ChariCheck X-XII

Dieser Eintrag knüpft an an den letzten Bericht "ChariCheck IX" vom April diesen Jahres. Es stellt sich nämlich heraus, dass die zu jenem Zeitpunkt durchgeführte Massnahme mehrfach zu wieder holen sei, bevor festgestellt werden könne, ob damit eine Stabilisierung oder gar Verbesserung des allgemeinen Zustandes erreicht worden sei.

Damit das Ganze aber nicht zu sehr ausartet, wurden für diesen und die zwei nachfolgenden Tage nur ein einziger Eintrag vorgehalten - es sei denn, man rechnet noch den Sonntags-Film-Bild-Eintag "hp presents: WOLF im Krankenhaus" dazu.

Das ist auch der Tatsache geschuldet, dass diese drei Tage auf das Wochenende verlegt werden konnten. Und die Wiederholung der gleichen Prozeduren auch eine gewisse Routine mitbringt, die hilft, mit den alltäglichen Anforderungen noch besser klar zukommen [1].

Vor allem aber ist es wichtig, festzuhalten, dass die Betreuung in diesem Hause dieses Mal durch die Bank weg wirklich in Ordnung geht. Das betrifft sowohl das Personal als auch die Ärzteschaft.

Zweitens ist es wichtig zu erleben, dass die ebenfalls betroffenen Patienten im gleichen Krankenzimmer mit Herausforderungen und Schwierigkeiten zu tun haben, die das eigene Mass der Behinderung bei weitem übersteigen. Und dass es, flapsig gesagt, immer noch so was wie "Glück im Unglück" gibt.

Drittens und vor allem ist es bemerkenswert, dass es unter den besonderen Bedingungen eines Krankenzimmers zu Begegnungen mit Menschen kommt, zu denen es im unmittelbaren Arbeitsumfeld wohl nicht gekommen wäre. Dabei gilt es, die Herausforderung anzunehmen, sich wirklich gemeinsam ins Benehmen setzen zu können - und zu wollen.

Viertens ist ein solcher Aufenthalt einmal mehr eine proaktive Herausforderung. Es mag der Moment kommen, da eine Einweisung ein Krankenhaus nicht freiwillig, sondern "zwangsläufig" geschieht. Und es bedarf wahrlich einiger Übung, um mit den Verhältnissen hier klar zu kommen - und mit sich selber.

Fünftens ist diese Auseinandersetzung mit den Verhältnissen vor Ort, als auch mit sich selber, in der Perspektive immer auch eine Auseinandersetzung mit der Herausforderung, dem Tod ins Auge zu sehen. Das ist weniger abstrakt, als es hier vielleicht in diesen Worten zum Ausdruck kommen mag. Konkret wurde bereits in einem der früheren Eintrage indirekt darauf reflektiert, da an diesem Ort einer der eigenen Lehrmeister verstarb - Bertolt Brecht [2].

Um das Thema nach vorne hin positiv und produktiv aufzulösen hier der Hinweis auf die Gesprächsendung im Rahmen des Breitband-Formats von Deutschlandradio-Kultur am Samstag, den 22. Juni 2017 zu den Fragen nach dem Leben und Tod im Netz.

Philip Banse ist auf jeden Fall für eine solche Sendung der richtige Mann an diesem Moderatoren-Platz. Seine unaufgeregte aber durchaus persistente Art ein Thema anzupacken, aufzudröseln und bestenfalls auch seine Leute vor den Membranen zum Auspacken zu bewegen, ist gerade bei einem Thema wie diesem sicherlich von Vorteil. [3]

[1Ein weiterer Bericht kann schon jetzt für den Zeit ab dem 18. August 2017 avisiert werden.

[2Hier ein Einblick / Rückblick auf die bisherigen Einträge:
ChariCheck IX
ChariCheck VII
ChariCheck VI
ChariCheck V
ChariCheck IV
ChariCheck III
ChariCheck II
ChariCheck I

[3

Six Bits Under: Leben und Tod im Netz
Was bleibt von uns und wie gehen wir damit um?

Ende Mai war ein Urteil zum digitalen Nachlass in allen Nachrichten: In zweiter Instanz hatte das Berliner Kammergericht entschieden, dass Facebook den Eltern einer verstorbenen Nutzerin keinen Zugang zu ihrem Konto ermöglichen muss.

Die Begründung: Gegen den Zugriff der Eltern stehen die Rechte der Kommunikationspartner ihrer Tochter. Insbesondere das Fernmeldegeheimnis verhindere den Zugriff. Doch viele Fragen blieben offen, zum Beispiel, ob ein Facebook-Konto vererblich ist.

Spuren hinterlassen

Menschen schreiben ins Netz, twittern, posten, laden Fotos und Videos hoch. Sie kommunizieren und dokumentieren ihr Leben online. Zusätzlich zu Social Media-Konten gibt es immer mehr virtuelles Erbe. Doch was passiert damit nach dem Tod? Die Daten bleiben erhalten. Wollen wir es nicht auch teilweise? Spuren hinterlassen – auch im Netz? Und somit das endliche Leben digital verlängern?

In einer Stunde Breitband-Talk sprechen wir über Leben und Sterben im Netz. Was bleibt dort von uns? Wie gehen Unternehmen, Versicherungen und Justiz derzeit mit virtuellem Nachlass um? Inwiefern unterscheidet sich digitales Erbe vom analogen? Kann das Internet die menschliche Endlichkeit überwinden?

Im Gespräch mit Philip Banse:

Stephan Porombka ist Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der Universität der Künste Berlin. Als Autor befasst er sich auch auf Facebook, Twitter, Instagram und Snapchat mit dem Leben im Digitalen.

Die Juristin Ramak Molavi beschäftigt sich mit rechtlichen Fragestellungen um unter anderem IT, Big Data, Legal Tech, Robotics, Internet der Dinge sowie Mobile Apps.

Der Medienpsychologe Tobias Dienlin hat zur Privatsphäre im Netz promoviert und forscht über den Strukturwandel des Privaten und Sozialisation im Social Web.

Redaktion: Miriam Sandabad und Jana Wuttke
Webredaktion: Nora Gohlke