Valencia wie Werder
Werder wie Valencia?

Einen Tag nach dem Sieg von Werder Bremen über Bayern München in München gewinnt der FC Valencia ebenfalls frühzeitig vor Saisonende die Meisterschaft in Spanien. Dazu "NDR Online" vom 10. Mai 2004 mit nachfolgendem "Originalton"

Spaniens Werder heißt Valencia

Einen Tag nach dem Triumph der Bremer in der Bundesliga hat in Spanien der FC Valencia die spanische Version des SV Werder die Fußball-Meisterschaft gewonnen. Die Valencianer sicherten sich den Titel 2 Runden vor Saisonschluss mit einem 2:0- Sieg beim FC Sevilla.

Damit gaben sie den großen Favoriten Real Madrid und FC Barcelona, die Millionensummen in Superstars wie David Beckham oder Ronaldinho investiert hatten, das Nachsehen. Der sechste Titel des FC Valencia ist - ebenso wie der Erfolg des SV Werder - ein Beweis dafür, dass im Fußball die Millionen nicht alles bedeuten und erst recht nicht den Erfolg garantieren. «Unsere Meisterschaft ist ein Triumph der Bescheidenheit und der Arbeit über die Macht des Geldes», konstatierte Kapitän David Albelda.

Nach dem Abpfiff in Sevilla strömten über 40 000 Valencianer auf die Straßen und feierten bis in die Nacht. Dem eisenharten Innenverteidiger Roberto Ayala traten Tränen der Rührung in die Augen. Clubpräsident Jaime Ortí stieg mit Schlips und Kragen zu den Spielern ins Duschbecken. Nur Trainer Rafael Benítez bremste die Euphorie: «Präsi, bis Dienstag ist aber mit den Feiern Schluss!» Der gestrenge Coach dachte bereits an das Endspiel um den UEFA-Cup am 19. Mai gegen Olympique Marseille. Dort will er dem FC Valencia erstmals in der Vereinsgeschichte ein Double bescheren.

Der Erfolg von Valencianern und Bremern markiert eine Trendwende im europäischen Fußball. Das Kollektiv triumphiert über die Stars. In der Champions League zogen die vermeintlichen «Namenlosen» vom FC Porto und AS Monaco ins Finale ein; Real Madrid und Manchester United mit ihren Superstars blieben auf der Strecke.

Benítez ist - wie Werders Thomas Schaaf - kein Glamour-Coach, sondern ein Arbeiter auf der Trainerbank. Er formte eine Mannschaft wie aus einem Guss und mit der Präzision eines Uhrwerks. Unter Anspielung auf die Trikotfarbe und den Stanley-Kubrick-Film gab man dem Team den Beinamen «Clockwork Orange».

Das Erfolgsrezept basiert zum einen auf einer stabilen Abwehr um den Argentiner Ayala, einen der besten Innenverteidiger der Welt, und den 39-jährigen Italiener Amadeo Carboni («Ich spiele auch noch im Rollstuhl Fußball»). Zum andern lässt der Coach seine Spieler ständig rotieren. Schlüsselspieler wie Rubén Baraja oder Carlos Aimar müssen selbst in wichtigen Spielen auf der Ersatzbank Platz nehmen, wenn ihre Fitness-Werte eine Pause nahe legen.

Dabei hatte der Club mit der Fledermaus im Wappen zu Saisonbeginn alles andere wie ein angehender Meister ausgesehen. Unter den Aktionären tobte ein Machtkampf, die Fans zürnten dem Vorstand wegen ausbleibender Verstärkungen, der Trainer lag mit dem Manager im Clinch, und Ayala zog es nach Real Madrid. Der Vorstand verpflichtete schließlich Spieler, diese entsprachen aber nicht den Vorstellungen des Trainers. «Das war so, als wenn man im Möbelgeschäft ein Sofa bestellt und dann eine Lampe geliefert bekommt», lästerte Benítez. Der 44-jährige ließ sich dadurch nicht entmutigen und hielt sich an die Devise: «Aus dem Chaos entsteht die Ordnung.» Mit Erfolg.

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Gut eine Woche später und der FC Valencia steht erneut auf dem Siegerpodest. Dieses Mal als UEFA-Cup-Champion - und die Frage ist, ob sich nun auch Werder "seinen" Pokal in Berlin wird abholen können. Zum Spiel in Göteborg im "Originalton" die Netzeitung vom 19. Mai [hier übernommen in der am 20. Mai um 11:18 Uhr ergänzten Fassung]. WS.

Der FC Valencia hat die Nachfolge des FC Porto angetreten. Im Finale des Uefa Cups besiegte der spanische Meister das Team von Olympique Marseille.

Der FC Valencia hat seinen ersten internationalen Titel seit 1980 gewonnen. Nach zwei verlorenen Endspielen in der Champions League gegen Real Madrid (2000) und den FC Bayern München (2001) besiegte der neue spanische Meister am Mittwoch im Finale des Uefa Cups Olympique Marseille mit 2:0 (1:0).
Vor 40.000 Zuschauern im Ullevi-Stadion von Göteborg erzielten Rodriguez Vicente mit einem verwandelten Foulelfmeter (45.) und Valencias Torjäger Mista (58.) die Treffer für die Spanier. Torhüter Fabien Barthez von Olympique sah kurz vor dem Seitenwechsel nach einer Notbremse die Rote Karte.

Marseille mit besserem Start

Dabei hatte das Team aus Südfrankreich zunächst den besseren Start erwischt. Vor 11.000 eigenen Anhängern dominierte der Champions-League-Gewinner von 1993 zunächst die Begegnung. Doch Steve Marlet (15.) und Camel Meriem (17.) verpassten die mögliche Führung.

Danach kam Valencia, das vor 24 Jahren mit Rainer Bonhof und dem Argentinier Mario Kempes den mittlerweile abgeschafften Europapokal der Pokalsieger gewonnen hatte, besser ins Spiel. Doch zwingende Chancen konnte sich Valencia nicht erarbeiten. Zudem sank das zuvor gute Niveau immer mehr. Bei Valencia machte sich dabei besonders das Fehlen des etatmäßigen, aber nach einer Verletzung noch nicht topfitten Spielmachers Pablo Aimar bemerkbar, der durch Angulo ersetzt wurde und erst in der 64. Minute eingewechselt wurde.

Rot für Barthez leitet Sieg ein

Um so mehr überschlugen sich in der Schlussminute der ersten Halbzeit die Ereignisse. Barthez hatte Mista unfair im Strafraum gestoppt und sah als letzter Mann von Schiedsrichter Pierluigi Collina aus Italien die Rote Karte. Den anschließenden Strafstoß verwandelte Vicente gegen Ersatzkeeper Jeremy Gavanon sicher zur Führung der Spanier.

Auch nach dem Seitenwechsel wurde die Partie nicht besser. Marseille versuchte immer wieder, Torjäger Didier Drogba einzusetzen. Doch der Stürmer von der Elfenbeinküste konnte sich kaum gegen den gut stehenden Abwehrriegel durchsetzen.

Effektiver agierte Drogbas Gegenüber. Nach einem Pass von Vicente stand Valencias Torjäger Mista völlig frei und ließ Gayanon aus elf Metern keine Chance (58.). Anschließend ließen die Bemühungen der Franzosen nach, Valencia konnte sich auf Konter beschränken. Dabei verdribbelten sich die Spanier aber zumeist im Strafraum von Marseille und kamen kaum noch zu Chancen. (nz)

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