Fragen an die Veranstalter (IV)

Es ist bereits einige Jahre her, dass ein Schreiben mit einer Reihe von Beobachtungen, Vorschlägen, und Anregungen dem Veranstalter der Medientage München zugeleitet wurde.

Dass das "damals" nicht einmal zur Kenntnis genommen, geschweige denn zu irgendeiner Wirkung geführt hätte, ist eher beschämend für den Adressaten gewesen denn für den Absender.

Aber die in diesem Jahr öffentlich und mit grosser Durchschlagskraft im Vorfeld erhobenen Vorwürfe, dass man nach wie vor die Rolle von Frauen insgesamt und auf den Podien im besonderen nicht zu würdigen wisse, zeigt, dass es offensichtlich erst eines massiven öffentlichen Drucks bedurfte, damit so eklatante Schwachstellen wie diese erkannt, anerkannt und erste Bemühungen in Gang gesetzt werden, sich an dieser Stelle um Abhilfe zu bemühen.

Dabei ist die längst überfällige Bewältigung dieser Aufforderung noch nicht einmal das Ärgste. Viel entscheidender ist die Herausforderung, die sich an die Muttergesellschaft des Veranstalters stellt, wie und aus was sie heraus in Zukunft noch ihre Existenzberechtigung ableiten wird.

Es geht um die Verhandlung der für die Zukunft drängenden medienpolitischen Fragen?

Auf dem Panel 244: Zukunftsfähige Rahmenbedingungen für die Medien- und Kommunikationsbranche hat der neue VPRT-Chef an einer Kernaussage keinen Zweifel aufkommen lassen: die Zeit des Linearen sei vorbei. Und das bedeute, dass die in den letzten zwei Jahren viele verhandelten Streitfragen haben gelöst, oder zumindest einer Lösung haben zugeführt werden können, dass aber an der grundsätzlichen Beantwortung der Fragestellung nach der Zukunft der Medien[-Un]-Ordnung nun eindeutig die Politik gefragt sein, Stellung zu beziehen, Leitlinien und neue Rahmenbedingungen zu formulieren.

Wer den Telekom-Chef an den zwei Tagen nacheinander, zunächst auf dem IT-Gipfel in Hamburg und am Tag danach als Gastredner zur Eröffnung der Medientage in München gehört hat, der wird vielleicht erahnen, wohin die Reise hingehen soll: an eine zunehmende Verknüpfung und Verzahnung der Themen IT und Medien - und damit der beiden Veranstaltungen selber.

Das Thema Broadcast, so die These, ist schon lange ein IT-Thema und wird immer mehr zu einem IP-Thema. Und die IT-Leute ihrerseits sind immer mehr dabei, ihre Strategie auf ein IP-defnierten Backbone aufzusetzen. [1].

Nachdem es die Münchner nicht geschafft haben, einst die "Systems" und die Medientage in eine gemeinsame Veranstaltungsstrategie zu überführen, wäre es nun umso spannender, die diversen hiesigen "Gipfel"-Veranstaltungen mit dem Konzept des IT-Gipfels zusammenzuführen. Und selbst das Unmögliche zu denken: eine Achse zwischen den Medientagen in München und dem IT-Gipfel in Berlin in den späten Herbsttagen des Jahres 2015.

Denn eines gilt hier wie dort: Die Digitalisierung ist nicht länger ein "add-on" an das bisherige "analoge" Wirtschaftsgeschehen, sondern es ist die Wirtschaft selber.

[1Eine Herausforderung sowohl technischer als auch industriepolitischer Art, seitdem Peking Telecom und Huawei im April 2014 gemeinsam das weltweit erste kommerzielle Software-defined Network (SDN) in Betrieb genommen haben.