Billie The Queen

Heute, am 8. April 2004, findet die 8. Aufführung von "A Portrait of Billie Holiday" als Gastspiel von Jackie Lowe & Band im Kleinen Theater, Südwestkorso 64, 12161 Berlin, statt.

Wer noch nie in diesem Theater war, hat mit der mutigen Illustration und Interpretation der Rolle von Eleanora Fagan den besten Grund, nach Berlin-Friedenau zu fahren (mit dem Auto allerdings nur dann, wenn Sie rechtzeitig losfahren, das es abends noch mehr Zeit braucht, einen Parkplatz zu finden).

Ein knapper verglaster Vorbau, eine Eingangstür mit dem kleinen schweren schallschluckenden Vorhang, gerade mal zwanzig Sitzreihen in ansteigender Manier so verbaut, dass oben an der Stirnseite noch Platz bleibt für eine kleine Bar und vor den Sitzen schmale Stege um die Getränke abzustellen. In den Seitenwänden sind Nischen eingelassen für die Garderobe, die jeder selbst nach Belieben hinhängen kann - und an der Vorderseite eine Empore, auf der gerade mal ein Klavier Platz hat, eine Sitzgruppe für die Musiker, eine zweite für die Darsteller und in der Mitte ein Podest, auf dem beim Eingang in den Saal schon der Bass gut aufgelegt und in rotem Licht bestrahlt ist.

Gleich noch eine "Nebensächlichkeit" zu Beginn: die diskrete und eben dadurch gut und durchaus effektvoll gesetzte Lichtregie. Und das schom mit dem ersten Auftritt der Darstellerin: hier wird zunächst nicht ihr Antlitz sichtbar, sondern nur ihr Kleid und die Umrisse Ihres Kopfes. Wunderbar in blau und rot (rosa) gesetzt, zwei Farben, die später als die Farben des Blues in der Rolle selber zur Sprache gebracht werden: sie "intonieren" hier das Stück gleichsam selber mit.

Das "Stück" ist eigentlich keines in diesem Sinne - und doch ist es mehr als eine Nummernrevue. Um es ganz knapp zu sagen: gerade dadurch, dass die Darstellerin das Publikum nicht in der zu Beginn aufgebauten Illusion belässt, sie würde die Rolle der von ihr portraitierten Persönlichkeit verkörpern, gelingt es ihr im zweiten Teil nach der Pause, diese Illusion als legitimes theatralisches Moment zur Geltung zu bringen. Anders gesagt: gerade mit dem von ihr entworfenen Bild-Metapher einer Malerin, die versucht, mit dickem und feinem Pinsel das Bildnis der "Lady Day" nachzuzeichnen, bemüht sie sich um einen Verfremdungseffekt, der wiederum notwendig ist, um im zweiten Teil dann doch die Rolle ihre Vorbildes annehmen zu können.

Hier soll keine Theaterkritik geschrieben werden, wohl aber das Lob für die Menschen, denen es geling, trotz aller Distanz zu Raum, Zeit und Kultur, die Kultur einer amerikanischen schwarzen Sängerin zu einem ganz anderen Zeitpunkt in einem ganz anderen gesellschaftlichen Umfeld wieder auferstehen zu lassen: und das gerade durch die gesuchte und gewollte Verfremdung in einer durchaus glaubhaft zu nennenden Art und Weise.

Gerade der Verzicht darauf, alles zu zeigen was man hat - so wird sie gleich in der ersten Szene als Tänzerin von dem klavierspielenden Clubbesitzer abgelehnt - und was man getan hat - die ganzen Mühen der Ebenen die notwendig waren, um überhaupt dieses Stück hier in Berlin auf die Bretter bringen zu können - gerade dieser Verzicht macht es möglich, in dem gesetzen Rahmen dieser kleinen Bühne den Raum von Friedenau, das Ghetto der weissen Mehrheiten und die Zeit dieses Jahrhunderts zu sprengen.

Dafür alle Beteiligten ein grosses Kompliment: das ist "Multi-Kulti" at it’s best! Authentisch gerade dadurch, dass keine falsche Authetizität beansprucht wird.

Und so wird aus dem "Kleinen Theater" die Badewanne" aus dem Jahre 54, angeblich jener berliner Jazz-Club in dem Billie Holiday damals gefeiert und gesungen hat - und aus dem "Mowtown-Girl" Jackie Lowe d i e echte Interpretin Ihrer geliebte Vorsängerin.

Eine besonderer Höhepunkt war der Abend der 7. Aufführung am 7. April 2004, als sie vom Publikum aufgefordert wird, mit ihrem Pinanisten eine Zugabe zur Zugabe zum Besten zu geben: es ist der 89. Geburtstag von Billy the Queen.

WS.

Nachfolgendes Kurzportrait ist zitiert aus
http://www.nationmaster.com/encyclopedia/Billie-Holliday

Billie Holiday (1915 - 1959), also called Lady Day is generally considered one the greatest jazz singers of all times. Born Eleanora Fagan, she had a difficult childhood which affected her whole life. She has claimed that she was a child prostitute but details about that are questionable.

She began singing in clubs in 1930, and was discovered by record producer John Hammond three years later. Hammond arranged several recording sessions for her with Benny Goodman. She later worked with such jazz legends as Lester Young, Count Basie, and Artie Shaw, breaking the color barrier along the way by becoming one of the first jazz singers of that era to perform with white musicians. Nevertheless, she was still forced to use the back entrance and described being forced to wait in a dark room away from the audience before appearing on stage. Once before an audience, she was transformed into Lady Day with the white gardenia in her hair. She explained the sense of overpowering drama that featured in her songs, saying, "I’ve lived songs like that".

Even when she was young and singing trivial pop songs, however, her unique tone and emotional commitment made her performances special.

Holiday’s success was marred by a growing dependence on drugs, alcohol, and abusive relationships. This affected her voice as well, and in her later recordings youthful spirit is replaced by overtones of regret, but her impact on other artists was substantial in all phases of her career. Even after her death she influenced such singers as Janis Joplin and Nina Simone. Diana Ross played her in a movie version of her autobiography, Lady Sings the Blues.

Her late recordings on Verve are as well remembered as her Commodore and Decca recordings of 20 years before. Several of her songs, including her signature song "God Bless the Child", George Gershwin’s "I Love You Porgy" (covered exactly by Simone), and the rueful blues "Fine and Mellow" are jazz classics.

Her performance of Lewis Allen’s (Abel Meeropol) anti-lynching song on Commodore, "Strange Fruit", with the lyric "Southern trees bear strange fruit" gave her a place, not just in musical history, but in American history:
Billie Holiday is interred in St. Raymond’s Cemetery, Bronx, New York.

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