kostenpflichtig...

I.

Einen guten Morgen: der Bahnstreik ist seit einigen Minuten beendet.
Noch fahren keine S-Bahnen in Berlin, aber des Motorrad bringt den Reisenden pünktlich bis an den Bahnhof Berlin Spandau. Vor dort soll der Sprinter in Richtung Frankfurt am Main genutzt werden können... wenn er denn käme. Tut er aber nicht, "wegen Verzögerungen im Betriebsablauf".

Schliesslich aber fährt der Zug dann aber doch ein, wenn auch nicht auf den angekündigten Bahnsteig. Und kurz nach Betreten des "Wg. 14", wie auf der Reservierung zu lesen ist, wird einem ein Kaffee angeboten!

Angeboten? Nein, zum Verkauf an einem vorbeigetragen. Auf dem Sitz Platz genommen, wird auf dem Rückweg durch die erste Klasse eine der noch nicht abverkauften Tassen nochmals angeboten.

Der Wunsch, später beim Frühstück lieber einen Tee trinken zu wollen, stösst auf Unverständnis.

"Welches Frühstück? Die Bewirtung, die früher in der Reservierung mit dabei war, ist schon seit dem letzten Fahrplanwechsel eingestellt worden. Aber ich kann Ihnen gerne später das Gewünschte vorbei bringen; das ist dann allerdings kostenpflichtig."

II.

Selbst ist der Mann: im "BordBistro" wird ein Kaffee und ein Croissant zum Preis von knapp unter 4 Euro angeboten. Und das Croissant wird sogar auf Wunsch nochmals in der Mikrowelle warm gemacht.

Und dann kommt der Zug zum Halten. Kurz vor Wolfsburg die Ansage, dass an diesem Bahnhof einige der Fahrgäste ausserplanmässig aussteigen würden, jene nämlich, "die in Berlin leider fehlgeleitet wurden"

Schliesslich, zurück im Abteil, lässt sich der Rechner samt Internet-Zugang aktivieren: und somit bietet die Bahn dann ihren Reisenden die Möglichkeit, vermittels solcher Infrastrukturverbesserungen direkt aus dem fahrenden Zug einen Text wie diesen schreiben und posten zu können.

Das ist doch ein echter Fortschritt: Was bedarf es da noch des sang- und klanglos eingestellten Frühstücksangebotes am Tisch! Oder?

III.

Dieser ganze Text ist an und für sich noch recht banal, auch wenn der Anlass allemal ärgerlich genug ist.

Er ist eigentlich deshalb hier zur öffentlichen Darstellung gebracht, da sich auch andere Reiseerfahrungen mit diesen neuen policies zu decken scheinen.

Das drastischste Beispiel war in dieser Richtung der Rückflug in einem United-Flieger von San Francisco nach Frankfurt am Main. Non Stop. Hier konnten keine "fehlgeleiteten Fahrgäste" ausgeladen werden. Sondern alle wurden zu den geltenden Beförderungsbedingungen durch die Luft kutschiert.

Und sogar verpflegt. Aber nicht so, wie man das - selbst in Eco - von einem Lufthansa-Flug gewohnt gewesen wären. Selbst in der ECO-Plus-Klasse, für die ein Extra von $ 175 zu bezahlen ist, werden weder Getränke noch Snacks vorab serviert, sondern nur ein einziges Mal zum Essen.

Auch beim Essen gibt es keine Auswahl zwischen zumindest zwei Angeboten, sondern es wird gegessen, was auf den Klapptisch kommt. Auf die Frage "was wollen Sie dazu trinken" wird der Wunsch nach einem Bier mit dem Hinweis abgebügelt, dass dieses nur gegen eine weitere Extra-Zahlung angeboten werden könne.

Und auch nur dann, wenn dieser Betrag - irgendwas um die $ 8 per can unbar bezahlt werden könne. Nein, Bargeld würde man keines annehmen, nur Kreditkarten.

Damit hatte nun diese Fluggesellschaft - über die ja schon zuvor an anderer Stelle unvorteilhaft berichtet werden musste [1] - echt jeden Kredit verspielt.

IV.

Aber das Vor-Urteil, dass das nun mal wieder "typisch amerikanisch" sei, ist nun auch seit der Erfahrung heute im ICE-Sprinter von Berlin nach Frankfurt am Main widerlegt worden.

PS.

Auf der Höhe von Lehrte kommt jemand zur Kontrolle der Fahrscheine vorbei. Und hinterlässt ein weiteres abgestempeltes "Fahrgastrecht-Formular". Dieses berechtigt den Fahrgast bei einer Verspätung des "Sprinters" von mehr als 30 Minuten, sich die aufpreispflichtige Reservierungsgebühr in Höhe von € 11.50 erstatten zu lassen.

[1Siehe unter der Überschrift "Nitty Gritty in dem Beitrag aus San Francisco vom 24. September 2014 "SF: RocketFuel"