Kennen Sie Jean Tirole?

Hier ist sein IDEI-Profil auf der Webseite des INSTITUT D’ECONOMIE INDUSTRIELLE, auf englisch: Industrial Economic Institutes.
Und hier sein Profil auf der deutschsprachigen WIKIPEDIA-Seite.

Auf der Online-Seite der ZEIT ist von ihm als einem "äußerste einflussreich"en und "ziemlich unbekannt"en "Märkte-Versteher" die Rede.

Und in der Süddeutschen wird ihm aus qualifizierter Quelle bescheinigt: "Tirole hat in der Industrieökonomie viel bewegt, er führte vor allem wichtige spieltheoretische Methoden in das Fach ein."

In der Wirtschaftspresseschau des Deutschlandfunks vom 14. Oktober werden zwei gegensätzliche Positionen zitiert.

Die der Tageszeitung aus Berlin:

"Tirole ist ein grundsolider Forscher. Dennoch bleibt ein Unbehagen. In Modellen simuliert Tirole die optimalen Handlungsoptionen. Menschliches Verhalten kommt zwar auch vor, aber nur in ’Reinform’, als mathematische Spieltheorie. Erneut wird ein Ansatz prämiert, der die Ökonomie wie eine Naturwissenschaft betreibt - obwohl sie ein soziales Phänomen ist. Das Signal aus Stockholm ist: Die Jury wollte sich aus der politischen Schusslinie nehmen, indem sie ein harmloses Thema und eine harmlose Methode prämierte. Langweilig."

Und die der Frankfurter Allgemeinen:

"Tirole ist das Musterbild eines Wissenschaftlers, der nicht steile, schlagzeilenträchtige Thesen, sondern tiefgründige Analysen präsentiert. Es wäre schön, wenn die Ökonomie sich an seiner Bescheidenheit insgesamt mehr orientierte."

Wer Orientierung sucht in der Debatte um die Theoreme rund um den Homo oeconomicus dem sei die Stellungnahme von Dennis J. Snower empfohlen, dem Präsidenten des Instituts für Weltwirtschaft, der in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 11./12. Oktober - aus Seie 24 - schreibt:

"Indem die meisten Ökonomen den Homo oeconomicus verinnerlicht haben, hat unsere Disziplin den Blick auf das Ziel ökonomischer Aktivität verloren: Es geht nicht darum, so materiell reich wie möglich zu werden, sondern unser Wohlergehen muss im Blickpunkt stehen - also ein viel umfassenderes Bild des Wohlbefindens. Daher sollte die Wirtschaftswissenschaft nicht nur die Allokation und Verteilung knapper Ressourcen behandeln, sondern sich mit der materiellen Basis des menschlichen Wohlergehens befassen."

"Es gibt inzwischen zahlreiche wissenschaftliche Belege, dass - sobald man den Bereich wirklicher Armut verlässt - mit dem materiellen Wohlstand nicht in gleichem Maß das Glück wächst. Zumindest nicht auf die gesamte Gesellschaft bezogen. Je stärker der Wohlstand wächst, desto geringer fällt der Zuwachs an Zufriedenheit aus, weil wir uns schnell an materielle Standards gewöhnen. Gleichzeitig sorgt ein materiell motivierter Dauerlauf zum Wachstum für die bekannten negativen Folgen: die Ausbeutung natürlicher Ressourcen, Umweltschäden und Konflikte um materiellen Besitz."