Land- trifft Stadt-Maus: wo sind die "digitalen Chancen"?

Es ist vielleicht nicht der richtige Ort, ausgerechnet jene zu befragen, die sich dafür engagieren, dass auch jene Hälfte der Bevölkerung "ans Netz" angebunden wird, die bisher keinen Zugang zum Internet hat - oder dieses nicht nutzen will. Und doch gelten die Fragen gerade jenen, die es eigentlich (besser) wissen müssten: wie kommt es, dass es zu dieser neuen Spaltung der Gesellschaft gekommen ist, wie gehen wir damit um und was kann getan werden, um diese - tendenziell - wieder aufzuheben.

In den "Berliner Gesprächen zur Digitalen Intergration" wird denn auch immer wieder darüber geredet: am 30. März ging es im Museum für Kommunikation [sic!] um die Frage, warum der "ländliche Raum" noch weiter von diesen Möglichkeiten und Chancen entfernt sei als die stättischen Ballungsgebiete.

Wenn es denn auch nicht zur Verlesung jener berühmten Geschichte von der "Stadtmaus und der Landmaus" kam, so machten die Berichte der Betroffenen doch deutlich, wie sehr es mit diesem Thema noch im Argen liegt. Gerade die offen und sympathisch beschriebenen Bemühungen - vom kleinen Mittelständler und Matatoren des Lokalfernsehens bis hin zum Deutschen Land-Frauenverband - machen deutlich, wie die unterschiedlichsten Bemühungen von Erfolg gekrönt könn(t)en und wie eben doch diese Erfolge deutlich machen, dass sie nur Tropfen auf dem viel zitierten "heissen Stein" sind.

Da man gerade uns Deutschen vorwirft, wir würden allzu gerne das zur Hälfte gefüllte Glas als "halb leer" und nict als als "halb voll" darstellen, so mögen diese Berichte gerne als Zeugnisse der Ermutigung gelten. Dennoch gilt dieses - mit Verlaub gesagt - nur dann, wenn es gelingen sollte, wesentliche Voraussetzungen der Infrastrukturplanung zu überdenken: auch die Überwindung des Stadt-Land-Gefälles ist nicht mit dem gefälligen Engagement von reinem privatem Investment zu erledigen. Dieser Kapitaleinsatz muss in zu wenigen Jahren armortisiert sein, als dass sich hier überzeugende Lösungen abzeichnen könnten, die von volkswirtschaftlicher Relevanz sind.

So halten wir uns denn ad hoc an den Zitaten aus der Presseerklärung fest und ermutigen all jenen guten Menschen aus "Sezuan", die mit ihrem Autor darauf hoffen, dass es letztendlich doch einen "guten Schluss" geben "muss, muss, muss."

WS.

Berlin, 31. März 2004 "Markt der Möglichkeiten - Internet für den ländlichen Raum" - dieses Thema diskutierten am Dienstagabend im Berliner Museum für Kommunikation Vertreter von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Damit wurde die Reihe der Berliner Gespräche zur Digitalen Integration fortgesetzt und die Aufmerksamkeit auf eine Bevölkerungsgruppe gelenkt, deren Potentiale bei der Internetnutzung noch stärker erschlossen werden können.
In ländlichen Regionen Deutschlands liegt die Zahl der Onliner lt. (N)Onliner Atlas 2003 nach wie vor deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Die Digitale Integration hat die Bevölkerung dort noch nicht in gleichem Maße erreicht wie in den Städten. Dabei könnte das Internet gerade im ländlichen Raum Potentiale der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Teilhabe erschließen, neue Dienstleistungsangebote im Bereich E-Government und E-Commerce zugänglich machen und durch E-Learning und Telearbeit neue Arbeitsmarktchancen eröffnen.

„Es gibt immer häufiger Angebote, die ausschließlich oder zu deutlich günstigeren Preisen über das Internet verfügbar sind. Hinzu kommt, dass Dienstleister wie Banken und Verkehrsbetriebe ihre Filialnetze reduzieren," so Stanislas Laurent, Vorstandsvorsitzender von AOL Deutschland [Mike Cosse, AOL Deutschland - WS]. „Gerade die Landbevölkerung müssen wir für das Internet begeistern, damit sie Online-Angebote nutzen und von den Vorteilen profitieren kann."

Im Rahmen der Berliner Gespräche zur Digitalen Integration wurde von den Referentinnen und Referenten das Internetnutzungsverhalten von Menschen in ländlichen Regionen erörtert. Zielgruppengerechte Inhalte spielen nach Ansicht der Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Landfrauenverbandes (dlv), Heike Troue, eine entscheidende Rolle. Aber auch die geringere Anzahl öffentlicher Internetzugangsorte im ländlichen Raum wirkt sich aus, weil damit für viele Menschen die ersten Erfahrungsorte mit dem Medium Internet fehlen.
Im Rahmen der Berliner Gespräche zum Thema Markt der Möglichkeiten - Internet für den ländlichen Raum wurden am 30. März Praxisbeispiele wie das Projekt SaLZ - Sachsen lebendige Zukunft oder die IT-LandFrauen des dlv vorgestellt, die zur Steigerung der Internetnutzung in der Landbevölkerung beigetragen haben und die als Vorbild zukünftiger Maßnahmen dienen können.

Weitere Informationen zu den vorgestellten Projekten finden Sie im Internet unter http://www.digitale-chancen.de/presse, das Programm der Veranstaltungsreihe steht unter www.digitale-chancen.de/berlinerG zur Verfügung.
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