Students’ Pride: Collage 2014

‘MICH BESCHÄFTIGT EINFACH DIE AUFRECHTERHALTUNG VON EROTIK IN LANGJÄHRIGEN BEZIEHUNGEN IN GRÖSSEREM MASSE ALS DIE AUFRECHTERHALTUNG UNSERES WIRTSCHAFTSSYSTEMS.’

Mit Texten von Schnitzler und Baudelaire bis Richter und Lausund & Liedern aus My Fair Lady, Frühlingserwachen, Kuss der Spinnenfrau und mehr.

Musikalische Leitung und am Flügel: Adam Benzwi, Inszenierung, Bühne und Choreografie: Rhys Martin, Co-Regie;Ulrike Jackwerth, Kostüme: Sabine Böing, Video: Vincent Stefan.

Die Gesang-Tanz-Schauspiel-„Collagen“ jeweils am Ende des zweiten Studienjahres, die erste öffentliche Bühnenpräsentation als „Vordiplom“ der Musical-Studierenden, sind längst ein festes Versprechen geworden:
auf gebündelte Energie, viel Talent, manchmal Kitsch und manchmal :Kunst. Darstellende Kunst.

Collagiert von Rhys Martin, Adam Benzwi und Ulrike Jackwert in einer Inszenierung von Rhys Martin unter der musikalischen Leitung von Adam Benwi und mit den Studierenden des 2. Jahrgangs: Kiara Brunken, Devi-Ananda Dahm, Sophia Euskirchen, Fabian-Joubert Gallmeister, Katharina Beatrice Hierl, Dennis Hupka, Anthony Kirby, Jan-Philipp Rekeszus, Dennis Weißert und Feline Zimmermann.


Soweit so gut.

Aber wenn nicht Stanley Walden in einem persönlichen Gespräch am Abend des George-Tabori-Preises darauf hingewiesen hätte - auf ihn geht schliesslich die Gründung dieser Abteilung an der UDK vor nun mehr als 20 Jahren zurück - diese Aufführung wäre nicht in den Scope of Attention geraten.

So aber kommt es zu einem ersten Besuch an diesem Abend und einem zweiten, wiederholten, am nachfolgenden Sonntag [1], denn das hat diese Aufführung wahrlich verdient: Aufmerksamkeit.

Matthias Heyde & UDK Berlin 2014

Text nach der ersten Sichtung:

Nichts ist schwieriger, als eine Nummern-Revue. Und nichts wäre einfacher, als den fehlende roten Faden durch viele Rotlichtkegel zu ersetzen.
Dieser Versuchung widerstanden Inszenierung und alle der der Aufführung Beteiligten - und das ohne dabei auf die rote Farbe verzichten zu müssen.

Und das war gut so, haben sich doch diese jungen Erwachsenen Themen gestellt, die alles andere als oberflächlich waren. Selbst ein Hamlet wurde zitiert und am Schluss mit "Froh, dabei zu sein" der Song eines 25-jährigen gesungen. Es ging - und geht - um nicht mehr und nicht weniger als um die Liebe und den Tod.
Sich diesem Thema in diesen jungen Jahren zu stellen, und das ohne zu "chargieren", das ist an sich schon eine "reife" Leistung.
Anstatt Kummer oder Selbst-Mitleid auszustellen werden Haltungen deutlich extemporiert - und stattdessen mit Humor und Fröhlichkeit eingekleidet.

Das Ensemblespiel ist präzise, aber dennoch von einem behenden Miteinander bestimmt, das nie den Einzelnen auslässt.
Das ist sowohl in den Bewegungsabfolgen zu erleben, als auch in den A-cappella-Chören zu hören.
Eben diese Ensembleleistung macht es möglich, dass sodann auch Jede und Jeder mit seinem Solo immer ganz eigenständig auftreten kann.

Waldemar Kremser & UDK Berlin 2014

Text nach der zweiten Sichtung:

Das war nun wirklich hochinteressant, sich nochmals nach der zweiten auch die vierte und letzte Aufführung anzusehen: Jetzt waren alle wirklich "warmgespielt" und noch besser aufeinander eingespielt.
Das unter dem Stichwort "Nummern-Revue" angesprochene Problem-Thema trat jetzt etwas mehr in den Hintergrund, weil nach wiederholter Betrachtung Zusammenhänge im Hinterkopf hängen blieben, die bei der ersten Sicht der Ereignisse so nicht weiter aufgefallen waren.

Wie bei den Feiern zu George Tabori’s Geburtstag ja sehr deutlich zum Ausdruck gebracht wurde, ist die Rolle der Dramaturgie alles andere als wohlgelitten - und dennoch, auch wenn mit dem Titel der "Collage" schon deutlich gesagt wird, was bei einer solchen Aufführung nicht zu erwarten sei, wäre es dennoch ratsam, im dritten Jahrgang dieses Thema noch einmal zur Sprache zu bringen.
Denn der eigene Auftritt kann noch noch gelungen, die Stimme noch so ausgefeilt und die Story noch so ausgebufft sein, all dieses in einem "falschen" Zusammenhang gesetzt ... und all das Mühen hat nur noch eine deutlich eingeschränkte Wertigkeit und Überzeugungskraft.

Das gute an einem "Collage"-Set ist, dass die Bühnenfiguren lernen müssen, in kürzester Zeit von "Null-auf-Hundert" zu starten und eine Präsenz selbst dann aufrecht zu erhalten, wenn ihnen die Vorgeschichte einer nicht vorhandenen Handlung dabei nicht hat helfen können.
Andererseits bedeutet Ensemble-Spiel noch mehr Rück-Sicht auf die anderen Handlungsfiguren zu nehmen. Es bedeutet auch, die Sicht auf die Handlung selbst mit und in dem eigenen Spiel aufzufangen.

Das Problem einer solchen "Collage" ist aber auch zugleich Teil ihrer besonderen Herausforderung: dass nämlich die Behauptung einer Nicht-Handlung dennoch dazu führt, das andere Arten von "Sinnfälligkeiten" im Publikum dort zu Assoziationsketten zusammengefügt werden.
Auch das auch und vielleicht gerade dann, wenn in den Zeiten digitaler Netzkommunikation - die Smartphones auf der Bühne als Teil des Show-Konzeptes machten es deutlich - die Fragmentierung von Wahrnehmung Teil des thematischen Clusters geworden ist.

all rights reserved

So bleibt im Chor - jeder für sich Alleine.

Und jeder Alleingang - dem Zwang der Ökonomie geschuldet oder der Notwendigkeit, sich in Szene setzen zu müssen - ist Teil des Chorus’ der Collage.

[1(... diesmal höchst persönlich von Rhys Martin an der Eingangstreppe begrüsst, von deren oberen Ende er gerade die "Eingangs"-Moderation übernommen hatte :-)