde nicht ausgestellt.
Nachdem Mittagessen wurde dann eine Art Amoklauf notwendig, um letztendlich das avisierte Dokument in der Hand zu halten. Ein weiterer Verbleib auf dem Zimmer hätte wohl zu noch weiteren Verzögerungen geführt.
Zwischenzeitlich stellen sich nach dem Eingriff des Vortages doch noch die heftigen Kopfschmerzen ein, die eigentlich nur bei "jungen Frauen" als mögliche Folge im Aufklärungsblatt erwähnt worden waren. Der Wunsch, darauf mit einem Medikament unterstützend einzugreifen und der Zeitpunkt der Ausgabe eines solchen liegen gut eine Stunde auseinander.
Die mit dem Arztbrief angekündigte CD mit dem MRT-Ergebnissen wurde nicht mehr ausgehändigt. Nein, diese müsse selber im Institut für Radiologie abgeholt werden.
An der Anmeldung zwischen Infotafel und Aquarium stellt sich heraus, dass die Herstellung derselben noch nicht einmal in Auftrag gegeben wurde.
Und so vergeht der Tag mit erneutem Warten - und Schreiben.