Phänomenologie einer Pädagogik

0.

Dieser Text ist ein persönliches Ermutigungsschreiben über die Konzeption und Durchführung von „Unterricht“, die sich an scheinbar sehr persönlichen Kriterien festzumachen scheint. Und die für sich in Anspruch nimmt, dieses Element ganz bewusst zu nutzen zur Entwicklung und Förderung von „Persönlichkeiten“, die wir alle sind – oder auch erst noch werden wollen.

1.

Als Hochschullehrer unterschreibst Du auch alle möglichen Papier, wonach die Arbeit an der Hochschule bestimmten Regeln der Geheimhaltung unterliegt. Und Du musst darauf achten,dass im Verlauf des Kurses die „Würde und Anstand“ aller Personen gewahrt werden.

Dass steht sicherlich so nicht in den zu unterzeichnenden Papieren, und doch ist es der Kern der Wahrheit. Es mag altertümlich klingen, es mögen Worte aus einer anderen Zeit sein. Und man muss sie auch in diesem Zusammenhang ja auch nicht lauthals verkünden.

Wahr bleibt, dass es wichtig ist, die Autorität einer jeglichen Person in dieser Runde zu finden, zu fördern. Und in machen Fällen sogar zu helfen, sie zu finden.

2.

Das gehört auch, sich nicht nur zu fragen, wer jeder dieser vor Dir sitzenden Menschen wohl sein mag, sondern auch versuchen zu spüren, was die vor Dir sitzenden Menschen denken könnten, wer Du sein magst.
Dieser Prozess der gegenseitigen Wahrnehmung beginnt mit jedem Kurs und jeder Gruppe immer wieder neu. Und Du weisst – zumindest wenn der erste Zeitraum der gemeinsamen Arbeit ausreichend lang ist – sehr bald, wer diese Menschen sind, die Dir da gegenübersitzen, und wer Du für sie sein könntest.

3.

Darüber zu schreiben und davon zu sprechen hat weder etwas „intimes“ noch etwas „ungewöhnliches“ – auch denn, wenn es nur wenige Schriften gibt, die sich wirklich und so konkret mit der „Phänomenologie der Pädagogik“ beschäftigen. Und darauf aufbauend auch Hilfestellungen für die Arbeit im Unterricht geben.
Denn es ist in der Tat so, das viele der Erfahrungen und die daraus abgeleiteten „Anleitungen“ immer wieder Gefahr laufen, zu spröde, zu unflexibel, zu schematisch zu sein, dass sie vielleicht ein Gerüst anzubieten vermögen, an dem man sich stützen kann, aber weder zeigen, wie man es sich selber aus der Situation heraus errichten und dann so flexibel zum Einsatz bringen kann, dass es Dich nicht behindert, sondern in Deiner Agilität stützt.

4.

Was will uns das alles sagen? Dass eine eine grosse Kunst ist, die Menschen, die Dir gegenübersitzen, zunächst einmal gewähren zu lassen in dem was sie tun, wie sie sind. Um damit eine Change zu haben, sie kennenlernen zu können, durch Beobachtung, noch nicht durch Intervention. Wobei von der Sache her Deine Präsenz in diesem Raum per se schon eine Intervention ist. Und zwar die alles entscheidenden. Du hast es in der Hand, ob diese Veranstaltung gelingt, ob und wie die gesetzten Ziel erreicht werden. Und welche Fortschritte die Dir für diese Zeit anvertrauten Personen machen werden.

5.

Also musst Du bereits gleich zu Anfang Situationen schaffen, die es Dir ermöglichen, den Dir Anvertrauten zu ermöglichen, zu erfahren, wer sie (in diesem Moment gerade) sind, wer Du bist, wie ihr diese aufeinander bezogene Wahrnehmung gegenseitig erlebt, vermittelt und gestaltet.

All dies sind Sätze über Ding und Zusammenhänge, die vielleicht schon nicht einfach zu beschreiben sind, aber noch viel schwieriger, sie herzustellen.
Aber: Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.