Good Bye Kant !

Anbei ein Auszug aus dem Typoskript des an diesem Tag vor 200 Jahren gestorbenen Autors.

Während selbst unser Joschka Fischer in seiner Funktion als Aussenminister an seinem Grabstein einen Kranz niederlegt und an die guten Beziehenungen mit dem ehemaligen Königsberg erinnert hatte - wohlwissend, das die Anwohner dort sich ihrer Region weit mehr verbunden fühlen als dem Herzen der russischen Republik - soll hier der Blick auf diese Manuskriptseite die Frage aufwerfen, ob und wie wir in Zukunft die Arbeit an elektronisch generiertern Textseiten nachverfolgen werden.

Es mag viele Autoren geben, die immer noch gerne darauf verweisen, dass Sie ihre Texte mit der Hand verfassen - vielleicht sogar noch Tinte und einem Füllfederhalter (der auf den Tag genau vor 120 Jahren von einem gewissen Lewis Edson Watermann patentiert wurde) - so ist es doch unverkennbar, dass die meisten Texte heute am Rechner verfasst und damit in ihrer Genese nicht mehr für die Nachwelt nachvollzogen werden können.

Das bereits an anderer Stelle angesprochene Thema des Verschwindens der Spuren des Historischen wird hier an einem weiteren eher unscheinbar wirkenden Beispiel deutlich. Ob die Typoskripte nun mit der Hand oder auch mit der Schreibmaschine verfasst worden sind, die Korrektureinträge auf diesen zumeist papiernen Texträgern erlauben immer noch einen tiefen Einblick in die Werkstatt eines Dichters und Denkers, der heute so in dieser Form nicht mehr möglich sein wird - oder schalten Sie etwa beim Schreiben jenen Modus ein, der es ihnen erlaubt, bei Schreiben eines Textes bis auf 50 Stufen zurückgehen und dann neu anfangen zu können?!

WS.

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